[Blogtour] Buch im Kontext – Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Am 01.08.2018 erschien bei Piper Der Tätowierer von Auschwitz, ein Jugendroman, der die wahre Geschichte von Lale Sokolov erzählt. Er hat in Auschwitz die Nummern in den Arme der ankommenden Gefangenen tätowiert, hat es geschafft, Mengele aus dem Weg zu gehen und fand auch seine große Liebe in Auschwitz. Lange wollte er seine Geschichte nicht erzählen, er befürchtete, er würde als Mittäter angeklagt werden. Nach dem Tod seiner Frau und kurz vor seinem eigenen Tod erzählte er sie Heather Morris dann doch, und wir können eine einzigartige Geschichte nachlesen, die es so vermutlich kein zweites Mal gegeben hat.

Die Blogtour

Als wir in der Planung für die Blogtour waren, kam die Idee auf, das Buch “in Kontext” zu setzen. Die Blogtour zu Der Tätowierer von Auschwitz sollte nicht einfach nur eine Blogtour sein, die das nächste Lesehäppchen für zwischendurch vorstellt, sondern deutlich machen, warum dieses Buch, warum dieses Thema wichtig ist. Den Holocaust bearbeitet man nicht mal eben im Vorbeigehen mit einem kalten Bier in der Hand. Auschwitz ist für einen Kurzausflug deutlich zu weit weg, aber am Rand von Hamburg liegt die KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Wir entschlossen uns kurzerhand, dort eine Führung zu buchen und auch interessierte Leser_innen einzuladen, den Kontext des Buches genauer kennenzulernen. Immerhin gibt es viele, die das Thema 3. Reich und Holocaust bis zu Erschöpfung in der Schule hatten, aber noch nie ein ehemaliges KZ besucht haben. Und die aktuellen politischen Entwicklungen zeigen, dass man sich gar nicht genug mit diesem Thema beschäftigen kann.

Die nächsten Stationen der Blogtour:
28.08.: Lovely Mix
29.08.: Schattenwege
30.08.: Lisas Bücherleben
31.08.: Kielfeder
01.09.: Lesefreude
02.09.: Ink of Books

Gewinnspiel

Piper stellt der Blogtour zwei Exemplare von Der Tätowierer von Auschwitz zur Verlosung zur Verfügung. Du willst ein Exemplar gewinnen? Dann beantworte jeden Tag eine Frage bei dem jeweiligen Artikel in den Kommentaren.
Crow and Kraken: Warst du schon mal in einem ehemaligen KZ? Wie hast du es empfunden?

    • Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab 18 Jahren möglich. Andernfalls ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberechtigten möglich.
    • Die Gewinner_innen werden per Los ermittelt.
    • Zeitraum: 27.08.-02.09., die Auslosung erfolgt am 03.09.
    • Die Adressdaten werden nur zum Versand gespeichert und werden nach Zustellung des Buches gelöscht.
    • Der Versand der Gewinne erfolgt nur innerhalb Deutschlands und Österreichs.
    • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
    • Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
    • Eine Barauszahlung der Gewinne ist nicht möglich.
    • Der Gewinner ist damit einverstanden, öffentlich genannt zu werden.
    • Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal pro Tag an dem Gewinnspiel teilnehmen.
    • Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.

Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Am 18. August war es soweit. Wir waren am Ende deutlich weniger als geplant, dafür haben wir aber auch eine Menge gehört und gesehen und aufgesogen.

Das Konzentrationslager Neuengamme war zunächst ein Außenlager des KZs Sachsenhausen, bevor es 1940 ein eigenständiges Konzentrationslager mit über 80 Außenlagern wurde. Von den ca. 100.000 Häftlingen starben mindestens 50.000 durch die Zwangsarbeit, Ermordungen und Lagerräumungen. Kurz vor der Befreiung wurde angefangen, neben den Akten auch die Totenbücher zu vernichten. Einige wurden allerdings versteckt, später wiedergefunden und so 20.000 ermordete Gefangene identifiziert werden. Über die restlichen Getöteten gibt es keine Unterlagen mehr.

Nach dem Krieg wurde das KZ als JVA genutzt. Es gab zwar eine kleine Gedenkstätte, das große Areal des ehemaligen Konzentrationslagers war aber mit den Gebäuden der JVA Vierlande überbaut. 2003 wurde die JVA verlegt. Fundamente des ehemaligen Appellplatzes wurden freigelegt und der Platz rekonstruiert, ebenso wie die Fundamente der Arrestzellen, in der die SS-Wachen spezielle Strafen an Häftlingen vornahmen. Die Baracken wurden nicht wieder aufgebaut, stattdessen deuten Fundamente an, wo die Unterkünfte, Entlausungsstation und das Bordell waren.

Das KZ Neuengamme war kein Vernichtungslager wie Treblinka oder später Auschwitz. Es war vor allem ein Arbeitslager, die Gefangenen mussten also Zwangsarbeit verrichten. In Neuengamme war das u.a. Der Ausbau der Dove-Elbe inkl. Eines Kanals in das Lager hinein, Ton fördern und Ziegel brennen, aber auch Zwangsarbeit auf Werften und in Hamburger Unternehmen.
Für “medizinische” Experimente mit Tuberkulose wurden 1944 20 Kinder von Auschwitz nach Neuengamme deportiert. Kurt Heißmeyer sollte Tuberkuloseimpfstoffe an den Kindern testen. Die Versuche verliefen – erwartungsgemäß – erfolglos, die Kinder entwickelten keine Antikörper. Nachdem die Britische Armee bereits vor Hamburg stand, mussten die Kinder beseitigt werden. Sie wurden mit ihren Pflegern in die Schule am Bullenhuser Damm gebracht und dort im Keller an Fleischerhaken erhängt.

Auch wenn Neuengamme kleiner und kein Vernichtungslager wie Auschwitz war, wurde Menschen auch hier ihre Menschlichkeit genommen. Sie wurden durch Ganzkörperrasur unkenntlich gemacht, durch die Nummer verloren sie ihren Namen und Identität, und mussten schließlich wie Vieh schwerste Arbeit bis zur Erschöpfung oder Tod verrichten. Und in Neuengamme konnte keiner sagen, er oder sie habe es nicht gewusst. Das Lager war von Stacheldrahtzäunen umgeben, nicht von Mauern. Man konnte die unmenschliche Behandlung sehen und hören, vor allem, weil die Häftlinge auch durch die Straßen zu ihren Arbeitsplätzen geführt wurden.

Es klingt inzwischen abgedroschen und hohl, aber so etwas wie den Holocaust darf es nie wieder auch nur ansatzweise geben.

Impressionen

Der Boden des Appellplatzes wurde freigelegt und der Platz selbst rekonstruiert
Die ehemaligen Baracken werden mit Steinfundamenten angezeigt. Die Pfähle markieren die Zäune, die damals das Lager unterteilte. Man konnte nicht frei von einer Baracke zur anderen gehen.
Dort, wo das Krematorium stand, ist nun die zentrale Gedenkstelle
Gleise führten direkt ins Lager. Ein Waggon steht hier immer noch.

„Wir haben ja nichts gewusst“ – Man konnte sehen und hören, was im Lager vor sich ging.

Die Häftlinge mussten von der Dove Elbe einen Kanal bis ins Lager ausheben. Die Seiten sind inzwischen dicht bewachsen.

20 Kommentare zu „[Blogtour] Buch im Kontext – Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme“

  1. Liebe Mareike,
    Einen interessanten Beitrag hast du geschrieben. Ich stimme dir voll und ganz zu: Das Thema NS-Zeit und Holocaust ist so wichtig und darf nie in Vergessenheit geraten.
    Das Buch ist heute auch bei mir angekommen und ich bin schon sehr gespannt auf diese wahre Geschichte. Außerdem fahre ich in ein paar Tagen nach Polen und werde dort die Gedenkstätte Auschwitz besichtigen und denke, dieses Buch ist da ein guter Begleiter.
    Liebe Grüße, Julia

    1. Zu der KZ- Gedenkstätte Neuengamme hätte ich auch übrigens auch sehr gern begleitet. Leider hat es zeitlich nicht gepasst. Ich war vor Jahren schon mal dort, würde es aber wirklich gern noch mal besuchen, jetzt wo ich älter bin und ein anderes Verständnis von den Dingen habe.

      Ich würde deinen Beitrag übrigens gern für meinen Monatsrückblick verlinken. Ich hoffe, dass ist ok.

      LG, Julia

      1. Hallo Julia,

        den Gedanken hatte ich auch bzgl. Neuengamme. Ich war da vor Jahren bevor es wieder so restauriert wurde. Vielleicht schaffst du es ja noch vor dem Winter 🙂

        Und sicher darfst du mich verlinken, ich freue mich 🙂

        Cheerio
        Mareike

  2. Hallo liebe Mareike, ein wichtiges Thema, das immer und immer wieder in Erinnerung gerufen werden muss. Auf der ‚Tour‘ durch das KZ hätte ich Euch gerne begleitet aber ihr wohnt dann doch zu weit weg. Ich selbst war mal in Auschwitz, das ist Jahrzehnte her und eigentlich konnte ich nur weinen vor Trauer ob der Toten und der unsagbaren Wut der Täter gegenüber. Ich werde Eure Blogtour weiterhin begleiten, es ist mir einfach wichtig.
    Liebe Grüße und Danke für die (wenn auch traurigen) Impressionen.
    Kerstin

    1. Hey Kerstin,
      mir ging es in Yad Vashem in Jerusalem so. Keine andere Gedenkstätte hat mich so erschüttert wie diese. Auschwitz steht auch noch auf meiner Liste von Orten, die ich besucht haben muss, ich hoffe, das klappt demnächst mal…

      Liebe Grüße
      Mareike

  3. Ein richtig guter Artikel und mal eine andere Herangehensweise fuer eine Blogtour.
    Wir waren von der Schule aus in Bergen Belsen, dort ist ja eigentlich auch nur eine Gedenkstaette.
    Spaeter waren wir mit unserem Deutschkurs in Prag und waren dort im KZ Theresienstadt. Der Besuch dort war sehr beklemmend. Auch wenn das Inventar von einem Hochwasser zerstoert worden war, konnte man sich ausmalen wie es ausgesehen haben musste. Die Baracken und Zellen, Dunkelheit und Isolationshaft. Grausam.

    1. Hey Melanie,
      mir geht es ganz ähnlich. Ich war bisher auch „nur“ in Gedenkstätten wie Neuengamme und Sachsenhausen, aber auch in Yad Vashem. Wobei Yad Vashem einfach ein komplett anderer Schnack ist, du bist keine 5 Meter drin und willst nur noch heulen weil es so beklemmend ist! Ich will irgendwann noch nach Auschwitz, ich hoffe, das klappt in den nächsten zwei Jahren.

      LG
      Mareike

  4. Hallo Mareike,
    die Blogtour ist eine gute Idee, ich finde, man kann sich gar nicht genug mit dem Thema auseinandersetzen.
    Ich selbst war bereits vor ein paar Jahren in Sachsenhausen und Auschwitz sowie Birkenau. Dieses Gefühl, ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll, werde ich nie vergessen. Entsetzen? Trauer? Angst? Wut? Verzweiflung? Es lässt sich nicht in Worte fassen — wozu sind Menschen nur fähig?
    Hält man sich die Bilder aus den Gedenkstätten vor Augen, kann man sich doch gar nicht vorstellen, wie Menschen heutzutage wieder in Massen der nationalsozialistischen Ideologie folgen können. Aber das ist real und wir müssen dagegen kämpfen.
    (Gesendet, während ich erschrocken die Naziaufmärsche in Chemnitz im Netz verfolge)
    Alles Liebe,
    Paula

    1. Hallo Paula,

      ich check’s auch nicht. Auf der einen Seite schreien alle „Wir haben es kapiert, wir hatten den Holocaust jahrelang in der Schule“, und trotzdem rennen die Leute der AfD und anderen Rechten Arschkrampen die Türen ein. Ich hatte das Dritte Reich jetzt auch nicht super lang in der Schule, vielleicht ein Semester lang. Und vor allem auf die Dynamiken, wie die Nazis an die Macht gekommen sind, muss mehr eingegangen werden, damit die Schüler_innen checken, dass es da Parallelen zu heute gibt!

      LG
      Mareike

      1. Liebe Mareike,
        da stimme ich dir voll zu! Leider herrscht immer noch zu einem großen Teil die Meinung, dass sowas ja nie wieder passieren kann, wir seien ja heutzutage viel gebildeter — ach ja, und Neonazis sind ja nur die gewalttätigen Typen mit Glatze, Springerstiefeln und Thor-Steinar-Shirt. Das ist auf so vielen Ebenen falsch, weil die Ideologie völlig außer Acht gelassen wird. Und wenn man sich mal die deutsche Mitte-Studie anschaut, sieht man, wie stark solches nationalsozialistisches, antisemitisches, rassistisches Gedankengut in den Köpfen derer verankert ist, die man gemeinhin als „bürgerliche Mitte“ bezeichnen würde. Das ist verdammt beängstigend. :/

  5. Hm, irgendwie hat das mit dem Kommentar nicht geklappt.
    Also nochmal.
    Ein richtig guter Artikel Mareike und mal eine andere Herangehensweise für eine Blogtour.
    Wir waren einmal mit der ganzen Schule in Bergen Belsen. Dort gibt es ein Besucherzentrum/ Gedenkstätte. Es war sonnig und man hätte meinen können, man würde durch einen Park spazieren. Doch lief man tatsächlich über ein Massengrab. Die Bilder und Filme waren verstörend.
    Später waren wir mit unserem Deutschkurs in Prag und sind auch zum KZ Theresienstadt gefahren. Der Besuch dort war extrem beklemmend, da dort alles noch wie damals war, abgesehen von den Einrichtungsgegeständen, die waren von einem Hochwasser zerstört worden. Aber die Baracken, Zellen, Isolationszellen in totaler Dunkelheit.

    Wir hatten in der Schule auch mal eine Veranstaltung mit Sally Perel. Der das Buch „Hitlerjunge Salomon“ geschrieben hat, welches auch verfilmt wurde.

  6. Hej,
    Das Thema ist sehr wichtig, vor allem wieder zurzeit.

    Zu deiner Frage: Ich war einmal in der Gedenkstädte in Dachau, da ich dort in der Nähe zur Schule ging – das war in der 9. Klasse. Und dann noch in Auschwitz in der 12. Klasse während einer Studienfahrt.
    Es war super unangenehm, dort zu sein, in Auschwitz mehr noch als in Dachau, da man gesehen hat: Hier wurden Leute umgebracht und gedemütigt. Das ist schon ein anderes Erlebnis, als nur in der Schule davon zu hören. In Auschwitz gab es – hinter Glas – einen Haufen von Haaren, die den Häftlingen abgeschnitten wurden. Die Besuche waren beklemmend.

    1. Hey Elli,

      das glaube ich dir, dass Auschwitz unangenehmer war. Ich war bisher in Sachsenhausen Neuengamme und Yad Vashem, und obwohl Yad Vashem kein ehemaliges KZ ist, hat mich das meisten bewegt. Vielleicht, weil dort alles sehr…dicht zusammen ist und man quasi überflutet wird. Man bekommt eine Ahnung, wie sich die Juden damals in Deutschland gefühlt haben müssen mit all den Schildern. Ich war zwei Mal dort. Nach spätestens 10 Metern fängst du an zu heulen… Auschwitz steht aber auch noch auf meiner Liste.

      LG
      Mareike

  7. Vielen Dank für eure Blogtour. Leider sind heutzutage ja wieder Kräfte im Gang, die uns in eine ganz ähnliche Richtung lotsen könnten – umso wichtiger euer Post und alle Gedenkstätten.
    Ich war bei der Abschlussfahrt der 10. Klasse in Dachau. Damals konnte ich das Gesehene gar nicht so recht für mich einordnen, habe mich aber später viel mit dem Thema beschäftigt.Vor ein paar Jahren habe ich das Anne-Frank-Haus besucht – dieser Eindruck ist mir noch deutlich präsenter.
    Viele Grüße
    Sandra

  8. Liebe Mareike,

    zunächst einmal: Ich finde die Blogtour zu dem Roman „Der Tätowierer von Auschwitz“ sehr interessant und mutig, dass sich Blogger auch mit solchen schweren, traurigen Themen beschäftigen. Gerade die aktuellen Ereignisse in Chemnitz zeigen doch, wie wichtig es ist, sich auch in unserer und allen folgenden Generationen mit der deutschen Geschichte zu beschäftigen und die schreckliche Ereignisse in Erinnerung zu rufen. Fremdenhass und Gewalt sterben leider nie aus…

    Zu deiner Frage:
    Ich habe mit der Schule das KZ in Dachau besucht. Ich glaube, dieser „Schulausflug“ ist für alle Schüler in Bayern verpflichtend. Damals empfand ich den Ort zwar als beklemmend, aber ich glaube, wir waren noch zu jung, um wirklich alles zu verstehen.
    Einige Jahre später habe ich mit meinen Großeltern das KZ in Stutthof besucht. Hier war es ein ganz seltsames Gefühl, als Deutsche ein KZ in Polen zu besuchen.

    Viele Grüße
    Lena

  9. Hallo Mareike,
    eine wichtige Botschaft ist auch diese Blogtour zum Jugendbuch „Der Tätowierer von Ausschwitz“.
    Wir waren von der Schule aus im KZ Mauthausen und ich kann mich heute mehr als 30 jahre später nicht mehr viel erinnern, weiß aber noch, dass es eine furchtbar bedrückende Stimmung dort war.
    Ich lese sehr viele Bücher zu diesem Thema und würde auch gerne den Tätowierer lesen.
    Liebe Grüße
    Martina

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