[Rezension] Jens Wonneberger – Mission Pflaumenbaum

[Rezension] Jens Wonneberger – Mission Pflaumenbaum

In wenigen Tagen wird der oder die diesjährige Gewinner:in des Deutschen Buchpreises gekührt. Mein Patenbuch ist nicht unter den Finalisten, es wundert mich überhaupt nicht. Ich versuche seit drei Wochen, eine Rezension zu schreiben, und einzig der Anspruch, dass ich vor der Preisverleihung meine Meinung kundgetan haben möchte, ich also eine Deadline direkt über meinem Haupt habe, treibt mich genug an, mich nochmal mit diesem Buch auseinanderzusetzen.

Worum geht es eigentlich?

Mission Pflaumenbaum von Jens Wonneberger handelt von einem Vater, der sich in die ostdeutsche Provinz aufmacht, um seine Tochter zu besuchen. Ich weiß nicht mehr, ob das Dorf, in dem die Tochter lebt, tatsächlich in Mecklenburg-Vorpommern liegt, oder ich mir das nur dazugereimt habe, weil ich selbst immer wieder Freund:innen von mir oder meiner Familie dort besuchte. Der Vater kommt in diesem Dorf an, und auf dem Weg zu seiner Tochter trifft er auf einen alten Mann, der viel über den Krieg und die Zeit danach spricht, tlw. zusammenhanglos, schlecht zu verfolgen. Der Protagonist schafft es irgendwann, von dem ihm unsympathischen Mann loszukommen, in dessen Gegenwart er sich unwohl fühlt, und seine Tochter zu erreichen, in dessen Gegenwart er sich dann weiter unwohl fühlt. Sogar so sehr, dass er eine Ausrede erfinden will, um viel früher als verabredet wieder abzureisen.

Bin ich zu blöd?

Ihr merkt, das Buch macht richtig Laune. Es ist schwer, den Gesprächsverläufen zu folgen, es sind unglaubliche Sprünge drin, und ich blätterte ein ums andere Mal zurück um zu sehen, ob ich auf der ein oder anderen Seite Sekundenschlaf hatte (was ich meinem Kopf definitiv nicht verübeln würde). Hatte ich aber nicht. Dann dachte ich kurz, ich sei vielleicht zu doof, dieses Meisterwerk an Erzählkunst mit seinem Stilmittel zu begreifen, ich wäre schlicht unfähig, diese Art Literatur zu würdigen, weil ich vielleicht zu unerfahren, zu unbelesen sei, um ein Buch, das für den Deutschen Buchpreis nominiert ist komplett zu erfassen…

Kurz und knapp: ich bin es nicht. Wenn ein Autor ein ungewöhnliches Stilmittel verwendet, kann er es fantastisch machen, oder scheitern, und Wonnebergerist bei mir definitiv gescheitert. Aber nicht nur allein wegen seiner ellenlangen Sätzen ohne direkte Rede.

Boah, nee…

Ich habe kein Problem mit unsympathischen Charakteren, aber die Personen in Mission Pflaumenbaum nicht nur unsympathisch, sie sind, und das ist das eigentlich Katastrophale, nichtssagend. Belanglos. Blass und grau.
Nun mag man einwenden, dass sie dann doch ganz fantastisch in das Klischee Mecklenburg-Vorpommerns passen, dass dort eben auch alles grau sei. Aber das zieht bei mir nicht, denn die Geschichte will nirgends hin. Sie dümpelt vor sich hin wie Kneipenstammgäste am Tresen.

Der Vater will früher abreisen, geht aber doch nochmal spazieren und trifft, oh Wunder, wieder auf diesen seltsamen Alten. Der etwas von irgendwelchen angeblichen Berühmtheiten erzählt, die in irgendwelchen Häusern gelebt hätten, aber nie so richtig ins Dorf gepasst hätten.
Er, der Alte, macht natürlich den Bogen zu Ortsfremden allgemein und zu Geflüchteten und Menschen, die er mit dem N-Wort bezeichnet, im Besonderen. Und an dieser Stelle bin ich aus dem Buch ausgestiegen und habe ihm eine schöne Weiterfahrt gewünscht. Dass das N-Wort ausgeschrieben wird: ….neah… soll halt ein rechter Opi sein. Und der Roman will offenbar die Realität abbilden. Um das in Kontext zu setzen, hätte der Protagonist sich aber bitte wenigstens von dieser Bezeichnung (und den Ausführungen des Oppas) distanzieren können. Wenn schon nicht äußerlich (was leider prototypisch für Weiße zu sein scheint), dann wenigstens in einem seiner endlosen inneren Blahblahmonologe. Aber auch da: nichts. Keine Reaktion. Nicht mal drüber stolpern. Hören, rechts rein, links raus.

Wenn ich alte, weiße Männer dozieren hören will…

Der Realitätsnähewunsch des Autors in allen Ehren, aber wenn ich irgendwelche alten, weißen Männer über den Zustand der Gesellschaft schwadronieren und ihre Rassismen hören will, lese ich die Kommentarspalten der Online-Magazine. Die kommen in ihrer verschwurbelten Weltsicht wenigstens auf den Punkt und eiern nicht über literarische Stilmittellandschaften, an denen nicht mal Deutschlehrer:innen Freude haben.

Ehrlich, dieses Buch lohnt sich höchstens, um einen wackeligen Tisch zu stabilisieren. Und selbst da empfehle ich mehrfach gefaltetes Papier.

Share

One thought on “[Rezension] Jens Wonneberger – Mission Pflaumenbaum

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.