[Rezension] Colfer/Donkin/Rigano – Illegal. Die Geschichte einer Flucht

Titel: Illegal. Die Geschichte einer Flucht | Autoren: Eoin Colfer, Andrew Donkin | Illustrator: Giovanni Rigano | Übersetzer: Ulrich Pröfrock
Danke für das Rezensionsexemplar


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Worum geht’s?

Ebo lebt in einem nicht näher benannten Land südlich der Sahara. Als er nach Hause kommt, ist sein Bruder fort. Wie schon seine Schwester will er nach Europa und dort sein Glück versuchen, aus der Armut entkommen, seine Familie so unterstützen. Ebo ist vielleicht 11 Jahre alt, aber ohne seine Geschwister hält ihn nichts mehr. Er macht sich auf den beschwerlichen Weg, seinen Bruder zu finden. Als er ihn schließlich findet, beschließen sie, gemeinsam nach Europa zu gehen. Doch so einfach ist das nicht, und das Meer kann gefährlich und grausam sein.

Wie war’s?

Die Geschichte um Ebo wird mit zwei Zeitschienen beschrieben. In der einen befindet er sich mit seinem Bruder und anderen Geflüchteten auf dem Meer. Sie müssen einigen Widrigkeiten trotzen, wollen sie in dem Boot überleben.
In der anderen wird die Vorgeschichte erzählt, wie Ebo und sein Bruder Kwamo überhaupt auf das Boot gekommen sind.
Die Graphic Novel ist schön gezeichnet, voll koloriert, und vom Stil her wird sie auch Kindern zusagen (die das Thema Flucht und Mittelmeer bereits verstehen). Die Geschichte ist eindringlich. Ebo und seine Geschwister sind keine Kriegsflüchtlinge, sie sind sind das, was manche “Wirtschaftsflüchtlinge” nennen. Sie werden im Vergleich zu Kriegsgeflüchteten oft nicht als Geflüchtete ernstgenommen – sie sollen ihr Glück mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln in ihrem Heimatland versuchen. Bittere Armut, Hunger, keine Chance auf Verwirklichung der eigenen Träume…all das wird von der deutschen Gesellschaft nicht als triftiger Fluchtgrund anerkannt. Diese Menschen haben halt Pech gehabt.
Dass es nicht so einfach ist blenden die meisten dabei aus. Deutschland und die EU haben maßgeblich Anteil an der Armut vieler afrikanischer Länder, in dem z.B. Geflügel subventioniert und derartig billig auf die Märkte geworfen wird, dass einheimische Hühnerfarmen schließen müssen und die Besitzer ihre Familien nicht mehr ernähren können. Fischereikonzessionen entlang den Küsten Afrikas* werden an die besser zahlende EU verkauft als an einheimische Fischer. Und das sind nur zwei Gründe.
Die Geschichte von Ebo und Kwame bringt der*dem Leser*in solche Geschichten näher, lässt einen mitbangen und hoffen, leiden und freuen. Vor allem die Zeit auf dem Mittelmeer, das jährlich tausende Lebende fordert und, wie ein Meer eben ist, keinen Unterschied macht zwischen Säugling und Greis, Arschloch und netten Menschen, ist so eindringlich geschildert ohne rührselig oder kitschig zu werden, dass es einem die Kehle zuschnürt. Nur das Ende ist mir ein bisschen zu sehr Hollywood-Zufall.

Während die Geschichte um Ebo erfunden ist, aber exemplarisch für unzählige Schicksale stehen kann, gibt es im Anschluss an die Geschichte noch einen Illustrierten, wahren Erfahrungsbericht von Helen, die aus Eritrea kommt, später im Sudan lebte und schließlich die Flucht nach Europa begann. Sie berichtet von ihrer Flucht und ihrer jetzigen Situation in Großbritannien. Sie berichtet auch von ihren Träumen und Plänen.
Flucht gibt es, seit es Menschen gibt. Hungersnöte haben schon zu biblischen Zeiten die Menschen in reichere Länder getrieben. Und seien wir mal ehrlich: wenn du hier in Deutschland deinen Traum nicht verfolgen kannst, gehst du dann nicht auch in ein anderes Land? Siehst du. Nur hast du im Gegensatz zu Ebo und Helen (vermutlich) das Privileg, einen europäischen Pass zu haben. Wenn du dann noch weiß bist, hast du schon fast den großen Jackpot.
Und auch wenn das jetzt kitschig klingt, aber es ist Weihnachten, da darf ich kitschig werden, allein für Menschen wie Ebo und Helen müssen wir dringend an der Fluchtpolitik arbeiten, die Situation für die Menschen verbessern und aufhören, sie als faule Schmarotzer zu sehen bzw. gegen dieses propagierte Bild von Rechten und Angstbürgern angehen.
*Hier wird deswegen Afrika als Kontinent geschrieben, weil sich dieser Umstand nicht nur auf die Küste eines einzigen Landes beschränkt, sondern die gesamte afrikanisch-atlantische Küste umfasst.

Ein Kommentar zu „[Rezension] Colfer/Donkin/Rigano – Illegal. Die Geschichte einer Flucht“

  1. Liebe Mareike,
    Ich habe diese Graphic Novel vor einigen Wochen auch gelesen und mich hat Ebos Geschichte auch unglaublich berührt. Möchte diesen Comic am liebsten ganz, ganz vielen Menschen in die Hand drücken, damit sie auch mal eine Geschichte und ein Gesicht mit den anonymen Zahlen aus den Nachrichten verbinden.
    Liebe Grüße, Julia

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