[Rezension] Martin Schörle – Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten; Einladung zum Klassentreffen

Titel: Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten; Einladung zum Klassentreffen | Autor: Martin Schörle | Verlag: Engelsdorfer Verlag
Danke für das Rezensionsexemplar!

Worum geht’s

Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten und Einladung zum Klassentreffen sind zwei Theaterstücke. Im ersten geht es um den Beamten Fredenbek, der in einem dichten Monolog über das Leben als Beamter schwadroniert und sich in klischeehafter Beamtenmanier an Kleinigkeiten aufhält. Er hat tlw. komplett den Bezug zur Realität verloren.
Einladung zum Klassentreffen ist als Telefonat gehalten. Der Protagonist plant ein Klassentreffen und ruft die Protagonistin an, mit der er zu Schulzeiten eine Beziehung führte. Schnell scheint eine gewisse Vertrautheit wieder da zu sein, sie erzählt ihm von ihrer vergangenen Ehe und wie unglücklich sie war. Sie ist im Zug, andere Fahrgäste hören mit.

Wie war’s

Ich lese Theaterstücke durchaus gerne, da hat mich der Deutschunterricht in der Schule zum Glück nicht gänzlich vergrault. Doch mit diesen beiden Stücken von Martin Schörle tat ich mich echt schwer!

Das erste Stück war anstrengend und eine echte Qual. Es sollte bestimmt witzig sein, vor allem die Überspitzung der Beamtenklischees, hat mich aber leider so gar nicht erreicht. Mag daran liegen, dass es ein wirklich dichter, textlastiger Monolog ist…

Das zweite Stück fand ich anfangs noch recht erfrischend, vor allem mit dem anderen Stück des Buches im Gedächtnis. Leider verkam es immer mehr zu einer Folge einer Seifenoper. Sie streiten sich, sie legt auf, hofft aber, dass er wieder anruft… Das Ende empfand ich als derartig konstruiert, ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Fahrgäste steigen mit der Frau aus, um zu erfahren, wie die Geschichte mit ihrem Telefonpartner weitergeht? Die den Spruch der Protagonistin, sie würde einen Zettel rumgehen lassen für Emailadressen, damit alle das Ende der Geschichte erfahren? Und einer der Fahrgäste ist dann auch noch Journalist und will die Rechte an der Story? Und niemand findet es creepy, dass drei wildfremde Menschen einer Frau aus der Bahn bis nach Hause hinterherschleichen? Einfach, weil sie neugierig sind? Herrje.

Ja, im Theater, gerade im Theater, darf viel mit Metaphern und Überspitzungen gearbeitet werden um das Alltäglich-Normale ins Absurde zu verdrehen. Aber hier funktioniert es für mich nicht. Ich denke, es würde für mich auch nicht auf einer Bühne funktionieren. Auch wenn das Thalia Theater in Hamburg es mal auf den 8. Platz der Spielplanwahl gewählt hat.

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