[Rezension] Dietmar Dath – 100 Seiten Karl Marx

Titel: 100 Seiten Karl Marx | Autor: Dietmar Dath | Verlag: Reclam

Karl Marx lesen? Aber wie?

Diese Woche, am 05.05., wäre Karl Marx 200 Jahre alt geworden. Seine Texte, besonders „Das Kapital“, gelten als nach wie vor aktuell, und Das Kapital ist definitiv das Grundlagenwerk jeder Kapitalismuskritik. Trotzdem, das Werk ist einschüchternd. Drei dicke Bände, in der Ausgabe aus dem Nikolverlag stolze 2800 Seiten stark, eng beschrieben und das in einer komplexen Sprache, die man nicht eben im Café inhaliert, während man auf eine Freundin wartet. Aber wie soll man sich einem der kritischsten Denker des 19. Jahrhunderts nähern? Wie verhindert man, dass man einfach nur konsumiert, sondern auch versteht, sich eine Meinung bildet und nachvollziehen kann, warum Marx mit seinem Kommunismus für so viele Menschen die Erlösung und für ebenso viele Menschen der pure Schrecken ist?
Die Antwort: man fängt nicht direkt mit dem Kapital an, sondern liest Bücher über Marx, sein Leben, seine Werke. Ist man dann bei der Lektüre der eigentlichen Quellen schon vorgeprägt? Vielleicht. Vielleicht fällt es einem aber auch leichter, überhaupt einen Zugang zu Marx‘ Sprache und Denken zu finden.

100 Seiten Karl Marx

Ein guter Einstieg ist 100 Seiten Karl Marx von Dietmar Dath, das bei Reclam erschienen ist. Gleich auf den ersten Seiten erklärt Dath, dass er selbst seit seiner Jugend Kommunist ist, was hilft, dieses Buch mit einer gewissen Distanz und kritischen Haltung zu lesen – denn kann ein Buch über den bekanntesten Denker des Kommunismus neutral sein, wenn es von einem Kommunisten geschrieben wurde? Nun ja, Dath schafft es (größtenteils).
100 Seiten Karl Marx ist quasi ein Crashkurs, der die wichtigsten Aspekte von Leben und Denken mit Quellenangaben vorstellt, ein paar Bilder gibt es auch. Zwischendurch werden andere Philosophen wie Hegel und Autoren wie John Locke, die über Menschenrechte und Besitz geschrieben haben, vorgestellt, ggf. kritisiert und vor allem ihre Bedeutung für das Denken von Karl Marx herausgestellt. Daths Meinung über damalige und heute Diskussionen z.B. über Kapitalismuskritik findet man in Nebensätzen wie: “Bürgerliche Philosophen machten sich da…Gedanken über das Eigentum, die weit weniger naiv waren als manches, was sich heute Kapitalismuskritik schimpft.” Autsch. Auf der anderen Seite machen solche Sätze Lust auf mehr, man will nicht nur über Marx mehr wissen und tiefer in die Materie einsteigen, sondern auch diejenigen Lesen, die Marx beeinflusst haben bzw. sich eigene Gedanken zu den Themen gemacht haben, die Marx umtrieben.

Auf diesen 100 Seiten findet man konzentriertes Wissen, und wenn man sich Marx bekannten und weniger bekannten Werken widmen will, sollte man dieses kleine Büchlein vorher lesen. Auch diese 100 Seiten inhaliert man nicht mal eben im Café weg, aber sie sind spannend, aufschlussreich und informativ. Wer eine kritische Auseinandersetzung mit Marx erwartet muss an dieser Stelle weitersuchen, aber Marx wird auch nicht in den Himmel gehoben. 100 Seiten Marx ist schlicht der perfekte Kurzeinstieg in das Thema Marx, Kapital und Kommunismus.

3 Kommentare zu „[Rezension] Dietmar Dath – 100 Seiten Karl Marx“

  1. Hallo Mareike,
    das ist interessant! In der Schul haben wir das hoch und runter gebetet, haben einen “eigenen” Kopf in der Stadt stehen und hatten (vor der Wende) noch seinen berühmten Namen im Stadtnamen 🙂
    Für mich war das Kapital allerdings immer zu fett. Habe mich immer mal wieder hier und da belesen. Das Buch hier klingt super – werde meine Augen danach aufhalten!

    Liebe Grüße Anett.

    1. Hallo Anett,

      ich hatte Marx überhaupt nicht in der Schule. Ich kann mich zwar Erinnern, die Russische Revolution durchgenommen zu haben, aber sonst… Wir haben auch weder Das Kapital noch Das kommunistische Manifest in irgendeiner Weise besprochen, auf der anderen Seite war der Lehrplan damals schon proppe voll :/

      Cheerio
      Mareike

      1. Naja, ich bin eben ein DDR – Kind, auch wenn wir vieles nicht erfahren haben im Fach Geschichte, aber Marx und Engels etc. haben wir lange durchgekaut. 🙂 War am Ende dann doch sehr ermüdend, zumal es nun von diesen Geschichtslehrern kam, die so typisch sozialistisch waren …
        Später, wenn man älter wird, denkt man dann anders drüber 😉 Der Lauf der Zeit!

        Schönen Tag für dich
        Anett.

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