[Rezension] Mary Beard – Frauen und Macht

Titel: Frauen und Macht (affiliate Link) | Autorin: Mary Beard | Übersetzerinnen: Ursula Blank-Sangmeister, Janet Schüffel | Verlag: Fischer
Danke für das Rezensionsexemplar!

In Frauen und Macht werden zwei Essays von Mary Beard veröffentlicht, Die öffentliche Stimme von Frauen und Frauen an der Macht. Beide Essays besprechen Jahrhunderte, Jahrtausende alte Strukturen, die Männern Macht geben und Frauen unterdrücken.

Im ersten Essay geht es darum, wie Frauenstimmen schon vor Jahrtausenden aus der Öffentlichkeit verbannt wurden, angefangen in der Odyssee, als Penelope von ihrem eigenen Sohn zum schweigen und in ein Nebenzimmer geschickt wurde. Aber auch in den Jahrhunderten danach wurde es nicht besser. Frauen werden als Geschwätzig dargestellt, die mit ihrem unnützen Gerede der Gesellschaft und dem Staat schaden. Wie Frauen reden wird mit Hunden verglichen, auf der anderen Seite wurde Philomena von ihrem Vergewaltiger die Zunge herausgeschnitten, damit sie ihn nicht beschuldigen konnte.
Männer haben also Angst vor den Stimmen der Frauen, und versuchen sie – oft leider erfolgreich – mundtot zu machen. Heute nennt man sowas Silencing. Mit Gewalt-, Vergewaltigungs- und sogar Morddrohungen wird im Internet gegen Frauen vorgegangen, die zu laut sind, die gegen die gesellschaftliche Norm schreiben oder es gar wagen, in Männerdomänen wie Profisport einen Job zu bekommen. Frauen werden vielleicht nicht mehr die Zungen herausgeschnitten, aber es wird viel dafür getan, dass Frauen den Job, im übertragenen Sinn, selbst übernehmen. Aus Angst, aus Demütigung, aus Kraftlosigkeit gegenüber den massiven Anfeindungen, denen sie sich gegenüber sehen, wenn sie über etwas anderes reden als das, was das Rollenklischee für sie vorsieht.

Auch Frauen in Machtpositionen oder auf dem Weg dorthin machen Männern Angst. Es ist schwierig für Frauen, was laut Beard u.a. daran liegt, dass die derzeitigen Machtgefüge von Männern für Männer gemacht wurden, und Frauen sich dort nur schwer einfügen können. Beard analysiert auch, wie der klassische Mythos von Perseus, der Medusa den Kopf abschlägt, nicht nur der Archetyp “für den Widerstand gegen die Macht der Frauen” ist, sondern wie er recht unverfälscht über die Kunst immer wieder versucht, Frauen in politischen Machtpositionen lächerlich zu machen. Als aktuelles Beispiel nennt Beard das Bild Donald Trump als Perseus und Hillary Clinton als Medusa.

Die Essays sind reine Analyse, es gibt keine gutgemeinten Ratschläge, wie man dagegen vorgehen kann. Beard geht es darum, Strukturen und Mechanismen aufzuzeigen, wie die Klassische Kunst von jeher ein Mittel war und ist, Männer in ihrer Machtrolle zu stärken, während Frauen weiterhin klein gehalten werden sollten und sollen. Sie zieht Parallelen, wie sich Misogynie und die Unterdrückung von Frauen in klassischer Literatur und Kunst dargestellt und verbreitet wird, und wie diese Werke den Diskurs bis heute stützen, sei es durch das Zitieren klassischer Szenen und Gemälde, oder als Internet Memes. Sie bringt auch Beispiele an, wie selbst Frauen in Machtpositionen auf bestimmte Kniffe wie Kleidung oder Stimmtraining zurückgreifen, um männlicher zu wirken und so eher ernstgenommen werden. Und die Frauen, um die es geht, sind keine kleinen Lichter auf der hintersten Bank im Parlament. Sie sind oder waren Premierministerin, Außenministerin, Bundeskanzlerin. Und wenn selbst die mächtigsten Frauen dieser Welt nur dann ernst genommen werden, wenn sie weniger weiblich sind, kann man nicht von Gleichberechtigung reden!

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