Arrogant Player: Problematisch Lachnummer denn sexy Ablenkung.

Arrogant Player: Problematisch Lachnummer denn sexy Ablenkung.

Titel: Arrogant Player | Autorin: Julie Capulet

Okay, wir machen es schnell mit der Zusammenfassung worum es geht: Luna und Josie sind beste Freundinnen und haben eine Bar in Key West, die mehr oder weniger läuft. Josie muss ihren Anteil verkaufen, weil sie schwanger ist, bald alleinerziehend und zurück zu ihrer Familie will. Auftritt Gage McCabe. Reich, quasi Sexiest Man Alive, Ego und Arroganz so groß wie ein T-Rex. Er kauft Josies Anteil von 51% der Bar, um mehr Zeit mit Luna verbringen zu können. Ihre Vergangenheit lässt sie um Männer wie McCabe lieber einen großen Bogen schlagen. Können die beiden trotzdem zueinanderfinden?


Jajaja, ich weiß, standard NA Enemies to Lovers Plot. In den letzten Wochen habe ich einige gelesen, die dem Label nicht gerecht wurden, aber passt schon. Es war gute, seichte Unterhaltung, die ich brauchte, und einige Bücher haben mich durchaus überrascht. In den letzten Jahren scheint sich einiges getan zu haben in dem Genre.

Arrogant Player gehört…eher nicht dazu. Wo soll ich da anfangen? Vielleicht bei dem besitzergreifendem Alphaego, dass durch Lunas Korb bedenklich gekränkt wurde – und Gage Luna jetzt „besitzen“ muss? Dass er natürlich die troubled soul ist, die unter der kalten, berechnenden Fassade eigentlich ein total lieber Kerl ist? Nagut, lassen wir das, manche stehen drauf, und das ist nichtmal das wirklich… Kuriose oder Problematische an dem Buch. Gages Verhandlungsmethode ist da schon fragwürdiger, aber hey, alles für den Plot, und am Ende bekommt er die Hälfte des Clubs.  Aber da hört es nicht auf, neee, das ist nur das Intermezzo.

Wochenende der Vertragsunterzeichnung. Freitag gehen Gage und Luna zum geheimen Gig einer Band, die sie liebt und die ganz zufällig seine Cousins sind. Natürlich muss er sich zwischendurch immer wieder vergewissern, dass er reicher ist, größer und besser aussieht. Ego wie eine Hüpfburg – groß, aber ziemlich aufgeblasen. Der Gig wird gestürmt, Luna und Gage verstecken sich in einer Abstellkammer. Die „heiße Szene“ hier ist mindestens übergriffig. Um es kurz zu halten: Er „Du willst mich“ Sie: „Nein.“ Er: „Ich spüre es.“ Sie: „Ich will nicht.“ Luna sagt fünf mal, FÜNF MAL „Nein“. Als er sie fragt, ob sie wissen wolle, was er als erstes mit ihr machen würde, sagt sie wieder „Nein“ und „Stopp“, er macht es trotzdem. Natürlich sagt ihr Körper was anderes, denn wir müssen selbstverständlich das Narrativ weiterführen, dass Frauen Ja meinen, wenn sie Nein sagen, und wir toppen es hier mit einem intensiven Orgasmus. Weil, cis Mann weiß natürlich besser, was cis Frau will. 

Nach dieser Szene gehen sie aus dem Club und am Strand spazieren, und wenn ihr denkt, die Szene von eben ist nicht zu toppen, belehre ich euch gerne eines besseren – der Bullshitbingo geht jetzt erst richtig los.

Sie sitzen im Sand, Gage fragt, was Luna passiert ist (ihr muss ja was passiert sein, sonst würde sie ihm nicht so partout widerstehen wollen).

Er überredet sie, darüber zu reden, „because it helps“ und „I want to fix you“. Luna erzählt, die Story ist übel, Trauma klingt plausibel, und sie fühlt sich hinterher tatsächlich befreiter – komplett valide. Tatsächlich ist Luna so befreit, dass sie ihr Trauma am nächsten Tag, Samstag, komplett verarbeitet hat und loslassen kann. 

Ja. Nee. Traumata funktionieren so nicht, dass du ein einziges Mal nach Jahren darüber sprichst und dann, schwupps, ist das Trauma Geschichte. 

Samstag wird sie mit Geschenken von Gage überhäuft, die sie aber irgendwie nicht öffnet, stattdessen will sie Montag nach New Orleans abhauen. 

Sonntag passiert nichts, der wird original auf einer Seite abgehandelt. 

Montag Morgen, Auftritt – Again – Gage McCabe. Es ist irgendwas nach 6 Uhr. Luna wird von ihm geweckt. In ihrem Bett. In ihrer Wohnung. Die ist über der Bar, und da der Traumboy hier den Schlüssel zur Bar hat, kommt er halt auch in ihre Wohnung.
Ungefragt in das Schlafzimmer einer Frau steigen, ihr beim Schlafen zusehen, sie dann wecken… Bekomme nur ich hier harte Edward-Vibes? Es ist creepy as fuck!

Nach ein bisschen „Ich liebe dich“ „ich dich auch“ auf der Couch landen sie wieder im Bett. Kurz ein paar Infos vorab: Luna hatte in ihrem Leben ein einziges Mal Sex; Gage ist nicht rasiert; die Szene in der Abstellkammer war nicht penetrativ, eher sowas wie Trockenpetting.
Gage befriedigt Luna oral, und sie kommt sechs mal. Ja, sechs. Die Zahl zwischen fünf und sieben. Nun mag es durchaus sein, dass man multiple Orgasmen trainieren kann, dass es mit Spielzeugen möglich ist, etc.pp. Aber ausschließlich mit Zunge und Finger, zudem mit einem Drei-Tage-Bart und auf ihrer Seite Null Erfahrung? Ich bin es gewohnt, dass die Sexszenen in NA Romanen oft borderline realistisch sind, aber diese Szene strapaziert meine Toleranz dann doch übel. Oh, und wir sind noch nicht fertig. Sie ist kurz vor Orgasmus Nummer 7, als er in sie eindringen will, und als er es tut, ist besagter Orgasmus auch schon da. Der löst seinen Orgasmus aus. Das Gefühl von Penis und Sperma in ihr triggert wiederum Lunas 8. Orgasmus. 

Wie hat der Typ das gemacht? Seinen Penis mit Einhornstaub eingerieben?

An dieser Stelle konnte ich nur noch lachen, weil ich nicht weiß, ob das überbordendes Wunschdenken einer Person mit Vagina ist, oder ob das Buch ein cis Mann geschrieben hat, der selbst gerne so ein…Hengst wäre. Ich habe absolut keine Ahnung. An einer Stelle, I kid you not!, nennt sie seinen Penis „a hot, thick magic wand“, und regelmäßig scheint besagter magischer Penis hart wie ein Knochen zu sein – was das Wort Boner im Englischen erklärt.

Vielleicht hat Gage auch eine Magic Tongue, wer weiß das schon? Oder wieso Lunas Klitoris nicht völlig überreizt und hat ob der Rauheit von Zunge und Bart nicht mindestens die obere Hautschicht verloren? Auf der anderen Seite hat sich Mr Traumtyp hier durch die halbe cis weibliche Population der USA gevögelt, vielleicht hat er einfach sehr, sehr viel Ahnung, zu irgendwas muss die Erfahrung ja nütze sein. 

Nej nej nej, Kinners, das Buch, auch wenn man es über Kindle Unlimited gratis lesen kann, lasst mal schön im digitalen Regal. Es ist problematisch, übergriffig und vermittelt in den Sexszenen derart unrealistische Szenarien, dass jeder schlechte Porno davon lernen kann. 

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