[Rezension] Tillie Walden – Pirouetten

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Titel: Pirouetten | Zeichnerin: Tillie Walden | Übersetzung: Sven Scheer | Verlag: Reprodukt
Danke für das Rezensionsexemplar

Axel. Lutz. Dreifacher Rittberger.
Eiskunstlauf ist Tillies Leben.
Auch wenn es bedeutet, morgens um vier aufzustehen, um noch vor der Schule zum Training zu gehen und nach der Schule direkt wieder. Als die Familie umzieht und Tillie aus ihrem Umfeld gerissen wird, wird sie auf die erste Probe gestellt. Schüchtern wie sie ist, fällt es ihr zunächst schwer, Freunde zu finden. Und dann wird ihr klar, dass sie lesbisch ist. Es fällt ihr immer schwerer, sich zum Training aufzuraffen, traut sich aber nicht, es ihren Eltern zu sagen.

Pirouetten ist die Autobiografie von Tillie Walden und beschreibt ihre Jugend als Eiskunstläuferin und wie sie auch immer mehr ein Stückchen von sich selbst findet und lernt, für sich einzustehen. Doch trotz der 400 Seiten, die diese Graphic Novel umfasst, fühlte sich die Story insgesamt recht flach an. Ich habe bis zum Schluss keinen roten Faden entdecken können, außer, dass man einen Teenager ein Stück im Leben begleitet. Die Graphic Novel wird als LGBTQ* Werk beworben, und auch wenn Homosexualität eine Rolle spielt, schien sie doch etwas untergeordnet zu sein. Es geht vielmehr um die Themen, die Teenager immer umtreiben: Freundschaft, Zugehörigkeit, Familie. Und zufällig ist die Protagonistin lesbisch.

Eine Szene, die mich nicht nur wirklich gestört, sondern richtiggehend gestört hat, war die mit sexualisierter Gewalt (ab S. 290). Es kam nicht zu einer Vergewaltigung, die Situation war aber ohne Frage verstörend für Tillie, die danach jahrelang unter Schuldgefühlen litt. Allerdings war von diesen Folgen im Rest des Buches nichts mehr zu spüren. Liest man die Seiten danach ohne den Kontext des bisherigen Buches, sieht es aus wie die “klassischen” Reaktionen auf sexualisierte Gewalt. Tillie will nur noch schlafen und sich vergraben und besteht ihre Eiskunstlaufprüfungen nicht. Das war allerdings vorher schon Thema, da sie mit dem Eiskunstlauf aufhören will und sich einfach nicht traut, es ihren Eltern zu sagen. Im Gesamtkontext liest es sich so, als wären die Eltern und das Aufgeben des Eiskunstlaufs die große Hürde, nicht der sexualisierte Übergriff.
Damit konnte ich beim Lesen einfach nichts anfangen. Ich verstehe bis heute nicht, warum die Szene im Buch ist. Für Tillie wird sie prägend gewesen sein. Aber im Buch selbst ist sie nicht sonderlich gut eingewoben, eher eingeschoben, wie eine Randnotiz „Ach übrigend, das ist mir auch passiert“, und das finde ich schade.

Insgesamt konnte mich Pirouetten leider nicht überzeugen…

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