[Rezension] Miriam Toews – Die Aussprache

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Autorin: Miriam Toews | Titel: Die Aussprache | Übersetzerin: Monika Baark | Verlag: Hoffmann und Campe
Danke für das Rezensionsexemplar

Worum geht’s?

Eine abgeschlossene christiliche Kommune. Frauen dürfen nicht lesen und schreiben lernen, nur die Männer dürfen das Dorf verlassen. Über den Zeitraum von einigen Jahren wachen die Frauem morgens auf, klagen über Schmerzen, Blut, Jungfrauen sind plötzlich keine Jungfrauen mehr. Irgendwann kommt raus: statt Dämonen waren es Menschen aus Fleisch und Blut, acht Männer aus dem Dorf, Ehemänner, Söhne, Brüder. Als die Männer eines Tages in der Stadt sind, um die Angeklagten auf Kaution freizubekommen, treffen sich die Frauen zum Kriegsrat. Sollen sie bleiben? Sollen sie gehen? Wie sollen sie überhaupt umgehen mit der Situation?

Wie war’s?

Die Aussprache beruht auf einer wahren Begebenheit, die sich vor einigen Jahren zugetragen hat. Der Klappentext versprach eine spannende Auseinandersetzung von Frauen mit ihren eigenen Vergewaltigungen und denen ihrer Töchter, Schwestern, Freundinnen.

Man könnte meinen, dass es ein Thema ist, das leidenschaftlich diskutiert wird, immerhin ist das jüngste Opfer erst drei Jahre alt. Über die Vergewaltigungen wird jedoch derart emotionslos gesprochen, man könnte meinen, es ginge um das Kuchenbuffet vom nächsten Wochenende. Dass den Frauen und Kindern ein himmelschreiendes Unrecht angetan wurde, und man sie mit ihrem Glauben dazu bringen will, den Männern zu vergeben, obwohl sie dazu weder bereit noch emotional in der Lage sind, lässt man ebenso unter den Tisch fallen wie die Tatsache, dass eine Frau durch eine der Vergewaltigungen schwanger wurde und nun als nicht mehr verheiratbar” gilt.

Ein weiterer Aspekt, der im Gesamtbild des Romans stört: die Frauen haben einen Mann als Schriftführer ernannt, dessen Eltern aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wurden, und der etwas von der Welt gesehen hat. Zunächst hofft man, dass diese Figur aufgrund ihres Geschlechts eine andere Perspektive einbringt, die den Frauen oder wenigstens den Leser*innen hilft, das Geschehene und das Zukünftige zu sortieren und einzuordnen. All das passiert nicht, eher im Gegenteil: Der Mann bringt ständig seine eigenen Gedanken ein, da er das Protokoll führt und die Geschichte erzählt, lenkt mit irrelevanten Ausschweifungen ab (sein Leben interessiert mich null, ich will wissen, was mit den Frauen passiert ist und noch passiert) und hat auch sonst nichts Gewinnbringendes beizutragen.

Die Aussprache ist einfach unfassbar langweilig, sowohl vom Schreibstil als auch vom Spannungsbogen

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