[Federlesen] Die Liebe zu den Büchern

Heute ist Welttag des Buches. Wusste der gute Gutenberg, wofür er den Grundstein legte, als er 1450 mit seinen beweglichen Lettern das Buchwesen revolutionierte und den Massendruck möglich machte? Ich weiß es nicht, aber wenn ich mir meine Bücherregale angucke bin ich sehr dankbar für seine Erfindung.

Wie unterschiedlich sich Bibliophilie äußert

Ich liebe Bücher, und mit dieser Liebe bin ich nicht allein. Allerdings zeigt sich diese Liebe auf unterschiedliche Weise, jeder Mensch liebt Bücher anders (und manche gar nicht, ich weiß).
Das Gefühl, einen neuen Schatz in der Tasche zu haben, ihn zu Hause auszupacken und über das Cover zu streichen, die ersten Worte, die ersten Seiten, die ersten Kapitel… Manche Menschen wollen sich gar nicht mehr von diesen Schätzen trennen und bauen ihre eigene Bibliothek auf. Andere wollen dieses Gefühl, diese Freude, die man an einem Buch hatte, weitergeben und bringen die Bücher regelmäßig wieder auf den Weg. Manche haben zig ungelesene Bücher in den Regalen und den eReadern, anderen steht schon bei drei ungelesenen Büchern die Panik ins Gesicht geschrieben.

Einige Leser_innen bevorzugen eBooks, andere bleiben beim gedruckten Buch, weitere können nicht ohne Hörbücher, und die ganz Wilden machen etwas Spektakuläres: sie lieben alle Formen, in denen Geschichten daherkommen, und wollen sich gar nicht erst auf ein Medium festlegen.
Es gibt Menschen, die mehr Lesezeichen haben als andere Leute Schlübber und trotzdem im Zweifelsfall den Kassenbon von Aldi nehmen, wenn sie das Lesen unterbrechen müssen, und es gibt die, die ihre aktuelle Stelle mit einem Eselsohr markieren. A propos markieren: manche Leser_innen beten das Papier an auf dem die Geschichte gedruckt ist, und für sie sind Textmarkierungen, egal ob mit Bleistift oder Kuli oder – oh Schreck – mit Textmarker ein Sakrileg. Andere sind da weniger zimperlich, und nochmal andere kleben ihre Bücher mit Post-Ist zu.
Es gibt genügend Menschen, die ihre Bücher so lesen, dass sie am Ende immer noch aussehen wie ungelesen, und die Regale sehen teilweise aus wie beim Buchhändler.

Und fangen wir gar nicht erst mit den Fandoms an. Manche Bücher oder Reihen haben, ob nun mit oder ohne filmische Unterstützung, Fangruppen bei denen jeder Fußballverein neidisch wird. Zeichnungen, Fanfictions, reger Austausch und wütende Diskussionen zeigen im Endeffekt nur eins: da wird eine Geschichte, eine ganze Welt geliebt, in all ihren Details, Facetten und Fehlern. Wer einmal versehentlich in so ein Fandom gestolpert ist, stolperte schnell einigermaßen wieder raus – oder blieb, völlig verzaubert.

Und wie sieht das im Krähennest aus?

Ihr seht: Bibliophilie hat viele Formen, sie sieht unterschiedlich aus. Wenn man sich meine Bücher anguckt weiß man vermutlich nicht, ob ich meine Bücher nun liebe oder zutiefst verabscheue, denn sie müssen ganz schön was mitmachen.
Hardcover nur einen Spalt öffnen, damit der Buchrücken nicht bricht? Keine Chance, das muss das Buch abkönnen. Taschenbücher mit der Kneifzange anfassen, damit ja keine Leserillen entstehen? Tzz, stellt euch nicht so an. Veras Augenbraue zuckte nervös, als sie meine Bücher in Augenschein nahm und jede Menge Leserillen entdeckte.

Leserillen ftw!

Gerade Taschenbücher müssen bei mir echt leiden. Sie werden in Taschen und Rucksäcke geworfen, und wenn das Cover umknickt, weil ich noch eine Wasserflasche in den prall gefüllten Rucksack stopfe, ärgert mich das – aber solange die Seiten halten ist alles tutti. Eins ist mal in die Badewanne gefallen, auf anderen schlafe ich ein und sabbere hinein (okay, das passiert auch bei Hardcovern).

Umgeknickte Cover findet man in meinem Regal (leider) auch. Aber solange die Buchstaben nicht abhauen…

In meinen Sachbüchern markiere ich nach Lust und Laune – allerdings mit Bleistift und Post-Ist, Kugelschreiber und Textmarker gibt es nur bei kopierten Texten! Aber wie soll ich denn sonst alle wichtigen Stellen wiederfinden? Auch noch Monate und Jahre später?!

Wissensanreicherung. Und damit ich nichts vergesse brauche ich Bleistift und Post-Its.

Meine Bücher werden überall gestapelt, und wenn es mir auf der Couch zu voll wird, werden sie auch mal kurzerhand auf den Boden verfrachtet. In dem Messevideo, das ich zusammen mit Anna gedreht habe, fliegt ein Buch quer durchs Bild in den Koffer. Das ist zwar nicht gang und gäbe, aber kommt halt schon mal vor (das Buch hat den Flug übrigens unbeschadet überstanden).

Man könnte sich jetzt fragen, ob ich meine Bücher, wenn ich sie so liebe, nicht besser behandeln müsste. Aber behandle ich sie denn nicht gut? Man sieht, dass sie gelesen und geliebt wurden, dass ich mich mit ihnen beschäftigt habe, dass sie mal kurz, mal lang, mal für immer ein Teil meines Lebens sind. Und das darf man auch gerne sehen. Wenn sie alle noch so aussehen wie an dem Tag, als ich sie kaufte, wie soll man denn erkennen, dass sie mir das Herz gebrochen und wieder geflickt haben, dass sie mir halfen mich zu entwickeln, mich zu verstecken und wiederzufinden, dass sie mich ganz profan aus einem unerträglichen Alltag rissen und mich wieder gestärkt in ihn entließen.
Ich liebe meine Bücher, und sie lieben mich. Leidenschaftlich. Sie hinterlassen Spuren in mir, und ich hinterlasse Spuren in ihnen, mal mehr, mal weniger sichtbar. Und das wird sich hoffentlich nie ändern.

2 Kommentare zu „[Federlesen] Die Liebe zu den Büchern“

  1. Oh ich weiß nicht, ob Herr Gutenberg es wusste, aber ich denke, er hatte schon so etwas im Auge. Immerhin wäre auch die Reformation ohne den Buchdruck mit beweglichen Lettern nicht so schnell vonstatten gegangen und es war eine unglaubliche Ökonomisierung. Wir sind im alle sehr dankbar. Ein sehr schöner Text zum Welttag des Buches. Wie ich sehe, wartest du wohl auch sehnsüchtig auf den dritten Teil von Patrick Rothfuss‘ The Wise Mans fear … die Spuren die wir und unsere Bücher davontragen sind tatsächlich wichtig – so müssen Bücher aussehen 😉 Lg, Bri

  2. Hallo,

    wahrscheinlich war es für Gutenberg kaum zu erahnen, was seine Erfindung alles bewirken würde! Aber ich bin auch sehr dankbar dafür.

    Mir ist der Gedanke, dass es Menschen gibt, die tatsächlich mit Büchern nichts anfangen können, immer wieder fremd – natürlich nur, wenn ich an Menschen denke, die in einem Umfeld leben, in dem sie auch Zugang zu Büchern haben. Die Welt der Bücher ist so enorm umfangreich und vielfältig, dass es doch für jeden Menschen mit jeden möglichen Interessen das richtige Buch geben muss!

    Ich gehöre zu den Lesern, die die meisten Bücher nach dem Lesen direkt wieder ziehen lassen. (Der schnöde Grund: wenn ich sie alle behalten würde, hätte ich schon bald keinen Platz mehr für neue.)

    Früher habe ich meine Bücher so gelesen, dass sie nach dem Lesen aussahen wir frisch gedruckt. Vielleicht ist es die Tatsche, dass ich inzwischen auch mittleren Alters bin und schon lange beschlossen habe, dass mich Falten und Runzeln nicht die Bohne stören, aber inzwischen biege ich Bücher auch schon mal genüsslich auf, damit ich sie bequem lesen kann. Wenn man mir mein Alter ansehen darf, warum dann nicht meinen Büchern?

    Und wenn ich sie nach dem Lesen in den öffentlichen Bücherschrank stelle, müssen sie auch nicht aussehen wie neu.

    Witzigerweise schlafe ich selten AUF Büchern ein – aber mir knallt öfter eines (oder der eBook-Reader) auf die Nase, weil ich beim Lesen im Bett auf dem Rücken liege und das Buch über mich halte…

    Ich sitze hier gerade auf meinem Lesesofa, und wenn ich mich umschaue, sehe ich einen Stapel auf dem Boden links vom Sofa, einen Stapel unterm Couchtisch, einen Pappkarton mit Büchern unter dem Stuhl da hinten, den nie jemand benutzt… Stapel, Stapel überall.

    Ein wirklich schöner Beitrag! 🙂

    LG,
    Mikka
    [ Mikka liest von A bis Z ]

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