Horror und Ich, eine Liebesgeschichte

Horror und Ich, eine Liebesgeschichte

Horror und ich, das ist eine lange, lange Geschichte. Ich weiß gar nicht, wann sie begann, aber vermutlich, wie so vieles meines Leselebens, hatte ich meine ersten Erfahrungen mit Horror in… den Grimmschen Märchen.

„Märchen? Dein ERNST?“ – Mein vollster! Die Originalmärchen sind schweine gruselig. Kannibalistische Hexen, Stiefmütter, die in glühenden Eisenschuhen tanzen müssen bis sie tot umkippen, Verräterinnen, die in mit nach innen geschlagenen Nägeln ausgekleideten Fässern einen Abhang runtergerollt werden, tote, aber sprechende Pferdeköpfe, von Vögeln ausgerissene Augen (mir fällt gerade auf, dass in Märchen sehr oft Frauen sterben oder Gewalt erleben…), usw. Ganz ehrlich, seicht und romantisch ist was anderes! Trotzdem habe ich sie geliebt, und interessanterweise liebte ich vor allem auch die blutigen Stellen.

Foto: Daniel Jensen via Unsplash.com

Irgendwann entdeckte ich Edgar Allan Poe in Papas Bücherregal, und mit „Das Verräterische Herz“, „Die Maske des Roten Todes“ und natürlich „Der Rabe“ war der nächste Schritt meiner Horrorliebe getan. Es folgten die Gänsehautbücher von R. L. Stine (sprechende, mordende Puppen…alta!), später Stephen King und ein starkes Interesse für Vampire. Nicht die Glitzervariante! Wobei ich die später auch gelesen habe…

Horrorfilme? Ndäh!

Man könnte jetzt meinen, dass ich in jungen Jahren auch ein Faible für Horrorfilme entwickelt habe. Eine kurze Zeit mochte ich das Genre, meistens habe ich schallend gelacht, z.B. bei Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast. Aber dann kam Stephen Kings Es. Ich hab den Film erst ganz gut weggesteckt, aber eine Woche später stand ich unter der Dusche und auf einmal kam der Gedanke „Da unten lebt Pennywise“, und ich bin noch mit Shampoo in den Haaren aus der Dusche gehechtet. Mein Bruder musste mir die Haare auswaschen, weil ich mich an dem Tag nicht mehr unter die Dusche getraut habe. Duschen geht inzwischen wieder, Horrorfilme sowas von nicht.

Zombieland, eine Komödie, habe ich erst im zweiten Anlauf geschafft.

Llorenas Fluch? Fragt mal Nadine von Epilogues, wie der Kinobesuch ablief. Spoiler: ich kenne das Ende des Films bis heute nicht.

Silent Hill? Als der Film gegen meinen Willen angemacht wurde, habe ich die Zeit im Schlafzimmer gelesen.

Saw 2? Ich musste dringend auf’s Klo, und als ich es nicht mehr aushielt, habe ich überall Licht angemacht, und habe auf dem Rückweg zu meinem Zimmer einen Sprint hingelegt, der Usain Bolt neidisch gemacht hätte.

Nadine, Janna von Wortrausch und ich planen schon seit 2018 eine Horrorfilm-Pyjama-Party. Sie finden es beide zum schreien, dass ich so Schiss vor Horrorfilmen habe, und ich musste mir schon den ein oder anderen neckischen Seitenhieb anhören. Inzwischen haben aber anscheinend beide verstanden, dass ich bei so einem Abend wirklich keinen Spaß hätte, und vermutlich die ganze Zeit weinend vor Angst und Herzrasen unter der Decke liegen würde. Was wir gucken werden, sollten wir irgendwann diesen Abend umsetzen können, wissen wir noch nicht, aber es werden definitiv keine Horrorfilme sein!

Ich hasse Horrorfilme! Foto: Jose Francisco Morales via Unsplash.com

Bücher? Immer her damit

Viele denken fälschlicherweise, dass ich, weil ich keine Horrorfilme gucken kann, auch keine Horrorbücher mag. Dem ist ganz und gar nicht so, sogar das Gegenteil. Ich liebe guten Horror, sowohl den leisen von Poe und Lovecraft, als auch Splatter Horror, wie ihn Tanja Hanika und einige Zombie Autor:innen schreiben. A propos Zombies: Auf meiner Horrorskala rangieren Zombies und Clowns auf Platz 1 und 2 (schlimmste Kombi: Zombie-Clowns), und Horrorfilme oder Serien damit kann ich echt nicht gucken. Aber über Zombies lesen? Liebe ich! Vor allem The Zombie Autopsies von Schlozman, Der Zombie Survival Guide von Max Brooks und Zombies. Nechronologien von Peru haben es mir angetan.

Ein Freund meinte mal zu mir, dass ich, wenn ich Horror nur lesen, aber nicht gucken könne, wohl eine schlechte Vorstellungskraft habe. Habe ich nicht, sonst fände ich alle Bücher reichlich fade. Nur hat mein Gehirn, und damit meine Vorstellungskraft, die  Kontrolle über die Bilder, die in meinem Kopf beim Lesen von Horrorbüchern entstehen – und wird keine fabrizieren, die für mich zu schockierend sind. Gruseln kann ich mich dennoch ganz ausgezeichnet, und ich grusel mich gern, ich liebe Horror! Auch wenn ich dann auf dem Weg zum Klo wieder überall Licht anmachen muss und zurück zum Bett sprinte.

Bevor übrigens jemand fragt: bei den großen Klassikern bin ich noch dabei. Dracula habe ich dieses Jahr endlich als Hörbuch gehört, und Dr. Jekyll und Mr. Hyde habe ich schon vor zwei Jahren gelesen. Das Bildnis des Dorian Gray habe ich schon zig mal angefangen, aber so richtig packt es mich nicht, dafür will ich dieses Jahr noch Frankenstein lesen.

Foto: Wiki Commons

Diese Woche: Mareikes kleine Horrorshow

Ich weiß, ich weiß, eine Horrorwoche zu Halloween ist in etwa so kreativ wie als Weihnachtsmann einen weißen Bart zu tragen. Allerdings habe ich ein paar Bücher, die ich euch unbedingt vorstellen möchte, und zu Halloween suchen doch eh immer alle Leute nach neuem Grusel… Oder etwa nicht?

Welche sind eure liebsten Horror-Autor:innen? Welche Horror-Bücher muss ich auf jeden Fall noch lesen? Und gebt mir bitte keine Tipps für Filme. Ich werde sie nicht gucken, weil ich wirklich irre Angst dabei habe und mir freiwillig keine angucken werde.

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7 thoughts on “Horror und Ich, eine Liebesgeschichte

  1. Hey Mari!
    Ich finde das sehr faszinierend, wie du mot den verschiedenen Medien unterschiedlich umgehst. Ich habe zwar die Gänsehaut Bücher gelesen, sowie hier und da ein Horrorbuch, mich jedoch nicht sonderlich mit dem komplettem Genre beschäftigt. Filme gehen in gewissermaßen, wenn auch nicht immer. Puppen finde ich besonders grauenvoll. Als Kind habe ich eine kleine Porzellan Puppe von meiner Großmutter bekommen. Sie hatte im Gästeraum auch einige. Rate mal wer bis heute Puppe und Raum unglaublich unangenehm findet. :)))
    Leider kann ich dir direkt keine Vorschläge geben, dass eine Buch 2019 is nachhaltig nicht so hängen geblieben, also werde ich gespannt deine Woche verfolgen und vielleicht was spannendes bei dir finden!

    xoxo
    Jen

    P.S: Bildnis des Dorian Grey is einer meiner liebsten Filme, aber auch nur weil er von Ben Barnes gespielt wird! Und nein, dass is keine Empfehlung sondern ne Ramdom Info über Jen. XD

    1. Uuuh, Puppen können auch unfassbar creepy sein. Vor allem die alten. Ich verstehe dich da also absolut!

      Ich kann auch nicht sagen, dass ich mich super eingehend mit dem Genre beschäftige, dafür lese ich dann doch zu wenig Horrorbücher. Aber dass dir deins aus dem letzten JAhr nicht im Kopf geblieben ist, ist ja auch ein Urteil 😀

      Cheerio
      Mari

  2. Ich kann dich so gut verstehen, Horror-Filme gehen bei mir auch wirklich gar nicht. Nicht mal zweiminütige Trailer kann ich mir ansehen. Die reichen mir schon völlig aus. Bei Saw hab ich nicht mal 5 Minuten ausgehalten.

    Beim Lesen ist das aber wirklich was anderes und ich „ertrage“ es wesentlich besser. Und es macht sogar ein bisschen Spass 🙂 Wobei ich Zombies über alles hasse, sei es beim Lesen oder beim Filme schauen. Urgs.

    Ich freu mich auf deine Horror-Woche, da sind bestimmt ein paar super Lesetipps dabei :))

    1. Boah, Saw ist aber auch übel.
      Ich musste für meine ehemalige Arbeit einmal den Trailer von ES 2 gucken. Ich durfte Bier dabei trinken, weil ich das sonst nicht ertragen hätte…

  3. Direkt eine Frage vorweg: Wie sieht es denn mit Gruselfilmem aus? Das Haus der geheimnissvollen Uhren, Gänsehäut (obwohl der mMn eher Trash als Grusel ist ^^‘ ) und andere kinderfreundliche Gruselfilme?

    Ich persönlich muss ja gestehen, dass ich voll und ganz in der Horrorserien und -filme Fraktion hänge. Zum Lesen fehlt mir hingegen leider oft die Zeit und ich habe noch nicht wirklich viel Horrorlektüre vor der Nase gehabt, weil ich früher fast ausschließlich Fantasy gelesen habe. Um Kings Bücher habe ich z. B. bisher einen großen Bogen gemacht, weil mich die schiere Länge abschreckt, sodass ich noch kein einziges gelesen habe.

    Aber bei den Clowns bin ich voll und ganz bei dir. Ich liebe Horrorclowns. Ich liebe es, über sie zu schreiben, liebe es, über sie zu lesen und ich liebe es, Spiele zu spielen und Filme zu gucken, in denen Horrorclowns vorkommen. (Nur Pennywise konnte mich leider nie überzeugen :/ ).
    Der einzige Nachteil an ihnen: Sie machen den richtigen Clowns die Jobs kaputt. Viele Clowns sind wirklich lustig. Sie wollen die Leute doch nur zum Lachen bringen und ihnen eine schöne Zeit schenken. Aber das ist ein anderes Thema … ^^

    1. Ooooh, ich sehe, ich habe etwas missverständlich geschrieben…
      Ich hasse Clowns abgrundtief. Ich glaube, nur Sam Winchester toppt mich da. Ich lese auch nicht gerne über sie. Wenn ich auf einer Convention oder einer Messe Horrorclown gesehen habe, bin ich immer direkt in die entgegengesetzte Richtung weiter. Zombies gehen bei mir nur in Büchern. Auf Conventions tlw., aber die machen mir dennoch eine Heidenangst. Wer sagt denn, dass nicht tatsächlich irgendwo ein Virus freigesetzt wurde? 😀 Eine Zeitlang habe ich jedes Haus, an dem ich vorbeigekommen bin, auch Zombie-Apokalypsen-Tauglichkeit bewertet und mir überlegt, wie ich am besten überlebe und meine Familie rette.

      Aber wenn du Horror schreibst, werde ich mir doch gleich mal deine Website ansehen 😀

      1. Oh, da habe ich dich wohl wirklich missverstanden. Ich hatte die „Horrorskala“ als etwas Positives gesehen (Ups 😅 ).

        In dem Fall sind Zombies auf meiner Horrorskala jedoch sehr weit unten. Meiner Meinung nach sind sie einfach nicht gruselig und ich würde sogar soweit gehen, Zombies zwar zu Splatter, aber nicht unbedingt zu Horror zu zählen. 🤔
        Es ist jedenfalls sehr spannend, wie da die Meinungen auseinander gehen können! ^^
        Die Idee mit den Zombies auf Conventions, die unerwartet echte Zombies sind, finde ich übrigens sehr schön. Alle würden es für ein Kostüm halten. Ich kann mir sogar vorstellen, wie die ersten paar Angriffe noch als gestaged durchgehen, bis die Leute realisieren, was da tatsächlich passiert. :’D

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