[Projekt] Wenig Geld, gesunde Ernährung – geht das?

Ab heute lasse ich euch für vier Wochen einmal die Woche teilhaben, wie ich mich mit kleinem Geld versuche gesund zu ernähren.
Die Idee dazu hatte ich zusammen mit Celine von The Printrovert, als ich feststellte, dass ich trotz zwei Jobs und Wohngeld der Stadt Hamburg meistens unter der Armutsrisikogrenze liege, und scherzhaft meinte, dass ich mich jetzt nur noch von Nudeln mit Ketchup ernähre. Das ist natürlich Quatsch, aber die Frage, ob und wie man sich gesunde Ernährung leisten kann, ist nicht so realitätsfern wenn man nicht viel zur Verfügung hat. Celine hat bereits vorgelegt und einen tollen Artikel mit Tipps für eine gesunde Low-Budget-Ernährung vorgelegt.

Finanzielle Ausgangssituation

Ich bin noch bis Juli Sutdentin, habe zwei Nebenjobs und bekomme Wohngeld der Stadt Hamburg. Wenn ich von meinem Einkommen die Fixkosten1 abziehe, habe ich zum Leben etwas mehr als den Regelsatz Hartz IV (416€ seit 01.01.2018).
Für Nahrungsmittel, Hygieneartikel und Putzzeug rechne ich grundsätzlich mit 5€ pro Tag, also 35€ pro Woche/ca. 150€ im Monat, plus jede Woche 15€ für Sonderkram (Kopierkarte für die Uni aufladen, Bücher, Unimaterial, Medikamente…). Das heißt, ich habe ein wöchentliches Budget von 50€, von dem auch Auswärtsessen oder das Bier in der Kneipe bezahlt wird.
Zur Info: Für Nahrungsmittel hat ein*e Hartz IV Empfänger*in 4,83 pro Tag zur Verfügung, rechnet man den Satz für Essen gehen oder Bier trinken hinzu, sind es 5,17 täglich.

Quelle: http://hartzvi.org

Ernährungstechnische Ausgangssituation

Ich habe drei Vorteile: Ich habe eine Vorratskammer, ich habe einen Gefrierschrank, und ich habe von meinen Eltern und Großeltern Vorratshaltung gelernt. Warum ich das so betone? Nun, weil Platz durchaus eine Rolle spielen wird, die Gefriertruhe ist wichtig für TK-Gemüse oder um übriggebliebenes Essen einzufrieren, und Vorratshaltung hilft, den Überblick über vorhandene Lebensmittel zu wahren. Ein paar Dinge habe ich möglichst immer auf Vorrat, die Liste findet ihr ganz unten, quasi als Anhang des Artikels. Ich kann bei dem Experiment nicht ganz bei null starten, da ich meine vorhandenen Lebensmittel nutze.

Alles auf einen Blick

Budget: 35€ für Lebensmittel, 15€ für Kleinscheiß
Haushalt: Single
Raucherin: Nein
Ernährungsart: vegetarisch
Tiefkühltruhe: ja
Stauraum vorhanden: ja
Wohnort: Großstadt, Westdeutschland2
Wichtig: Ich bin keine Ernährungsberaterin. Ich zeige euch, wie ich mich ernähre, und mit meiner Art fahre ich persönlich ganz gut!

Was heißt für dich eigentlich „gesund“?

Es lässt sich vortrefflich darüber streiten was gesund ist und was nicht, vor allem, weil ich mal Veganerin war und ich vermutlich alle Argumente pro und contra jede Ernährungsweise kenne. Ich möchte hier aber  keine Grundsatzdiskussion aufmachen, warum welche Ernährung die beste ist. Theoretisch ernähre ich mich auch von Fleisch, praktisch esse ich es aber höchstens bei meinen Eltern. Ich ernähre mich also hauptsächlich vegetarisch.
Gesund heißt für mich vor allem:

  • Viel Obst und Gemüse, möglichst viel Frisch oder TK. Bio ist nett, aber nur wenn es finanziell machbar ist
  • Konserven nur bei Lebensmitteln wie Gewürzgurken oder Kirchererbsen, weil es (mir) zu aufwendig ist, sie selbst herzustellen
  • Proteine, z.B. aus Linsen oder Kichererbsen
  • Kohlenhydrate
  • Keine zuckerhaltigen Getränke, mit Ausnahme von stark verdünnten Säften. Ich nenne das „Wasser mit Geschmack“. Brausen, Nektare und pure Säfte sind mir allgemein zu süß.
  • So viel es geht selbst kochen, sowohl für zu Hause als auch für Unterwegs, Bibliothek/Uni und die Arbeit. Verarbeitete Lebensmittel sind oft nicht nur teuer, sondern durch Fett, Zucker und jede Menge Chemie auch ungesund. Bedeutet nicht, dass nicht auch mal ne Tiefkühlpizza bei mir landet.

Auch ich habe Lebensmittel, für die ich mehr Geld ausgebe, weil ich die Varianten im Discounter nicht mag oder es sie so dort gar nicht gibt. Auf diese verzichte ich nur, wenn es wirklich absolut nicht anders geht.

    • Alpro Sojamilch. Die einzige Milch, die ich mag
    • Orientalischer Gewürztee von Teekanne
    • Apfelminze-Tee von TeeGschwender

Der Blick in die Speisekammer

Einige Produkte habe ich möglichst immer im Haus, wenn sie zur Neige gehen werden sie direkt nachgekauft. So kann ich Großeinkäufe umgehen, die mit einem Mal ein riesiges Loch in mein Budget schlagen. Allerdings ist mir bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist eine Vorratskammer und eine Tiefkühltruhe zu haben. Gerade in WGs oder kleinen Wohnungen hat man nicht unbedingt viel Platz, und nicht jede*r hat Geld, sich auch eine Tiefkühltruhe zu leisten. Wenn man den Platz hat, lohnt sich eine Anschaffung aber auf jeden Fall, da man bspw. zu viel Gekochtes oder auch gekaufte Lebensmittel wie Hack portionsweise einfrieren kann.

Bis auf die Lebensmittel mit Sternchen gibt es alles bei Aldi:

Vorratskammer
Nudeln
Reis
Zwiebeln
Passierte Tomaten
Kokosmilch
Kichererbsen*
Rote Linsen
Graupen*
Grieß*
Milch
Olivenöl
Pflanzenöl
Sojasoße* (gibt es günstig im Asia Markt)
Dinkelmehl
Zucker, weiß und braun*
Haferflocken
Quinoa
Chiasamen
Trockenhefe
Backpulver

Gewürze
Salz
Pfeffer
Curry
Paprika, süß
Paprika, scharf
Muskat*
Kurkuma*
Ingwer*
Zimt
Chilis, getrocknet*
Lorbeerblätter*
Piment*
Wacholderbeeren

Kühlschrank
Marmelade
Agavendicksaft*
Zitronen und Limettensaft
Margerine
Ketchup
Senf
Tomatenmark

Tiefkühltruhe
Eiswürfel
Kräuter: Petersilie, Basilikum, 8-Kräuter, ital. Kräuter, Knoblauch
Brokkoli
Blumenkohl
Himbeeren oder Beerenmischung
Erbsen


1. Damit meine ich Miete, Wasser, Krankenversicherung. Diese Kosten werden bei Hartz IV Empgänger*innen vom Amt getragen.
2. Warum das noch wichtig wird, erfahrt ihr im Laufe der nächsten Artikel.

6 Kommentare zu „[Projekt] Wenig Geld, gesunde Ernährung – geht das?“

  1. Toller Artikel!
    Gesund ernähren mit Hartz IV ist meiner Meinung nach total einfach. Für alleinstehende Personen ist das meiner Meinung nach sogar ziemlich viel Geld; nur für Familien wird es anscheinend schwer. Als ich letztes Jahr nach einer missglückten Ausbildung von Hartz IV leben musste, konnte ich mir Fitness-Studio (35 €), Tanzschule (45 €), Medikamente (35 €), Strom (42 €) Internet (30 €) und wöchentliche Cafébesuche (ca. 30 – 40 €) leisten. Diese Luxus- bzw Sonderausgaben liegen bei knapp 230 Euro im Monat. War kein Problem, sich daneben noch gesund zu ernähren, schließlich hatte man von den 416 Euro noch 186 übrig.
    Ich denke, du wirst dich gesund ernähren können und könntest (in der theoprie natürlich) auch noch ein Mal pro Woche Biofleisch auf dem Tisch haben. 150 Euro werden für eine nichtrauchende, nicht-trinkende Vegetarierin schon schon schwer einzuhalten sein, da musst du schon ab und zu auf Bio zurückgreifen und konsequent Angebote ignorieren ;).
    Meine Ernährung kostet ohne “Highlights” etwa 75 Euro im Monat.
    Ich wünsche dir viel Glück und werde deine Artikel mal in den Augen behalten. Mal sehen, ob diese sogenannte “Armut” sich für dich wirklich arm anfühlt, oder obs dir damit einfach nur gut geht.
    Liebe Grüße

    1. Hallo Kia,
      danke, dass du mit deinen Ausgaben so offen warst, und es ist toll, dass du so viel machen konntest. Allerdings fehlen mir da Posten wie Handy, eventuelle Versicherungen (Hausrat, Haftpflicht…) oder Tickets für den öffentlichen Nahverkehr. In kleinen Städten kann man vieles mit dem Rad erledigen, in großen Städten wie Hamburg ist man oft genug auf den HVV angewiesen, und die Monats/Jahrestickets sind nicht günstig. Ich finde es sehr spannend, dass du meinst, mit 150€ komme man locker für gesunde Ernährung hin. Das stimmt bei mir zwar auch, weil ich das ja nicht nur für das Experiment mache, sondern das quasi mein Alltag ist. Manchmal ist es aber trotzdem ein einziges “jeden Euro umdrehen”. Deswegen ist das Stadt-Land-Ost-West-Gefälle wichtig zu beachten, aber das erkläre ich in den nächsten Artikeln.
      Was ich nicht verstehe ist, was du mit Highlights meinst. Essen gehen? Teures Obst wie Maracujas? Dinkelmehl statt Weizenmehl?

      Und Armut in Anführungszeichen und “sogenannt” zu betiteln finde ich schwierig. Es gibt die Armutsrisikogrenzen, und die gibt es nicht ohne Grund. Eine solche Verharmlosung von Armut zielt im Endeffekt darauf ab, dass Menschen mit solchen Einkommensverhältnissen selbst Schuld sind an ihrer Lage. Und das finde ich arrogant.

      Cheerio,
      Mareike

      1. Hiho 🙂

        Tatsächlich habe ich keine Handykosten, die sind im Internet (29,99 €) bei 1&1 drin.
        Versicherung, ja, die Hausratversicherung kostet ca. 40 Euro im Jahr, aber die wird ja nur im Januar abgebucht. Genau wie die Bahncard und Hatpflicht, die habe ich natürlich in den monatlichen Ausgaben nicht berücksichtigt, weil ich nur drei oder vier Monate von Arbeitslosengeld leben musste.
        Entsprechend war’s das auch mit dem Fahrrad, in der Zeit brauchte ich schlichtweg keine Tickets. War wohl eine günstige Zeit.
        Mit Highlights meinte ich sowas wie Biofleisch oder so – also quasi war die Ernährung zum Überleben (Gemüse, Obst, Reis, bla bla bla) bei 75 € und die zweiten 75 € gingen für sowas wie Fleisch, teures Obst wie Maracujas und sowas raus. Mehl brauchte ich nicht, daher kann ich davon nichts sagen. Aber im Prinzip hast du es richtig verstanden, ja. Es geht im Prinzip um alles, was über Grundzutaten hinausgeht.

        Wusstest du übrigens, dass mein Kommentar auf Facebook einen Shitstorm ausgelöst hat? Da haben sich Leute tierich darüber aufgeregt, dass ich vom Hartz IV Satz gut leben konnte und mich gut gefühlt habe. Da frage ich mich, was den Leuten lieber wäre. Hätte ich die Monate bis zur Selbstständigkeit gelitten und mich verschuldet, wären sie dann erst glücklich? Schwierig.
        Ob die wissen, dass man Fitnessstudio und Tanzschule nur mit Fristen von 6 Monaten kündigen kann hier? Der Tenor klang, als würde es ein Unding sein, sich solche Ausgaben zu leisten und es zu genießen, wenn man es eh nicht kündigen kann. Als wäre es besser, rumzuheulen und zu leiden – oder eben die Klappe zu halten.

        Dass die Armut in Anführungszeichen falsch rüberkommt, tut mir leid. Das war so nicht gemeint. Ich glaube, gelesen zu haben, dass die Armutsgrenze in Deutschland bei 12.401 € pro Jahr pro Kopf liegt. Ich sehe da häufig in andere Länder und Situationen, in denen Armut etwas ganz anderes ist, als Heizung und ein Dach über dem Kopf und den Grundbedarf zu haben. Daher ist es schwierig, einen universellen Begriff von Armut zu finden, oder nicht?
        Mit einer Wohnung, die gesichert ist und genug Geld, um zu leben (bis man größere Ausgaben hat), ist man nach meiner persönlichen Defintion nicht arm. Sobald der Zahnarzt 800 Euro will, ändert sich das natürlich schlagartig. Es hat natürlich auch immer damit zu tun, was man für Ausgaben hat. Da ich als frischer Ex-Azubi mit einem Netto-Verdienst von 597,00 € Anfang letzten Jahres keine Ausgaben hatte und das Hartz IV deutlich mehr war als meine Ausbildungsvergütung, war das natürlich eine “Steigerung”, was natürlich absurd ist. Darauf ist im Shitstorm niemand eingegangen, für Ausbildungsarmut und der Tatsache, dass ich zwei Jahre damit wie viele Millionen Azubis in Deutschland auch klar gekommen bin, hatte niemand Verständnis. Merkwürdig.

        Mich dann einfach als arrogant zu bezeichnen, weil du etwas in eine Schreibweise interpretierst, die ich erst danach erklärt habe, finde ich übrigens nicht so toll. Aber darum soll’s nicht gehen, ich habe es ja erklärt und hoffe, dass klar geworden ist, wie ich meine Worte gemeint habe. In Zukunft bitte lieber erst nachfragen. Damit würde ich mich wohler fühlen.
        Ich gebe mir aber gerne Mühe, dass ich nichts Missverständliches mehr schreibe. Wollte nicht so rüberkommen, sorry.

        Liebe Grüße

        1. Ahoi!
          Okay, dann habe ich das einfach in den falschen Hals bekommen und entschuldige mich dafür. Es kam bei mir wirklich so an wie “das ist verdammt viel Geld, das hat nichts mit arm sein zu tun” – und das steht einfach im krassen Gegensatz zu so vielen Erfahrungsberichten.

          Ich dachte eher an monatliche Versicherungen, aber das ist vielleicht auch nur ne persönliche Sache (ich habe ne Zahnzusatz- und Kameraversicherung für die Spiegelreflex). Die jährlichen Versicherungen breche ich auch nicht auf den Monat runter 😀 Und wie gesagt: ich manchen Städten ist es schwer bis unmöglich, alles mit dem Rad zu machen. Vielleicht war es bei dir wirklich eine gute Zeit 🙂 Mir ging es nur darum, dass jede*r in einer anderen Situation ist, je nachdem wo man lebt, und was natürlich auch eine große Rolle spielt: wie gut kann man mit Geld umgehen?

          Das mit dem Shitstorm habe ich gar nicht mitbekommen :O Das geht natürlich nicht. Wie schon gesagt, jeder geht anders mit dem Geld um, dass er/sie zur Verfügung hat, hat vielleicht auch andere Verpflichtungen, etc. Und wenn du es dir leisten konntest/musstest, das Fitnessstudio weiter zu bezahlen, würde ich eher fragen: Hey, wie schaffst du das? Zumal mit Essen und ins Café gehen! Ich kann diese Mentalität, sich für sein Glück schämen zu müssen, auch nicht verstehen. Man hat schon wenig Geld zur Verfügung und muss sich dann noch rechtfertigen, wofür man es ausgibt bzw. vielleicht sogar zufrieden zu sein mit dem was man hat. Man muss halt aufpassen: nur, weil es vielen Hartz-IV-Empfänger*innen schlecht geht, muss das nicht bei allen so sein, und nur weil jemand super mit dem Satz zurecht kommt, kann man das nicht auf alle Empfänger*innen übertragen 🙂

          Was die Armut angeht: Viele machen den Fehler, die Verhältnisse in Deutschland mit denen in sehr viel ärmeren Ländern zu vergleichen, was natürlich zu einem “Armut in D. gibt es nicht”-Urteil führt. Deswegen spricht man bei den Industrienationen von Relativer Armut, weil sie im Verhältnis zu dem Land gesehen werden muss, in dem man lebt. Artikel kommt diesen Monat noch, ich versuche aktuell noch die ganzen Infos und Argumente zusammezuklöppeln 😀
          Die Zahl, die du nennst, ist korrekt (für 2015), wurde zu 2016 allerdings erhöht. Auch das drösel ich im Artikel auseinander.

          Was die Armut in Ausbildung (und Studium, btw.) angeht bin ich voll bei dir. Ich frage mich immer wieder, wie manche Azubis von ihren Lehrgehältern leben können. Vielleicht hast du ja Lust, einen Erfahrungsbericht oder Kommentar zu schreiben? Oder auch über den Shitstorm, dem du dich ausgesetzt sahst. Ich bin für sowas gerne Plattform 🙂

          Ich hoffe, wir schreiben/diskutieren die nächsten Artikel weiterhin 🙂

          Cheerio
          Mareike

  2. Liebe Mareike,

    Da bin ich ja mal gespannt, wie das funktionieren wird!
    Auch ich als ausgebildete Medizinische Fachkraft verdiene gerade genug, um über die Runden zu kommen. In manchen Monaten, wenn unerwartete Zusatzkosten kommen, kann es schon eng werden.
    Auch ich überlege immer wieder, wie kann ich so günstig wie möglich Essen? Und trotzdem lecker und gesund?
    Oft ist das ziemlich schwierig. Zum Glück koche ich ganz gerne und verzichte generell auf viele Fertigprodukte (auch wenn man ohne leider nicht ganz auskommt).
    Trotzdem gehen einem irgendwann die Ideen aus und ich bin gespannt, ob du mich inspirieren kannst.

    Liebste Grüße,
    Jenny

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