[Rezension] D’Arachart & Wedler – Ein Spiel für Gewinner

Titel: Ein Spiel für Gewinner | Autorinnen: Nadine D‘Arachart, Sarah Wedler | Verlag: Telescope
Danke für das Rezensionsexemplar

Triggerwarnung: Suizid, explizite Darstellungen von Suiziden

Worum geht’s?
Hamburg. Kilian ist davon überzeugt, dass seine Freundin in den Selbstmord getrieben wurde. Kommissar Dornfeld ist skeptisch und sein Partner Schwarzer lehnt die Theorie rundheraus ab. Kilian gibt nicht auf und versucht, die beiden Kommissare doch noch zu einer Ermittlung zu bewegen. Gerade, als die Kommissare anfangen, Kilian zu glauben, rudert er zurück. Er hat sich bei einem Spiel angemeldet, das den Spielern immer krassere Aufgaben stellt, an deren Spitze der eigene Suizid steht. Immer tiefer gerät Kilian in den Strudel, und Dornfeld und Schwarzer können kaum Schritt halten. Wer steckt hinter der App, über die das Spiel läuft? Wer wird das nächste Opfer? Und können Dornfeld und Schwarz es verhindern?

Wie war’s?

Die Story um einen Serienmörder, der andere in den Selbstmord treibt, ist endlich mal etwas erfrischend anderes im Thriller-Genre, das ich zwar verschlinge, das meiner Meinung nach in letzter Zeit aber immer gleichmäßigeren Wogen versandet.
Nun also kein Serienmörder mit Axt und Folter, sondern mit App, Darknet und der neuen Kommunikationsstruktur und neuen Medien bewaffnet. Und ist damit viel gefährlicher, als man zunächst denken mag, und vor allem: streng rechtlich genommen ist das nicht einmal strafbar. Die Ermittlungen – und die ersten Kapitel – brauchen dementsprechend ein wenig, um in die Gänge zu kommen. Leider bleibt das Tempo für meinen Geschmack insgesamt ein wenig zu gemächlich.
Ein anderer Kritikpunkt ist Kilian, einer der Hauptcharaktere. Ein klassischer Antiheld, der den Mord an seiner Freundin rächen will und dafür alles riskiert. Dennoch bin ich einfach nicht mit ihm warm geworden, so gut er auch gestrickt war. Ein Ex-Junkie, von seiner Freundin aus dem Drogensumpf gerettet, hat durch eben jene Drogenvergangenheit Schwierigkeiten, Vertrauen zu den meisten anderen Menschen aufzubauen, was die polizeilichen und seine eigenen Ermittlungen deutlich erschwert. Manchmal ging er mir gerade deswegen aber auch einfach hart auf die Naht.

Davon abgesehen hat Ein Spiel für Gewinner richtig Spaß gemacht. Ich konnte es nicht aus der Hand legen. Ich war fasziniert von der Idee, wie der Spielmacher – die Person, die alle in den Tod treibt – die Spieler auswählt, ihnen Aufgaben stellt – und wie drastisch diese ausgehen. Zudem haben die beiden ortsfremden Autorinnen die Umgebung, in der die Story spielt, verdammt gut recherchiert. Ich bin immer skeptisch, wenn Romane in Hamburg spielen, weil ich so oft Fehler in der Stadtbeschreibung finde. Hier nicht. Die Story spielt zu einem großen Teil in dem Teil von Hamburg, in dem ich aufgewachsen bin und immer noch wohne. Es gibt nur eine einzige Abweichung, auf die ich eine der Autorinnen angesprochen habe, und sie erklärte, dass es Absicht sei: es ging hier um einen Spielplatz, und sie und ihre Kollegin fanden es grenzwertig, einen echten in ihren Thriller einzubauen. Also haben sie ein Gebäude einfach an eine Ecke verlegt, das sonst in einer Querstraße liegt. Damit kann ich nicht nur leben, ich finde es toll, dass D’Arachart und Wedler solche Gedanken machen.

Dass sie das auch in Hinblick auf das Hauptthema ihres Thrillers, Suizid, machen und versuchen, eventuelle Folgen zu berücksichtigen, sieht man noch bevor das Buch überhaupt startet: sie haben eine fette Triggerwarnung eingebaut, die man nicht übersehen kann. Sie warnen explizit noch einmal vor dem Inhalt des Buches und geben auch Telefonnummern und Stellen an, bei denen man sich bei akuter Suizidalität Hilfe holen kann. In Anbetracht der andauernden Diskussion um Triggerwarnungen habe ich mich über dieses überdeutliche Zeichen sehr gefreut.

Persönlich hoffe ich, dass Dornfeld und Schwarz demnächst wieder ermitteln, vor allem Schwarz kam mir ein wenig zu kurz, dabei war er der Charakter mit der spannendsten Hintergrundgeschichte. Insgesamt möchte ich ihn mehr in Action erleben.

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