[Rezension] Dashka Slater – The 57 Bus

Titel: The 57 Bus | Autorin: Dashka Slater | Verlag: Wren & Rook

Worum geht’s?

Sasha ist agender.
Richard ist schwarz.
Beide gehen auf unterschiedliche Schulen, leben in unterschiedlichen Vierteln ihrer Stadt, beide führen komplett unterschiedliche Leben. Das einzige, das sie verbindet, ist die Bulsine 57, die quer durch die Stadt führt.
Eines Tages albert Richard mit seinen Freunden im Bus rum. Sasha trägt wie immer einen Rock und ist im Bus eingeschlafen. Richard wird von seinen Freunden getrieben, Sashas Rock anzuzünden. Während Richard den Bus verlässt und sich nichts weiter denkt, geht Sashas Rock in Flammen auf und verbrennt siehn die Beine.
Sasha muss ins Krankenhaus und mehrere OPs über sich ergehen lassen, Richard wird schnell gefasst und wegen eines Hassverbrechens angeklagt.
Wie konnte es überhaupt soweit kommen?

Wie war’s?

Das Buch ist in mehrere Abschnitte unterteilt. In den ersten beiden lernen wir die beiden Jugendlichen kennen, um die sich die ganze Story dreht, Sasha und Richard. Sasha ist agender und bevorzugt die Pronomen They/Them, was im Deutschen vermutlich mit sier u.ä. wiedergegeben wird.
In den anderen Abschnitten geht es darum, wie es zu dem Prozess kam und wie dieser verlief, gespickt mit jeder Menge Statistiken, Infos und Statements von Fachpersonen. An diesen Details merkt man nicht nur, dass The 57 Bus auf einer wahren Geschichte beruht, sondern dass die Autorin auch Journalistin ist.

Die ersten zwei Abschnitte sind spannend geschrieben. Man bekommt sowohl für Sasha als auch für Richard ein Gespür, Sympathien hegt man für beide und man bekommt eine Idee, wie unterschiedlich die beiden aufgewachsen sind, welche Welten zwischen Ihren beiden Leben liegen.
Man kann sogar ein wenig nachvollziehen, was in Richards Kopf vorgegangen ist, als er Sashas Rock mit einem Feuerzeug bearbeitete. Er dachte, der Rock würde nur ein wenig kokeln, er hatte nicht damit gerechnet, dass der Rock in Flammen aufgehen und Sashas Beine derartig verbrennen würde, dass sier mehrfach operiert werden muss und bleibende Narben zurückbehält. Dennoch fragt man sich, wie man überhaupt auf die Idee kommt, die Kleidung von jemanden anzünden zu wollen, auch wenn es nur als schlechter Scherz gemeint ist.

Als Leser*in ist man, gerade in den ersten beiden Abschnitten, dicht am Geschehen und an den involvierten Personen. Man erfährt nicht nur von den Gefühlen von Sasha und Richard, sondern auch von den Angehörigen der Beiden.

Die weiteren Kapitel ziehen sich leider sehr in die Länge. Es wird mit Seite zu Seite langweiliger, die eingefügten Statistiken und Informationen sollen zwar den Hintergrund des Justizsystems beleuchten und das Ungleichgewicht aufzeigen, dass bei den Anklagen und Verurteilungen von weißen und schwarzen Jugendlichen herrscht. Leider schafft es Slater nicht, diese Informationen spannend oder für die Geschichte unterstützend einzubauen. Schade ist allerdings, dass die letzten Kapitel eher oberflächlich sind, man bekommt das Gefühl, man sei Prozessbeobachter*in. Die Gefühle und Gedanken der Familien scheinen mehr im Fokus zu stehen als die von Sasha und Richard, um die es eigentlich gehen sollte.
Am Ende wollte ich nur noch, dass das Buch zu Ende ist, wollte wissen wie der letzte Stand war, bevor es veröffentlicht wurde.

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