[Rezension] Magret Kindermann – Killing Zombies and Kissing You

Titel: Killing Zombies and Kissing You | Autorin: Magret Kindermann | Verlag: GedankenReich Verlag

Worum geht’s?

Schon doof, wenn man den Anfang der Zombie Apokalypse verschläft weil krank. Wenn du aufwachst, sind alle tot, die du kennst, und wenn du ihnen doch nochmal begegnest, wollen sie dich fressen. In einer kleinen Stadt irgendwo auf der Ecke von Frankfurt a.M. schlägt sich Bea durch. Angst und Erinnerungen ertränkt sie in Vodka noch bevor sie zu groß werden, und hangelt sich von Tag zu Tag. Sie denkt, sie ist die einzige in der kleinen Stadt, die noch nicht mutiert ist – und ist umso überraschter, als sie auf einmal eine Nachricht erhält, sich mit jemandem in einem Restaurant zu treffen. Ob gute Idee oder nicht, nach diesem Treffen führt Bea endlich wieder das, was man ein Leben nennt. Und das hält sie ganz schön auf Trab…

Wie war’s?

Ich mag keine Liebesromane, sie sind mir meistens einfach zu schnulzig. Dummerweise liebe ich aber Zombies. Und ehrlich? Ich habe das Buch geliebt! Ich hoffe so sehr, dass es einen zweiten Teil geben wird, denn von einigen Charakteren konnte ich mich nur schwer trennen, und es gibt in dieser Zombiewelt noch so viel zu entdecken und zu erzählen.

Das Zombie-Motiv ist inzwischen ziemlich ausgelutscht, vor allem was Filme, Serien und Comics angeht. Dank The Walking Dead hatten diese untoten Biester einen derartigen Flow, dass sie aus der Popkultur einfach nicht mehr wegzudenken sind. Warum ich noch Zombieromane lese, eigentlich auch mal einen schreiben wollte, hat einen ganz einfachen Grund. Es gibt noch so viele Aspekte, die nicht erklärt oder erzählt werden. Es ging bisher nahezu immer nur um das nackte Überleben, darum, möglichst viele Zomnbies möglichst blutig zu töten und vielleicht noch die ein oder andere rivalisierende Gang. End of Story. Ganz schön langweilig.

Vermutlich bleibt die Welt von meinen Schreibversuchen verschont, denn Magret Kindermann hat einen Zombieroman geschrieben, wie ich ihn mir gewünscht habe! Endlich wird mal die Frage aufgegriffen, ob wirklich sofort das ganze Stromnetz zusammenbricht, oder was mit den ganzen Häusern mit Solarzellen passiert. Ich meine, die sind ja nicht ganz plötzlich kaputt. Wie steht es eigentlich mit Religion und Spiritualität? Das wird so selten angerissen. Deutliche Pluspunkte gibt es aber für die Themen „Menstruation. Wenn Zombies dich wie Haie aus 3km Entfernung riechen können“ und „Verhütung, sexuelle Grenzen und Respekt“. Menstruation kommt in anderen Büchern höchstens mal vor, wenn ein Charakter eine Ausrede fürs Zuhausebleiben braucht, und Verhütung habe ich in noch keinem einzigen Roman gelesen. Dabei ist das Thema und das Reden über sexuelle Grenzen so wichtig, gerade für Jugendliche. Und Magret Kindermann schafft es, aus der Menstruation eine verdammt spannende Szene zu schreiben, bei der mein Herz irgendwo unter der Schädeldecke raste, und das Thema Verhütung so natürlich einzubauen wie es eigentlich sein sollte.

Solche alltäglichen Dinge webt Kindermann in eine rasante Story ein, die so viele Wendungen hat, dass ich manchmal kurz vor einem Schleudertrauma stand. Allerdings waren sie immer logisch und – GOTT SEI DANK – nicht einfach die traurige Konsequenz auf strunzdumme, armselige Entscheidungen der Charaktere.

A propos Charaktere: was. für. Charaktere! Okay, Bea, die Protagonistin, ist etwas anstrengend, aber ich liebe ihr latentes Genervtsein und die Einstellung „Kein Plan was tun, aber erstmal machen“. Andere Charaktere kann man aus Leib und Seele hassen (alleine bei dem Gedanken an das eine Backpfeifengesicht kommt mir der kalte Kaffee hoch), die nächsten kennen und lieben lernen. Die Liebesgeschichte, die ja schon im Titel angesagt wird, ist etwas chaotisch und für mich oft nicht nachvollziehbar. Auf der anderen Seite sind es Teenager, und ich glaube, in dem Alter habe ich nicht anders geliebt.

Eine Episode im Roman fand ich etwas zäh. Die Einführung war abrupt, die Charaktere nicht wirklich greifbar, das Ende dieses Ausflugs war…sagen wir, sehr kreativ. Das ändert aber nichts an meiner Forderung nach einem zweiten Teil. Bitte zu Weihnachten. Ja, dieses Jahr!

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