[Sturmkrähe] I am slightly, just ever so slightly, fucking miffed

[Disclaimer: „Frauen“ und „Männer“ bezeichnet auf Crow and Kraken alle Menschen, die ganz oder teilweise als Frau/Mann sind (Trans, Demi, Pan, Cis, Enby)]

Vor einem Jahr gab es auf meinem Blog das erste Feminismusspecial. Dieses Jahr sträubt sich alles in mir, diese Wochen “Feminismus Sepcial” zu nennen, denn Feminismus sollte nicht special sein1, sondern selbstverständlich und alltag. Darum erscheinen die Artikel und Rezensionen in den nächsten Woche nicht im Rahmen eines Specials, sondern in den Inputwochen bzw. Feminist Input Weeks.

Natürlich wäre es super, wenn wir weder Feminismus noch solche Input-Intensivwochen bräuchten. Blöderweise hat sich die Gesellschaft aber kein Stück bewegt, aktuell habe ich sogar das Gefühl, dass sie sich zurückentwickelt. Nicht nur in Sachen Feminismus und Gleichberechtigung, auch in puncto Rassismus, Gender, Rape Culture (trotz #metoo) habe ich den Eindruck, dass die reaktionären Strömungen stärker werden. Zumindest scheinen sie mehr Gehör zu finden als bisher, was natürlich auch an den Sozialen Medien liegt, in denen sich jeder Vollpfosten, nachdem er seine wenn überhaupt Vorhandene Erziehung abgelegt hat, austoben kann.
An manchen Tagen lähmt mich das, ich fühle mich so ohnmächtig. An den meisten Tagen macht es mich wütend, rasend wütend, und wenn ich wütend bin, kommt der Tatendrang. Dieser reicht von ganz unproduktiv ein Glas an die Wand werfen hin zu Artikelserien und Ideen, die sich wie jetzt in den Inputwochen niederschlagen.

Ich bin ein wenig verstimmt…

Ich kann und will einfach nicht hinnehmen, dass misogyne Aschkrampen, sexistische Kackbratzen, rassistische Flachwichser und homophobe und transfeindliche Klosteinlutscher den Diskurs übernehmen, immer mehr Stimmen zum Schweigen bringen, weil diese Angst bekommen, das (wenige) kaputt machen, was in mühsamen Kämpfen erstritten wurde und wird, nur, weil sie keinen Bock haben weiter als vom Kleister bis zur Tapete zu denken und ein Stück ihres Kuchens abgeben zu müssen. Ignorante Klappspaten, die meinen, Feminismus sei heutzutage doch überflüssig, es sei doch alles erreicht, man selbst sei nie sexistisch oder misogyn diskriminiert worden, etc.pp. bringen mich übrigens ähnlich auf die Palme.

Ich zitiere mich gerne aus dem letzten Jahr: „…wenn das hier das Ende der Fahnenstange ist will ich eine neue Stange!“ Nein, wir haben immer noch keine Gleichberechtigung erreicht, Frauen verdienen immer noch weniger als Männer, Männer werden immer noch komisch angeguckt, wenn sie ein Jahr mit dem Kind zu Hause bleiben, Nonbinaries kämpfen um Sichtbarkeit, Rape Survivors wird immer noch die (Mit-)Schuld an der eigenen Vergewaltigung gegeben, (B)WoC wird gesagt, sie wollten ja rassistisch diskriminiert werden (keine Ahnung, vermutlich weil es so bockt bespuckt zu werden?!), Menschen mit psychischen Erkrankungen werde nach wie vor nicht ernst genommen und sollen „sich mal nicht so anstellen“, und trans Personen bekommen Hassnachrichten und Online-Stalker, die zu Offline-Stalkern werden. Und das ist nur das, was mir in 60 Sekunden Brainstorm einfällt. Und das soll ich so toll finden, dass ich mich, der Gesellschaft applaudierend, in feministische Frührente begebe? VERGESST ES! Solange Einstellungsbescheide wie meiner von Staatsanwaltschaften verschickt werden, trans Personen Angst vor Sifftwitterern im Offlineleben haben müssen, Männer gefälligst das starke Geschlecht zu sein haben, und noch viel mehr, solange werde ich pöbelnd und Mistgabel schwingend durch die Straßen ziehen.

Was erwartet euch dieses Jahr?

Nun, es wird wieder jede Menge Literatur geben. Doch während ich letztes Jahr sehr divers war was PoC angeht, bin ich dieses Jahr fast komplett meinem weißen Auge erlegen. Ich lese mich zwar gerade in die feministischen Bewegungen Ägyptens ein2, doch dafür, dass ich mich für mehr Intersektionalität einsetze, ist die Buchauswahl schlichtweg zu weiß. Kalkleistenweiß. Habt ihr Bücher von (B)PoC/(B)WoC, trans Frauen und Nonbinaries, etc. zum Thema Feminismus, die ich gelesen haben sollte?

Außerdem gibt es natürlich wieder Artikel zum Thema Feminismus und was da alles reinspielt, und auch dieses Jahr bin ich nicht die einzige Autorin, die sich austobt. Ich konnte Felicia Ewert für ein Interview zum Thema Cisfeminismus gewinnen, Elif ist wieder mit an Bord, und auch Aurelia schreibt schon fleißig an ihrem Beitrag. Worum es gehen wird? Wird nicht verraten. Nur so viel: euch erwartet eine bunte Mischung.

Last Words: Diskriminierung kann auf verschiedenen Ebenen und gleichzeitig laufen. Behaltet das im Hinterkopf, auch wenn es in den nächsten Wochen vornehmlich um Feminismus geht!


1 Wie übrigens jedes Einsetzen gegen Diskriminierung. Für eine antirassistische, LGBTQ*-inklusive etc. Haltung sollte man sich nicht gegenseitig auf die Schulter klopfen, als hätte man gerade den ersten Marathon geschafft.
2 Wer lacht da? Ja, auch ein All-Inclusive-Urlaub kann sowas anrichten. Pscht.

2 Kommentare zu „[Sturmkrähe] I am slightly, just ever so slightly, fucking miffed“

  1. Ich habe ja den Eindruck, dass wir uns immer mehr verzetteln in so vielen Dingen, anstatt einfach mal zu sagen, wir wollen doch alle dasselbe: Respekt, Anerkennung – auch unserer Grenzen, unser Ding machen – ohne Bewertungen etc. Finde es gut, dass Du inkludierst und alle Menschen als solche benennst. Und bin gespannt, auf die folgenden Beiträge. Solidarische Grüße, Bri

    1. Moin Bri!
      Sorry für die späte Antwort, ich hatte den Kommentar gar nicht gesehen…

      Ich denke, anders rum wird ein Schuh draus: wir wollen alle Respekt und sagen das auch – aber er wird uns auf so vielen Ebenen schlichtweg verwehrt oder wir sollen uns mit 30% zufrieden geben, dass sich daraus die einzelnen „Kämpfe“ ergeben.

      Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß 😀

      Cheerio,
      Mareike

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