[Rezension] Diana Dreeßen – Du musst nicht verreisen, um bei dir selbst anzukommen


Titel: Du musst nicht verreisen, um bei dir anzukommen. Wege zu einem selbstbestimmten Leben | Autorin: Diana Dreeßen | Verlag: dtv | ISBN: 978-3-423-26176-0
Ich muss gestehen: ich stehe nicht sonderlich auf Selbsthilfe- und Selbstoptimierungsbücher. Sie sind entweder esoterische Verbaldiarrhoe oder man hat das Gefühl, man solle sich selbst optimieren um noch besser zu funktionieren. Und ich war auch bei dem Buch, das mir der dtv anbot, erst skeptisch, denn die Autorin Diana Dreeßen ist u.a. Coach in der Wirtschaft. Warum ich das Rezensionsangebot Du musst nicht verreisen, um bei dir selbst anzukommen dennoch angenommen habe? Zum einen kam die Anfrage zu einem Zeitpunkt, als ich selbst gerade an vielen Fronten kämpfte und mir die Kräfte ausgingen. Zum anderen war da der Klappentext, in dem ich mich bereits mehr wiederfand als mir eigentlich lieb war. Also sagte ich zu. Und ich erlebte eine Überraschung.

Worum geht’s?

Man arbeitet zu allen Seiten: Die Kollegin ist krank, also springt man natürlich an seinem freien Tag ein; Kind 1 braucht Hilfe bei der Präsentation, Kind 2 muss sich auf eine Mathearbeit vorbereiten; das bisschen Haushalt – ob aufgeteilt oder nicht – macht sich eben nicht von allein; und man will natürlich auch noch attraktiv und wie eine Powerfrau wirken, also geht man noch zum Yoga oder Pilates, … und so langsam geht einem die Puste aus. Klingt vertraut? Nun, dann hat dieses Buch ein paar sehr gute Tipps und Wege.

Wie war’s?

Da ich Selbsthilfebüchern eher kritisch gegenüber stehe, war die Lektüre für mich sehr überraschend – im positiven Sinn. Ich hatte das Gefühl, dass Dreeßen hier wirklich den Menschen im Mittelpunkt sieht und die Analyse der kritischen Punkte nicht als Mittel zum Zweck sieht, damit man sich noch mehr aufladen und so noch besser für die Umwelt funktionieren kann. Vor allem wenn man bedenkt, was vor allem nach wie vor an Frauen für Erwartungen und Ansprüche gestellt werden ist dieses Buch eine richtige Erleichterung.
Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert, die den/die Leser*in immer weiter ins Innere führen, aber auch in die Vergangenheit (was wurde uns als Kind eingetrichtert, das uns heute dazu veranlasst, mehr zu tun als wir kräftemäßig schaffen können?), ins Jetzt und schließlich wieder zu einem selbst.

Zu dem Buch hat Frau Dreeßen auch ein Begleitbuch, ein Workbook, entwickelt, das man neben der Lektüre bearbeitet. Sie meinte, dass Menschen Vorschläge zur Veränderung nicht unbedingt umsetzen und somit auch auf der Stelle bleiben. Das Arbeitsbuch soll dabei helfen, die einzelnen Kapitel und „Lektionen“ zu verstehen, zu verinnerlichen und schließlich auch umzusetzen. Klingt nach Arbeit? Ist es auch. Das macht man nicht einfach nebenher, jedenfalls nicht, wenn man es richtig macht. Aber es lohnt sich. An einer Stelle kamen die Fragen, in welchen Situationen wir gestresst (oder in meinem Fall auch aggressiv-genervt) reagieren und welche Person wir damit verbinden. Ich will nicht näher darauf eingehen, aber mir fiel es auf einmal wie Schuppen von den Augen, wer mich für solche Reaktionen geprägt hat. Seitdem versuche ich solche Situationen anders anzugehen und mir bewusst zu machen, dass das, was gerade passiert, gar kein so großes Problem ist. Works like a charm. Und das ist nur eine von vielen Lektionen, die ich jetzt mit ins neue Jahr nehme.

In den letzten Monaten ist der Trend zur Achtsamkeit und zum besseren Umgang mit einem Selbst immer größer geworden. Mit den meisten Sachen konnte ich nichts anfangen, weil sie einfach nicht zu mir passen: Yoga, meditieren, ein minimalistischer Lebensstil, Morning Pages, regelmäßiges Tagebuch, Auszeiten nehmen… Ich hatte immer das Gefühl, mich dafür verbiegen zu müssen. Bei Du musst nicht verreisen ist das anders. Im Grunde schafft dieses Buch die Basis dafür, achtsamer mit sich umzugehen und verzichtet dabei auf überflüssige Ratschläge wie „Fangen Sie an Sport zu machen oder suchen Sie sich eine neue Sportart“, „Sie brauchen auch mal Ruhe, nehmen Sie einmal die Woche ein Entspannungsbad“ oder „Starten Sie den Tag mit Meditation oder Yoga“. Um dieses Buch zu lesen und die Vorschläge umzusetzen braucht es nur einen selbst und ein bisschen Willen, wirklich was zu ändern. Schritt für Schritt kommt man so aus der (all-)täglichen Überforderung heraus.

Ich werde das Buch und das Arbeitsbuch im kommenden Jahr garantiert mehr als einmal aus dem Regal holen, denn bei mir steht einiges an, und es kann nicht schaden, mir dann manche Sachen immer mal wieder vor Augen zu führen. Ich kann Du musst nicht verreisen wärmstens empfehlen, wenn ihr das Gefühl habt, euch völlig verrannt zu haben und mit allem überfordert zu sein, und etwas ändern wollt.

Book Release Party

Dank Book Contact und dtv habe ich die Teilnahme an der Book Release Party Ende November in Jesteburg bei Hamburg gewonnen. Ich war sehr gespannt wie es wird und schon die Fahrt dahin war für mich ein kleines Abenteuer. Die Feier sollte auf dem Hof & Gut Stub’n stattfinden, einem alten Bauernhofgebäude, das durch seinen Fachwerkcharme bestach. Anfangs stand ich noch etwas verloren an einem der Stehtische und versteckte mich hinter meiner Kamera, aber bald gesellten sich andere Gäste dazu und man kam ins Gepsräch. Es war eine entspannte Atmosphäre, in der Frau Dreeßen schließlich begann, sich bei den Menschen zu bedanken, die sie auf ihrem bisherigem Weg und bei diesem Buch begleitet haben. Es waren sehr persönliche Einblicke in das Leben einer Autorin. Schließlich war der erste Gang des Buffets eröffnet, italienische Antipasti, und ich schwebte im Himmel. Neben den Köstlichkeiten hatte ich auch tolle Gesprächspartner an meinem Tisch, was dem Networking-Talent von Frau Dreeßen zu verdanken ist. Sie gab auch ein Interview, wie es zu dem Buch kam und dass sie nun ein ganz anderes Buchprojekt angeht: einen Roman. Es ist ein völliger Genrewechsel, was ungewöhnlich scheint, zu Frau Dreeßen aber passt.
Nach zwei weiteren Gängen am Buffet und unzähligen tollen Gesprächen hatte ich noch die Gelegenheit, Frau Dreeßen kurz zu interviewen. Das wirklich peinliche und unprofessionelle ist: die Sounddatei, die das Interview beinhaltet, ist beim Absturz meines Handys verloren gegangen. So bleibt mir nichts weiter, als noch eine Reihe Fotos mit Impressionen zu zeigen, die dem wundervollen Abend aber nicht ansatzweise gerecht werden können. Frau Dreeßen war eine wunderbare und humorvolle Gastgeberin, und der Abend hätte nicht schöner sein können.

Die Location hatte einen ganz eigenen Charme

Diana Dreeßen beim Interview
Diana Dreeßen beim Interview
Auch beim Signieren bleibt Zeit, um sich kurz zu unterhalten.
Beste Gesprächspartner bei mir am Tisch

2 Kommentare zu „[Rezension] Diana Dreeßen – Du musst nicht verreisen, um bei dir selbst anzukommen“

  1. Frohes neues Jahr!

    Sehr interessante Rezi. Ich stehe diesen ganzen Coaching- und Selbstmanagementbüchern auch eher skeptisch gegenüber. Manchmal sind sie direkt widersinnig, weil sie einerseits sagen, dass man „sich frei machen“ soll, aber selbst noch einmal zusätzlich Druck und Belastung aufbauen, weil man zig verschiedene Dinge erledigen soll.

    Grüße Andre

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.