[Federlesen] Cultural Appropriation in der Jugendliteratur: Ein aktueller Fall.

[Content Warning: Dieser Artikel behandelt Rassismus und rassistische Mechanismen, Reaktionen u.ä.]
[EDIT: Über ein paar Ecken wurde mir zugetragen, dass MacKay mir vorwirft, ihr (inzwischen) geschlossenes Pseudonym „einfach öffentlich gemacht“ gemacht zu haben. Als dieser Artikel erschien, hatte MacKay noch eine Autorenwebsite, in deren Impressum ihr Klarname stand. Da hatte ich ihn her und ging davon aus, dass es sich um ein offenes Pseudonym handelt. Da dies nicht mehr der Fall zu sein scheint, habe ich Nina MacKays Klarnamen aus dem Artikel genommen.]

Cultural Appropriation und White Washing sind zwei Themen, die in den letzten Jahren aus der Blogsphäre der Sozialkritik herausgetreten und immer öfter auch in größeren und Mainstreammedien diskutiert werden. Zunächst war die Diskussion vor allem auf den Modebereich und Castingmethoden in Hollywood beschränkt, doch da Cultural Appropriation und White Washing als Mechanismen von (strukturellem) Rassismus sehr viel mehr Bereiche betrifft, zieht die Diskussion immer weitere Kreise. Auch in der Welt der Literatur ist Rassismus z.B. in Form von rassistischer Sprache ein Thema.

Warum der Artikel?

Vor kurzem bin ich über ein Jugendbuch gestolpert, das im März 2018 bei Ivi, dem Imprint von Piper erscheinen soll. Es ist das neueste Buch von Nina MacKay, heißt Teenie Voodoo Queen und zeigt eine weiße Rothaarige auf dem Cover. Dieses und der Klappentext geben Aufschluss darüber, worum es in dem Buch gehen wird: Eben jene weiße Protagonistin, Dawn, wird auf ihrer normalen Schule gehänselt (lies: gemobbt, denn nichts anderes ist es, was sie im ersten und zweiten Kapitel erlebt), und auch auf der Voodooschule ist sie eine Außenseiterin und wenig talentiert. Allerdings zaubert sie aus einem Alligator einen Menschen und macht sich auf, die Welt zu retten. Oder so.
Klingt erstmal nach einer x-beliebigen Jugendfantasy-Storyline, wäre da nicht ein feines Detail: Die Protagonistin ist weiß. Voodoo ist eine Religion, deren Anhänger*innen Schwarz sind. Hier stinkt es zum Himmel nach Cultural Appropriation und White Washing, und das ist maximal problematisch!

Cultural Was?

Cultural Appropriation, zu Deutsch kulturelle Aneignung, und White Washing sind zwei Mechanismen von strukturellem Rassismus, die in der Popkultur durch weiße Menschen angewandt werden.
White Washing ist dabei am einfachsten erklärt. Ursprünglich bezog sich der Begriff auf eine Castingmethode aus Hollywood, mit der Charaktere, die historisch und/oder literarisch bedingt (B)PoC 1 sind, mit weißen Schauspieler*innen besetzt werden. Ein Beispiel in den letzten Jahren war die Besetzung Christian Bales als Moses im Film Exodus, der im nahen Osten spielt. Ein anderes Beispiel ist der Film Gods of Egypt, in dem sämtliche ägyptischen Charaktere und Götter mit weißen Schauspieler*innen besetzt wurden. White Washing ist rassistischer Prozess, in dessen Zug (B)PoC in der (Pop)Kultur unsichtbar gemacht werden, damit die Hautfarben dem weißen Auge schmeicheln und mehr weißes Publikum anziehen. Denn Popkultur wird ja schließlich nur für weiße gemacht, ist doch klar. Achja, und um Geld geht es natürlich auch, denn weiße berühmte Schauspieler ziehen natürlich mehr Publikum an und spülen mehr Geld in die Kassen. So die verquere Logik von Produzenten.
Nun ist nicht nur die Filmindustrie von White Washing betroffen sondern auch andere Bereiche von Kultur, und durch den rassistischen Mechanismus von Cultural Appropriation zieht White Washing eben auch in die Literatur ein.

Cultural Appropriation bezeichnet eine Handlung, mit der sich jemand ohne Erlaubnis an „einer fremden Kultur und sich an geistigem Eigentum, kulturspezifischen Ausdrücken und Artefakten, Geschichte und Wissen bedient.”2 Scafidi, die das Buch Who owns Culture geschrieben hat, erklärt es ausführlicher: „[Cultural Appropriation] kann die nicht autorisierte Nutzung von kulturellen Tänzen, Kleidung, Musik, Sprache, Folklore, Küche, traditioneller Medizin, religiösen Symbolen, etc. beinhalten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es für die Menschen der Ursprungskultur verletzend ist, besonders wenn sie als Minderheit unterdrückt oder auf andere Weise ausgebeutet wurde, oder wenn das Objekt der kulturellen Aneignung heikel ist, z.B. bei heiligen Objekten.” 3 Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass es, wie Scafidi bereits andeutet, immer ein Machtgefälle gibt zwischen denen, die nehmen/aneignen und denen, von denen genommen wird. „Mit kultureller Aneignung spielen sich immer noch koloniale Realitäten ab: Der Kolonisator nimmt vom Kolonisierten.”4
Kurzfassung: Kulturelle Aneignung bedeutet, dass man sich als Mitglied einer privilegierten Kultur an einer marginalisierten Kultur, z.B. der afro-amerikanischen, indischen, japanischen oder chinesischen, bedient, ohne auf die kulturellen Hintergründe oder die Gefühle der Mitglieder der Kultur zu achten, an der man sich gerade bedient.

Praxisnahe Beispiele von kultureller Aneignung, die jeder von uns kennt, sind z.B. Warbonnets (Federschmuck amerikanischer Ureinwohner), Bindhis, Henna, Dreadlocks, Pluderhosen, Saris und Shalwar Kamiz, aber auch religiöse Symbole wie das heilige Om werden von weißen benutzt bzw. Getragen.
Nun sagen Kritiker des Cultural Appropriation Ansatzes, so etwas sei ein völlig normaler kultureller Austausch, einen, den es schon seit Jahrtausenden gibt. Das stimmt so aber nur teilweise. Der bereits angesprochene Machtaspekt ist auch hier wichtig, denn „kultureller Austausch” gelang nicht immer nur über Handel, sondern vor allem durch Kolonisation, also der Unterwerfung und Ausbeutung anderer Kulturen. Das ist ein Nehmen ohne Geben (zumindest, wenn man Völkermord, Versklavung, Zwangsmissionierung und andauernde Unterdrückung nicht als angemessenes Tauschgut ansieht).

Ein wichtiger Aspekt, den Weiße gerne einfach vergessen ist, dass sie so ziemlich alles tragen können und man im schlimmsten Fall als ein wenig schrullig gilt, meistens aber als „cool” oder „individuell”. Die Mitglieder der Kultur, aus der man sich bedient, können sich das nicht leisten.
So schreibt Jaya Sundaresh: „Bei Gomez ist ein Bindhi ein mutiger, neuer Look; bei mir ist es ein Symbol meines Versagens mich anzupassen. Bei ihr ist zweifellos cool; bei mir ist es einfach ein weiterer Marker meines Andersseins.”5 Diese Aussage trifft nicht nur für das Tragen eines hinduistischen Bindhis zu, sondern kann allgemein auf kulturelle Symbole/Kleidung übertragen werden. Sprich: wenn Weiße Symbole oder Kleidung anderer, marginalisierter Kulturen tragen, ist das voll okay und akzeptiert. Wenn es Mitglieder der Ursprungskultur machen, werden sie dafür kritisiert sich nicht integrieren zu wollen, weiter an ihrer Kultur festzuhalten und sehen sich, je nach Kultur, nicht nur mit Rassismus konfrontiert, sondern u.a. auch mit Islamophobie. Der von weißen Kritikern angesprochene „kulturelle Austausch” ist also nicht gegeben, denn außer an Weißen werden andere Kulturen und ihre Symbole und Kleidung nach wie vor als minderwertig betrachtet.

Übrigens, weil in Deutschland ja gerade die Karnevalszeit losgeht, bitte merken: Fremde Kulturen sind kein Kostüm!
Ja, Saris sind schön, und als eine indische Freundin in Hyderabad mir ein Shalwar Kameez gab, weil ich mein Mittagessen komplett über mich verteilt hatte, wollte ich es eigentlich nie wieder ausziehen. Ich würde aber nie auf die Idee kommen, es als Weiße in Deutschland zu tragen oder sogar zum Fasching!
Genau das Gleiche gilt für „Indianer” [sic] Kostüme oder „Sexy Pocahontas”, und Kostüme mit den Titeln Zulu Afrika Bastrock Kostüm (inkl. Knochen in der Nase und Blackfacing) und Zulu Krieger – unglaublich witzig sind eben nicht „witzig” sondern zutiefst rassistisch!

Voodoo, Hoodoo, Vodou, Vodoun?

Nun geht es in MacKays neuem Buch um Vodou, und die Autorin betreibt damit meiner Meinung nach Cultural Appropriation. Zunächst aber ein paar Stichpunkte zu Vodou.

Die Unterscheidung ist insgesamt nicht ganz so einfach, schon gar nicht, wenn man Außenstehende*r ist und sich bisher im Grunde nur über Hollywoodfilme mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Das, was der Mainstream in Filmen und Serien als „Voodoo“ verkauft, ist eigentlich Hoodoo. Voodoo/Vodou ist eine Religion, Hoodoo eine Form von Magie.

Vodou, wie es eigentlich heißt, stammt ursprünglich aus Westafrika, wo es von verschiedenen, tlw. rivalisierenden Stämmen praktiziert wurde. Durch die Sklaverei kam Vodou erst in die Karibik, vor allem nach Haiti, wo es bis heute eine organisierte Religion ist, und später in die Südstaaten der USA. Vodou wird unterschieden in Vodou (Haiti) und Vodoun (Louisiana Voodoo). Letzteres unterscheidet sich deutlich von Vodou, Vodoun beinhaltet auch magische Elemente des Hoodoo.6

Was vor allem wichtig ist: die Wurzeln von Vodou und Vodoun liegen in Westafrika, die Anhänger beider religiösen Zweige sind nach wie vor BPoC, keine weißen. Mehr noch, Anhänger des Vodou sehen es als Beleidigung an, wenn Weiße sich auf einmal als Vodou-Anhänger*innen präsentieren: „Weiße Menschen tragen immer noch zu einer Gesellschaft bei, die Schwarze Menschen unterdrückt, und Voodoo und Hoodoo sind unsere Waffen dagegen. Wegen des Leids, das weiße Menschen uns verursachen, haben sie kein Recht Teil unserer Praktiken zu sein. Es ergibt überhaupt keinen Sinn, dass sie es sollten, und es ganz offensichtlich unverschämt.” 7

In einem Vodou-Kontext also eine weiße Protagonistin einzusetzen, weil es vielleicht der Leserschaft oder dem Verlag (und mit beidem der Geldquelle) besser passt, ist White Washing (Vodou-Anhänger*innen sind in der Realität Schwarz, nicht weiß) und kulturelle Aneignung.

Nina MacKays Reaktion auf meine Mail

Ich spreche Dinge ja gerne an, und auch wenn ich dieses Mal einen kleinen Schubser auf Twitter brauchte, habe ich der Autorin des Buches geschrieben.
Vorweg: Als ich meinte, ich würde die Nachrichten zwischen uns veröffentlichen, wies sie mich darauf hin, dass private Chats nicht veröffentlicht werden dürfen (und ich gehe davon aus, dass ein ungesagtes „ich schalte sonst einen Anwalt ein” mitschwang, aber das ist reine Interpretation). Damit hätte sie Recht, wenn es nicht über ihre Autoren-Facebookseite wäre und nur in Ermangelung einer „echten” Emailadresse eben über den Messenger geschrieben werden musste. Die Mails bezogen sich zudem explizit und ausschließlich auf MacKays neues Buch, es waren also geschäftliche Mails: „Geschäftliche E-Mails dürfen im Gegensatz zu privaten E-Mails veröffentlicht werden, wenn das Interesse der Öffentlichkeit an der Veröffentlichung das Geheimhaltungsinteresse des Absenders überwiegt.”8 Ich werde die Antworten von MacKay dennoch nicht veröffentlichen, aber stellenweise zitieren.
Der Wortlaut meiner Mail:

Sehr geehrte Frau MacKay,

als ich vor einigen Tagen die Vorschau zu Ihrem neuen Buch „Teenie Voodoo Queen“ sah war ich entsetzt.
Voodoo hat seine Wurzeln in Westafrika, kam durch die Sklaverei in die Karibik und schließlich auch in die Südstaaten der USA. Die Anhänger*innen von Voodoo sind bis heute PoC (Person/People of Colour, also nichtweiße Menschen).

Ich kann verstehen, dass Voodoo ein spannendes Thema für einen Fantasy-Jugenroman darstellt, dennoch halte ich eine weiße Protagonistin bei diesem Thema für absolut unangemessen. Jugendliche PoC sind in der Literatur bereits unterrepräsentiert. Dass Sie nun ein Thema für Ihren Roman gewählt haben und es nicht, wie man in diesem Kontext erwarten würde, mit einer Schwarzen Protagonistin besetzen sondern mit einer weißen, roothaarigen, ist white washing (1) und vor allem cultural appropriation (2). Diese Wahl der Protagonistin, die auch noch besondere Fähigkeiten in Voodoo haben soll, zeugt von einem kulturellem Unverständnis, sowohl was Voodoo angeht, als auch was die Besetzung Schwarzer Themen mit weißen Personen bei PoC auslösen kann.

Ich finde das Setting mehr als unglücklich geraten. Ich würde mich freuen, wenn Sie die angesprochenen Punkte bei können sie bei Ihren zukünftigen Buchprojekten im Hinterkopf behalten.

Freundliche Grüße,
Mareike Hansen

(1) White Washing: Eine Castingmethode, mit der historische oder literarische PoC Figuren mit Nicht-Weißen besetzt werden. Das Konzept lässt sich aber auch auf andere künstlerische Gebiete anwenden, wenn eine reale Gruppe im Grunde nur aus PoC besteht, der oder die Heldin aber weiß ist.
(2) Cultural Appropriation/Kulturelle Aneignung: Übernehmen von Symbolen, Kleidungsstil u.ä. aus einer anderen Kultur bzw. Ethnie

Ich bekam tatsächlich sehr schnell eine Antwort, allerdings hat die mich sehr verwundert. Zum einen meinte MacKay, da es Jugendfantasy sei müsse es nicht der Realität entsprechen. Das finde ich sehr interessant, da das Buch in dem sehr realen New Orleans spielt und die sehr reale Religion Vodou bzw. Vodoun thematisiert.
Darüber hinaus wunderte sich MacKay darüber, dass sie immer noch über Rassen [sic] und sexuelle Orientierung sprechen müsse. Das zeugt meiner Meinung nach von einer Blindheit gegenüber Minderheiten, denn natürlich muss darüber gesprochen werden, dass LGBTQ*-Menschen, (B)PoC und andere nach wie vor marginalisiert, diskriminiert und in der Kultur nach wie vor nicht sichtbar gemacht werden. Wenn man sich solche Charaktere und Themen aussucht, muss man als Autor*in damit rechnen, über diese Themen auch sprechen zu müssen. Dieses „Ich sehe keine Farben” trägt absolut nichts dazu bei Rassismus zu bekämpfen, ganz im Gegenteil. Wenn man Hautfarbe negiert, negiert man auch die Erfahrungen, die die Betroffenen mit Rassismus und anderen Diskriminierungsformen gemacht haben. Angie Thomas meinte bei einer Lesung in Hamburg, dass es sogar wichtig sei, die Hautfarben und damit die verschiedenen Erfahrungen zu sehen, um den Gegenüber wirklich ernst zu nehmen. Wichtig sei allerdings auch, dass man sich aufgrund seiner eigenen Hautfarbe dem anderen nicht überlegen fühle.
Das letzte Argument, das MacKay auspackte, war das der „bunten Welt”, und das jeder tun sollen dürfe was er will, ohne Anfeindungen oder Kritik zu ernten. Das finde ich eine seltsame, sogar gefährliche Ansicht, denn gerade eine freie Gesellschaft lässt auch Kritik zu, sie ist ein wichtiges Mittel der Meinungsfreiheit. Vor allem scheint das Argument „jeder kann tun was er will, er sollte keine Kritik fürchten müssen” immer dann aufzutauchen, wenn man selbst für seine Handlungen kritisiert wird.

Lange Rede, kurzer Sinn, ich habe der Autorin geantwortet:
Liebe Nina,
ich weiß, dass das Buch in New Orleans spielt, das habe ich auch geschrieben. Mir geht es darum, dass die Wurzeln des Voodoo in WA liegen.
Ich sage auch nicht, dass man sich nur als PoC für Voodoo interessieren kann. Ich finde es aber sehr verwunderlich, dass deine Protagonistin als weiße scheinbar mit der Voodoo-Fähigkeit geboren wurde, und das ist white washing. Und in diesem Kontext wird man immer, besonders als Autorin, die cultural appropriation und white washing betreibt, über Ethnien sprechen müssen.
Übrigens finde ich nicht, dass das Argument „Es ist Fantasy, es muss nicht der Realität entsprechen“ schlagkräftig ist. Immerhin spielt dein Buch doch in der sehr realen Welt in den Südstaaten?
Des Weiteren finde ich es sehr bedenklich, dass man die Handlungen anderer Menschen nicht mehr kritisieren darf/soll. Das halte ich für eine sehr gefährliche Einstellung.

Ich glaube, du hast mein Anliegen schlicht nicht verstanden, und aus deiner Antwort schließe ich, dass die Bedenken von PoC, egal ob jugendlich oder erwachsen, schlicht egal sind.

LG,
Mareike

Darauf folgte nur die Antwort, dass ich falsch läge. Ich antwortete ihr, dass ich die Nachrichten öffentlich machen wolle, da mir das Thema Cultural Appropriation und White Washing recht wichtig sind.

Daraufhin bekam ich eine letzte längere Antwort.
MacKay widerspricht, dass sie White Washing betreibe und bezieht sich dabei auf ihre Lektorin, die das Buch kenne und ihr zustimme. Zudem würde ich mir eine bessere Meinung bilden können, hätte ich das Buch gelesen. Nun, ich habe auf Wattpad immerhin die ersten fünf oder sechs Kapitel gelesen, meine Kritik bleibt dennoch bestehen!
MacKay bezog sich auf ihre Lektorin. Ich würde meine linke Hand darauf verwetten, dass diese weiß ist und dementsprechend ein Problembewusstsein nur hat, wenn sie sich mit dem Thema auseinandersetzt – und auch dann ist es immer noch nur eine weiße Sicht. Das ist bei mir natürlich genauso, denn auch wenn ich mich damit auseinandersetze werde ich die Tiefe des Problems nie vollends begreifen weil mir einfach die persönliche Erfahrung damit fehlt. Man kann sich als weiße Person aber dennoch bilden.
Ein weiteres Argument, das MacKay ins Feld führt ist, dass sich in unserer Welt die Ethnien mischen, und die Voodoo-Klasse deshalb ebenfalls Schüler verschiedener Kulturen hat. Das mag alles sein, aber es ändert nichts daran, dass MacKay hier Cultural Appropriation betreibt. Vodou ist nicht ihre Kultur, es ist überhaupt keine Kultur von Weißen, sondern ist, wenn man Weiße in den Kontext ziehen will, als Schutz und Waffe gegen Unterdrückung entstanden.

Und jetzt?

Ich finde es wichtig, Themen wie Cultural Appropriation und White Washing in der Kultur und, weil ich einen Literaturblog betreibe, besonders auch in der Literatur sichtbar zu machen und zu kritisieren. Kein Autor, kein Mensch hört gerne, dass er sich rassistisch verhalten hat. Sowas kommt vor, auch bei Leuten, die sich als antirassistisch und/oder einer der tolerantesten Menschen bezeichnen. Wichtig ist, sich die Kritik anzuhören, den Gegenüber ernst zu nehmen und vielleicht auch zu lernen. Nur so, wenn weiße, privilegierte Menschen endlich anfangen zuzuhören, egal ob BPoC, LGBTQ* oder anderen diskriminierten Gruppen, und gewillt sind zu lernen und eingefahrene Muster zu ändern, haben wir die Chance, Ismen und Diskriminierungen erfolgreich zu bekämpfen!


1. (Black) People/Person of Colour, selbstgewählte Eigenbezeichnung nichtweißer Menschen.
2. Author Lenore Keeshig-Tobias defines cultural appropriation as “taking, from a culture that is not one’s own, intellectual property, cultural expressions and artifacts, history and ways of knowledge.” (Quelle)
3. To elaborate: „This can include unauthorized use of another culture’s dance, dress, music, language, folklore, cuisine, traditional medicine, religious symbols, etc. It’s most likely to be harmful when the source community is a minority group that has been oppressed or exploited in other ways or when the object of appropriation is particularly sensitive, e.g. sacred objects.“ (Quelle)
4. „But, as Adrienne Keene, PhD. of the blog Native Appropriations tells us, there is an additional factor at play: power. “There is always an inherent power imbalance — it is the dominant group taking from a marginalized group. With cultural appropriation, this also often plays out in the realities of colonization: It is the colonizer taking from the colonized.” (Quelle)
5. “On her, it’s a bold new look; on me, it’s a symbol of my failure to assimilate. On her, it’s unquestionably cool; on me, it’s yet another marker of my Otherness…” (Quelle)
6. Catherine Pierce – The Difference Between Hoodoo And Voodoo
7. „White people still contribute to a society that oppresses black people, and Voodoo and Hoodoo have been our weapons against that. White people, because of the suffering they cost us, a whole, have no right to partake in our practices. It makes absolutely no sense that they do, and it’s frankly insulting.” Witches of Color
8. Quelle

25 Kommentare zu „[Federlesen] Cultural Appropriation in der Jugendliteratur: Ein aktueller Fall.“

  1. Hallo Mareike, was für ein großartiger Beitrag, sehr ausführlich recherchiert und gut erklärt. Cultural appropriation finde ich ist immer eine Gratwanderung als Autor. Ich als Urban Fantasy Autorin habe auch einige Punkte aus diversen Mythologien aufgegriffen. Ich hoffe dass sich da in Verlagen etabliert dass man mehr (B)PoC als Lektoren oder zumindest Testleser heranzieht wenn es um andere Kulturen geht. Das mit dem Buch von Nina McKay ist für mich eigentlich ein ziemlich klarer Fall von White Washing und es ist schade, dass sie sich deiner Kritik sofort verschließt und sich angegriffen fühlt, obwohl sie diejenige ist, die potenziell jemand mit ihrem Buch verletzen könnte. Es ist auf jeden Fall super von dir, dass du dich so engagiert und sachlich mit diesem Thema auseinander setzt. LG Babsi ?

    1. Huhu Babsi!
      Natürlich ist es eine Gratwanderung, es hat auch nie jemand etwas anderes behauptet. Und in einigen Punkten benötigt es viel Feingefühl (und manchmal vllt. auch die Bratpfanne einer PoC-Freundin) um das hinzubekommen. Aber wenn ich höre, dass Autor*innen wie du oder auch eine, die mir jetzt eine Mail geschrieben hat, darüber nachdenken und versuchen, auch beim Schreiben darauf zu achten, sich mehr (B)PoC als Lektor*innen wünschen…dann ist damit ein erster Schritt getan, denke ich. Auf den natürlich viele folgen müssen und werden 🙂

      Überhaupt musst du mir mal stecken, ob und wo man deine Werke lesen kann!

      Cheerio,
      Mareike

  2. Liebe Mareike,

    vielen Dank für diesen tollen Post!
    Ich habe von der Autorin noch nichts gelesen, aber als ich das Cover das erste Mal gesehen und dann den Klappentext gelesen habe, war ich – genau wie du – ein wenig angepisst. Was für eine gequirlte Scheiße!

    Ich muss zugeben, dass ich bis vor ein paar Jahren noch nicht wusste, dass es Cultural Appropriation überhaupt gibt (ich bin selbst als Kind als „Indianer“ zum Fasching gegangen), aber seitdem ich weiß, was es ist und bedeutet, merke ich, dass ich wesentlich kritischer und aufmerksamer durch die Welt laufe. Gerade bei Medien wie Serien, Filmen und Büchern. Und es regt mich auf, wenn sich (Drehbuch-)Autoren so überhaupt keine Gedanken darüber machen, was sie mit ihrer Arbeit anrichten.

    Ich bin eher im LGBTQIA-Bereich verwurzelt, da ich selber queer bin, weshalb mir solche Sachen da natürlich noch extremer auffallen. Es ist zum Kotzen.

    Ich hoffe, dass sich viele Menschen, die sich mit diesen Themen bisher noch nicht so sehr auseinander gesetzt bzw. noch nichts davon wussten, von deinem Beitrag inspiriert fühlen, sich mehr Gedanken darum zu machen, was (falsche) Representation für Auswirkungen haben.

    Liebe Grüße
    Sas

    1. Moin Sas!
      Mal ehrlich, wer von uns weißen Kartoffeln wächst mit dem Bewusstsein auf, dass es sowas wie Cultural Appropriation gibt? Zumal es in dieser Form, es in Worte zu fassen, erst seit einigen Jahren so massiv die Runde macht. Umso besser, wenn das Thema jetzt mehr Aufmerksamkeit bekommt! Und einmal fallen Diskriminierungen, mit denen man selbst zu kämpfen hat, natürlich schneller und deutlicher auf, das ist völlig normal 🙂

      Cheerio,
      Mareike

  3. Was für ein toller Beitrag. Vielen Dank dafür. Es gibt viele nicht-weiße AutorInnen, die darüber ein Lied singen könnten. Spontan fallen mir da Nnedi Okorafor und Nora K. Jemisin ein, die beide bei dem Thema Rassismus aktiv und laut werden. Beide schreiben übrigens hervorragende Bücher mit nicht-weißen Protagonisten und bringen damit andere Blickwinkel und ERfahrungen in die Literatur, die man als weißer (vor allem westlicher) Leser fast gar nicht kennt.

    Ich finde es auch immer schade, wenn bei Kritik eine defensive und vor allem abwinkende Haltung eingenommen wird.

    Danke, dass Du Dich da so engagierst 🙂
    LG
    Grit

    1. Ich möchte die beiden Empfehlungen sekundieren. Nnedi Okorafor und N.K. Jemisin schreiben wirklich tolle Bücher. Leider wurde bei der deutschen Übersetzung zu dem ersten Band von Jemisins „Iheritance“ Trilogie auch Whitewashing betrieben.
      LG
      Elisa

          1. Ugh, ich habs grad gesehen. Da fragt man sich manchmal schon. Muss ich gleich mal suchen gehen ob Jemisin das weiß. Kann mir gar nicht vorstellen, dass sie sowas unkommentiert lassen würde.

          2. Ich mir auch nicht. Ich hatte mal ein Interview von ihr gefunden in dem sie sich strikt gegen Whitewashing auf Covern ausgesprochen hatte, aber da ging es nicht um das deutsche Cover sondern Fälle aus dem amerikanischen Raum.
            Ich vermute, dass sich damals wer bei Blanvalet beschwert hat, denn auf dem Cover von Band zwei ist eine PoC

  4. Also ich verstehe, was du meinst und zb wie in dem Götterfilm fand ich das auch nicht gut. ABER es könnte ja auch eine Weiße zb in den Genuss von Vodoo kommen. Gibt es. Es könnte auch einen weißen Gott geben. Dennoch sollte man es wirklich nicht übertreiben. Wie in vielen amerikanischen Filmen, wo sie extra, ob sinnlos oder nicht, einen Schwarzen an die Hauptdarstellerseite stellen, weil ja beides mitspielen muss. Na ja, ich denke, darüber kann man sich lang streiten. Mir ist egal, ob ein Weißer mitspielt, ein Schwarzer, Asiate oder sonst wer. Es sollte nur nachvollziehbar bzw realistisch sein, und das ist oftmals wirklich nicht, da gebe ich dir recht. Das erinnert mich an das Streitthema mit Hermine aus HP und Rou(x) aus Tribute von Panem. Aber ehrlich, mir ist egal, welche Hautfarbe jemand hat und ich finde es lächerlich, wenn Leute über so ein unwichtiges Thema streiten bei Figuren, wo es sowieso Banane ist.

    1. Aber ehrlich, mir ist egal, welche Hautfarbe jemand hat…

      Ahoi! Du siehst also auch „keine Farben“, was Angie Thomas angesprochen hat, wenn ich das richtig verstehe. Und genau das kann eben auch problematisch sein. Ich weiß, was du sagen willst, nämlich dass für dich alle Menschen gleich sind ungeachtet ihrer Hautfarbe, aber es negiert, wie im Artikel beschrieben, auch ihre Erfahrungen, die sie aufgrund ihrer Hautfarbe gemacht haben.

      und ich finde es lächerlich, wenn Leute über so ein unwichtiges Thema streiten bei Figuren, wo es sowieso Banane ist.

      Okay, da musst du mir helfen: bei welchen Figuren ist es Banane? Und über die Hautfarbe in bestimmten Fällen zu streiten ist nicht unwichtig, denn hier geht es um Repräsentation, und da tun sich, was Schwarze und andere PoC, ganze Kraterlandschaften in der Literatur auf. Ich halte es also nicht für Banane, darüber zu sprechen.

  5. Okay. Ich werds jetzt einfach mal aussprechen, weil es Nina MacKay aus offensichtlichen Gründen nicht kann.

    Der ganze Plot ist liberal aus anderen Medien geliehen.
    Die weiße, rothaarige Hexen-Königin in New Orleans? Genevieve aus der Fernsehserie The Originals.(Wobei diese wirklich eine Hexe ist und nicht zum ebenfalls existierenden Voodoo-Coven gehört.)
    Der gut aussehende Kerl, den Dawn herbei zaubert, und der ihr nicht mehr von der Seite weicht? Die Schule in New Orleans? Die Fernsehserie American Horror Story: Coven.
    Dass Dawn nichts als Rüben zaubern kann: Mildred aus dem Buch Eine lausige Hexe von Jill Murphy.

    So. Der erste Punkt ist hier wichtig: die Idee einer rothaarigen Hexe/Voodoo-Priesterin (scheinbar für die Autorin austauschbar, immerhin sind Zuckerrüben zaubern und Alligatoren verwandeln eher seltsame Fächer in Harry Potter als Voodoo, wie man mit einer schnellen Google-Suche hätte heraus finden können. Wenn man denn Bock hat, zu recherchieren, und nicht einfach das Ist halt Fantasy!-Argument bemüht.) in New Orleans entstammt nicht von Nina MacKay. Und dennoch muss sie sich jetzt mit Emails wie deiner rum schlagen, während The Originals einfach so weitermacht, wie bisher. (Selbst wenn sowohl AHS als auch The Originals das mit dem Voodoo auf die Reihe gekriegt haben.)

    Natürlich ist sie angepisst. Da borgt sie sich einen altbewährten Charakter, fühlt sich sicher … und muss sich plötzlich rassistischen Vorwürfen entgegen stellen. Während das Original weiter über die Wiesen frohlockt.

    Und ja, Nina MacKay hat nicht mit Absicht CA begangen. Trotzdem ist ihre Reaktion auf deinen Hinweis alles andere als professionell. Sorry. Ich finde, jemand, der keine Kritik verträgt, hat als Künstler nichts verloren. Und jemand, der Kritik als Anfeindungen interpretiert, schon gar nicht.

    1. Ich wusste gar nicht, dass die rothaarige Voodoo-Hexe irgendwo entlehnt ist (ich gucke die genannten Serien nicht…).

      Ich denke auch nicht, dass MacKay das absichtlich gemacht hat. Ganz ehrlich, selbt Weiße, die für das Thema sensibilisiert sind, tappen immer wieder in eine CA-Falle. Solange man aber versucht, das zu reflektieren und ggf. zu ändern sehe ich da keine Böswilligkeit. Die wird anscheinend bei mir gesehen, weil ich laut anderen Kommentaren hier ka einen persönlichen Feldzug starte *grübel*

      Hab noch ein schönes Wochenende 🙂

  6. Diesen Beitrag kann ich nicht als toll oder gelungen bezeichnen. Eher erschreckend, weil hier doch sehr einseitig und karg berichtet wird. Zudem jemand an den Pranger gestellt wird, als müsste man ihn teeren und federn. Und dann folgen auch noch Unterstellungen, die jemanden betreffen, mit dem gar kein Gespräch stattgefunden hat. Wäre es kein White Washing, wenn die Lektorin einer Minderheit angehören würde?
    Das genannte Buch kannte ich bisher gar nicht, habe mir das Cover angeschaut und den Klappentext gelesen. Es geht hier nicht um eine Marie Laveau, die als Weiße dargestellt wird, sondern um eine fantastische Geschichte, die in der Neuzeit spielt und von einem Mädchen handelt, das eine Hexe werden möchte. Voodoo? Warum nicht. Hätte auch Santería sein können und ich wäre nicht böse gewesen.
    Ich weiß nicht, ob ich so weit gehen möchte, dies als „unauthorized use of another culture“ zu klassifizieren. Wenn es danach geht, würde man als Autor nur noch das schreiben dürfen, was dem eigenen Kulturerbe entspricht. Mir persönlich stößt diese Definition als rassistisch auf, als würden sich die Minderheiten ab- und ausgrenzen wollen und das trifft ganz und gar nicht zu. Es ist gut und wichtig, Kultur zu teilen und sich daran zu erfreuen. In diesem Fall wird niemand beleidigt oder herabgewürdigt, es geht sicher nicht darum, eine Minderheit zu verunglimpfen.
    Ich würde die Fackeln und die Forken also noch stecken lassen und lieber Aufklärung auf eine Weise betreiben, die nicht einem persönlichen Feldzug gleicht. Vielleicht finden sich ja noch nachvollziehbarere Aufhänger, die dieses Thema eindrucksvoller rüberbringen würden.

    1. Ahoi!
      Was meinst du mit „karg“? Hättest du gerne mehr Quellen gehabt? Oder wie soll ich das verstehen? Ich habe auch nicht gesagt, dass man die Autorin teeren und federn müsse, aber ich finde ich habe das Recht, sowas anzusprechen. Zumal es auf Twitter schon vorher von vielen anderen aufgegriffen wurde.

      Und dann folgen auch noch Unterstellungen, die jemanden betreffen, mit dem gar kein Gespräch stattgefunden hat. Wäre es kein White Washing, wenn die Lektorin einer Minderheit angehören würde?

      Was habe ich denn unterstellt? Ihre Hautfarbe? Das stimmt, ich denke aber dennoch, dass ich Recht habe. Was ich damit ausdrücken wollte ist, dass weiße Menschen eher selten White Washing erkennen oder als solchen akzeptieren, wenn sie dafür nicht sensibilisiert sind. Und natürlich würde ich den Vorwurf des White Washing nicht zurückziehen, wäre es eine (B)PoC-Lektorin, ich bezweifle allerdings, dass das Buch dann so zustande gekommen wäre.

      Ich weiß nicht, ob ich so weit gehen möchte, dies als „unauthorized use of another culture“ zu klassifizieren

      Musst du nicht, machen andere, siehe meine Erklärungen und die entsprechenden Quellen dazu. Übrigens größtenteils, so weit ich das überblicken konnte, Own Voices.

      Voodoo? Warum nicht. Hätte auch Santería sein können und ich wäre nicht böse gewesen… In diesem Fall wird niemand beleidigt oder herabgewürdigt

      Schön, dass du nicht böse gewesen wärest (ich nehme an, du bist dann Anhängerin von Santería?). Ich habe aber eine Own Voice zitiert, die soetwas eben sehr wohl als Beleidigung und Herabwürdigung sieht, und ich hoffe, man kann nachvollziehen, dass ich die Einschätzung eines Mitgliedes der betroffenen Kultur/Religion schwerer Gewichte als eine weiße Stimme, die es einfach cool/spannend/mal was Neues oder sogar „nicht so schlimm“ empfindet.

      Das Argument, dass sich Minderheiten abgrenzen wollten und Vertreter des Cultural Appropriation Ansatzes im Grunde als Nationalisten bezeichnet werden, kommt häufig auf. Und wie bereits im Artikel geschrieben, CA ist kein Kulturaustausch. Es werden einfach Elemente einer Religion oder Kultur genommen, manchmal sogar heilige Elemente, und ihres Kontextes beraubt und banalisiert. Eine Einbettung geschieht nicht, die eigentliche Kultur erfährt eine weitere Stereotypisierung.

      Weiße müssen schlichtweg lernen, dass sie nicht immer die Deutungs- und Definitionshoheit haben, ebenso wie (Cis-)Männer nicht die Definitionshoheit im Sexismus haben, da sie in diesem Machtgefüge die mächtigere, gesellschaftliche Gruppe darstellen. Ich habe auch nicht die Deutungshoheit zu sagen, was bereits Cultural Appropriation ist und was nicht, aber ich höre zu. Und das, was ich höre, lese und lerne versuche ich zu verinnerlichen und weiterzugeben.

      Vielleicht finden sich ja noch nachvollziehbarere Aufhänger

      Welche hättest du da im Sinn? Ich finde diesen „Aufhänger“ bereits ziemlich nachvollziehbar.

      …lieber Aufklärung auf eine Weise betreiben, die nicht einem persönlichen Feldzug gleicht.

      Ich betreibe keinen persönlichen Feldzug. Ich mache auf einen aktuellen Fall aufmerksam, der bereits auf Twitter diskutiert habe, und liefere hier den entsprechenden gesellschaftspolitischen Hintergrund, in den ich das neue Buch einer Autorin und ihre Reaktionen hinweise. Ein persönlicher Feldzug würde bei mir ganz anders aussehen, ist aber einfach nicht mein Stil.
      Du kannst gerne Vorschläge machen, wie du es an meiner Stelle gemacht hättest.

      Cheerio,
      Mareike

      1. Own voices zu zitieren, ist gut und schön, allerdings beziehen die sich meist auf andere Sachverhalte und nicht auf den vorliegenden Fall eines weißen Mädchens auf dem Cover dieses speziellen Buches.

        Whitewashing würde hier bedeuten, dass der Charakter in der Verpackung anders gezeigt wird, als er tatsächlich ist. Also wäre die Hexe im Buch dunkelhäutig oder asiatisch und das Cover zeigt eine Kaukasierin, wäre das Whitewashing. Aber der Charakter in diesem Buch ist weiß. Was wird hier gewaschen? Nichts.
        Hier ein paar Beispiele von Büchern, die ‚heller‘ gemacht wurden, also tatsächlich Whitewashing stattgefunden hat: http://thebooksmugglers.com/2010/02/cover-matters-on-whitewashing.html

        In Medien begegnet uns das Phänomen nicht nur in Filmen, sondern auch in Magazinen und Werbung. Wer kennt nicht die aufgehellten Bilder von Superstars wie Beyoncé, Alicia Keys oder Halle Berry? Auch hier wird Whitewashing mittels Photoshop betrieben.
        In Filmen werden Rollen mit weißen Schauspielern besetzt, die im Skript anders gedacht waren. Zum Teil verkleiden sich Weiße, um eine andere Rasse darzustellen (siehe „Frühstück bei Tiffany“ Mr. Yunioshi). Es geht also um eine Fehldarstellung oder absichtliche Veränderung von Hautfarbe, um markttauglicher zu sein.

        Was den Vorwurf der Cultural Appropriation angeht, kann man sich endlos streiten, wo eine Grenze gezogen werden sollte. In diesem Fall mutet sie eher lächerlich an, wenn man bedenkt, dass der Anteil von der Bevölkerung Louisianas, die (New Orleans) Voodoo praktiziert, etwa 15 % beträgt. Man kann also davon ausgehen, dass die Anhänger sich aus allen Bevölkerungsschichten zusammensetzen und ihre Hautfarbe nicht ausschließlich dunkel ist. Einfach mal bei den Feierlichkeiten des höchstens Festtages reinschauen (St. John`s Eve). Siehe da, es gibt auch hellhäutige Anhänger mit roten oder blonden Haaren. Wenn daraus jemand eine Geschichte spinnt, die sich um ein weißes Mädchen mit roten Haaren dreht, wäre dies ein Abbild der Realität und keine Verzerrung oder Ausbeutung einer Glaubensbewegung in Hinblick darauf, die Minderheit zu diskreditieren oder sie in ihrer schwächeren Position auszunutzen.

        Das angeführte Beispiel hat kein Whitewashing betrieben. Der Hauptcharakter ist genauso abgebildet, wie im Buch (oder vielmehr im Klappentext) beschrieben wird. New Orleans Voodoo hat eine große Anhängerschaft im Staat Louisiana, die nicht ausschließlich dunkelhäutig ist, selbst wenn die Wurzeln dieser Glaubensbewegung in Westafrika zu finden sind, aber man darf nicht vergessen, dass auch der christliche Glaube (vorrangig Katholizismus) diese Religion beeinflusst hat.

        Was den Inhalt des Buches angeht, kann man nur spekulieren, wie Voodoo darin umgesetzt wurde. Allein vom Cover darauf zu schließen, dass dieser Glaube darin verunglimpft wird, ist auf Mutmaßungen fundiert, der jegliche Begründung fehlt.
        In einem Schulaufsatz würde eine solche Argumentationskette vermutlich mit dem Label „Thema verfehlt“ versehen. Wenn man schon auf einen Missstand aufmerksam machen möchte, dann bitte mit fundierten Beispielen und nicht solchen, die passend gemacht werden.

  7. Und so kommt also die elitäre, verkopfte, identitäre, belehrende Intersectionality-Sowjetdenke – propagiert von privilegierten, meistens weissen Akademikern, die jeden Kulturimperialismus erkennen ausser ihrem eigenen – langsam also auch in Deutschland an und fängt mit ihrer Holzhammermethode (mit der man in jeder Interaktion “problematisches” finden kann und das Gegenüber dann natürlich auch entsprechend darüber “aufklären” muss) an, das linke Projekt und die akademische Welt zu vergiften. ?

    Ein Beispiel dafür, was für absurde und bedrückende Auswüchse diese (fast immer mit den besten Motiven beginnende) Weltanschauung annehmen kann, ist Kanada.
    http://quillette.com/2018/01/10/canada-gone-mad-indigenous-representation-hounding-angie-abdou/

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