[Rezension] Olympe de Gouges – Die Rechte der Frau

Titel: Die Rechte der Frau und andere Texte. Mit einem Essay von Magarete Stokowski | Autorin: Olympe de Gouges | Übersetzerin: Ute Kruse-Ebeling | Verlag: Reclam

Wann fing das eigentlich an mit der Emanzipation der Frau? In 1968? Anfang des 20. Jahrhunderts mit den Suffragetten? Während der Reformation? Im Mittelalter? In der Antike? Im Grunde haben schon immer Frauen für Frauenrechte gekämpft.
Während der Französischen Revolution machte Olympe de Gouges von sich reden, die neben Theaterstücken und Essay auch die “Erklärung der Frauen- und Bürgerinnenrechte” verfasste. Dieser Text ist ein Pendant, wenn nicht eigentlich die logische Erweiterung der damals verfassten “Menschen- und Bürgerrechte” der französischen Nationalversammlung.

“Die Frau wird frei geboren und bleibt dem Mann gleich an Rechten”

In der dieser Erklärung der Menschenrechte ging es aber nach wie vor nur um die Rechte von Männern. Frauen sollten weiterhin klein gehalten werden, die Revolution galt nur der Befreiung von Männern. De Gouge wollte für Frauen keine Sonderrechte oder Extrawürste, sie forderte schlichtweg die gleichen Rechte für Frauen ein, die für Männer bereits galten. Sie war der Meinung, wenn eine Frau auf’s Schaffott gebracht werden kann, dann darf sie auch auf’s Rednerpult. (Art. X, S. 30) Da die Frau an allen “lästigen Pflichten” beteiligt ist, “soll sie ebenso an der Verteilung von Posten, Ämtern, Diensten, Würden und am Gewerbe beteiligt sein” (Art. XIV, S. 331) Im Grunde verlangt de Gouges also nur eins: Wenn Frauen die gleichen Pflichten zu erfüllen haben wie Männer, sollen sie auch die gleichen Rechte haben.

Doch mit diesen, für uns heute schon fast selbstverständlichen Forderungen ist es noch nicht getan. Olympe de Gouges verachtete die Ehe, laut ihr ist sie “das Grab des Vertrauens und der Liebe”. Vor allem lag es auch daran, dass Frauen rechtlich so schlecht abgesichert waren, wenn der Mann starb oder die Ehe verweigerte. Sie stellte ihrer Erklärung der Frauen- und Menschenrechte einen Gesellschaftsvertrag von Mann und Frau nach, in dem geregelt wurde, wie die jeweiligen Partner abgesichert werden sollten, speziell auch im Falle des Todes und ganz besonders, wenn eheliche und uneheliche Kinder im Spiel waren. Diese Form eines Beziehungsvertrages ist nicht nur für ihre Zeit revolutionär. Auch wenn Eheverträge heutzutage gängiger sind, gelten sie immer noch als unromantisch, Absicherung des eigenen Vermögens, etc., geht der Vertrag von de Gouges immer noch weiter, eben weil er sich nicht auf die Ehe bezieht, sondern allgemein auf Partnerschaften!

Margarate Stokowski hat ein Nachwort zu de Gouges Essay geschrieben und erklärt die geschichtlichen Hintergründe, die de Gouges Texte noch eindringlicher machen.

3 Kommentare zu „[Rezension] Olympe de Gouges – Die Rechte der Frau“

  1. Hallo Mareike,

    schön, dass du hier auch ältere Werke vorstellst. Ich wollte schon länger „die Rechte der Frau“ lesen.
    Letztes Jahr hatte ich Mary Wollstonecrafts „A Vindication of Rights of Woman“ gelesen. Davon währen einige Passagen nicht mehr mit heutigem Feminismus vereinbar, aber bei anderen Passagen musste ich beim Lesen noch mit dem Kopf nicken.

    LG
    Elisa

    1. Hallo ELisa,
      naja, ich denke halt, nur weil ein Buch/Text älter ist, ist er nicht automatisch ungültig oder unwahrer. Olympe de Gouges hat auch einige Passagen, die bestimmte Frauengruppen ausschließen, dasändert aber nichts daran, dass sie überhaupt erstmal einen Anfang gewagt hat und dafür auf dem Schafott gestorben.
      May Wollenstonecraft muss ich mal abchecken, irgendwie sagt mir der Name…null. Danke für den Tip!

      Cheerio
      Mareike

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