[Rezension] Franziska Seybold – Rattatatam, mein Herz

Titel: Rattatatam, mein Herz | Autorin: Franziska Seybold | Verlag: Kiepneheuer & Witsch

Worum geht’s?

Franziska Seybold hat eine Angststörung.
Das bedeutet nicht, dass sie schlotternd durch die Welt geht, und es bedeutet auch nicht, dass sie in jeder Situation Angst hat. Aber die Angst begleitet sie durch den Alltag wie böse beste Freundin. Sie frühstücken gemeinsam, die Angst ist bei den Konferenzen im Job genauso dabei wie in der Kneipe. Wie lebt es sich mit der Angst? Und vor allem: wird man sie irgendwann auch wieder los?

Ich war Origami rückwärts (S. 61)

Wie war’s?

Eine Angststörung zu haben ist alles andere als witzig. Dennoch scheint Franziska Seybold ihren Humor nicht verloren zu haben, denn sie berichtet bunt und lebhaft von ihrem Leben mit der Angst. Wie real Angst sein kann und weniger ein Hirngespinst überspannter Geister merkt man spätestens dann, wenn die Angst überall als fast reale Figur mitmischt.
Und man möchte sie schütteln, Himmel, man möchte sie schütteln. Die Angst ist nervig, egoistisch, überrennt den Menschen, zu dem sie gehört, und denkt dabei immer noch, sie hätte das Beste für ihn im Auge. Zu lesen, wie durch sie Franziska Seybolds Leben eingeschränkt wird, tut weh. Sie sucht sich Hilfe, allerdings ist der erste Therapeut ein Griff ins Klo. Er versteht sie als eine “Angststörung mit einem lästigen menschlichen Anhängsel” (S. 45). Wer unter psychischen Krankheiten leidet, kennt das vermutlich: nicht nur durch Therapeuten, auch durch das restliche Umfeld wird man nicht selten auf einmal nur noch über die Krankheit definiert. Und darauf hat Franziska nun so gar keinen Bock.

Wie Franziska Seybold ihre Angst dennoch angeht, mit allen Fortschritten und Rückschlägen, erzählt sie unglaublich unterhaltsam. Auch wer keine Angststörung hat bekommt ein gutes Bild davon, wie es sich mit dieser ungewollten Freundin lebt.

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