[Rezension] Andreas Gruber – Todesurteil

Titel Todesurteil | Autor: Andreas Gruber | Verlag: Goldmann

Worum geht’s?

Sabine Nemez wird im Eilverfahren an der Akademie des BKA aufgenommen – ihr langer Traum, der sich nach unzähligen Bewerbungen endlich erfüllt. Kaum angekommen, vertieft sie sich in den Stoff, den sie in Sneijders Kurs, dem Profiler-Genie des BKA, vorgesetzt bekommt. Und entdeckt Zusammenhänge zwischen Fällen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben sollen und sich über ganz Deutschland und bis nach Österreich erstrecken. Keiner, nicht einmal ihr Mentor Sneijder, will ihr zunächst glauben. Aber ein kleines Mädchen befindet sich in Gefahr, und Nemez lässt nicht locker.

Wie war’s?

Wer schon immer mal Hanni und Nanni im Erwachsenenformat erleben wollte, ist mit Todesurteil gut beraten. Nemez kommt anfangs mit fast keinem ihrer Kolleg:innen klar, macht Alleingänge, denn immerhin weiß und sieht sie mehr als diese, und bricht, wie es sich für eine rebellische Internatsbewohnerin gehört, regelmäßig die Regeln. Sie kommt zu spät zu ihren Unterrichtseinheiten oder erscheint gar nicht, alles, um einen Fall zu lösen, den außer ihr keiner sieht.

Natürlich ist es ein Fall, sonst wäre das Buch nach 100 Seiten vorbei. Da sie Sneijders Schützling ist, will der Chef des BKA sie am liebsten am ersten Tag aus der Akademie werfen, und tatsächlich fliegt Nemez innerhalb 48 Stunden locker drei Mal von der Akademie, wird wieder aufgenommen, wird wieder hinausgeworfen…Während ich durchaus glaube, dass es beim BKA auch viel um Politik geht, stellt Gruber das BKA im Grunde als Kindergarten für alte Männer dar, als einen Verein von Witzfiguren.

Von der völlig überzogenen, an Teenagerromane erinnernden Internatserzählung mal abgesehen ist auch der Fall wieder dermaßen konstruiert und speziell die Ermittlungen so unrealistisch, ich wusste irgendwann nicht mehr, ob der Thriller nicht doch eine Satire auf dieses Genre ist. Die „überraschenden Wendungen“, von denen Sebastian Fitzek im Klappentext spricht, sind nicht überraschend, sondern dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass man sich unweigerlich fragen muss, ob Gruber nicht zu viele Ideen hatte und nicht wusste, wie er sie verknüpfen soll.

Ein weiterer Handlungsstrang in Österreich wird nebenbei immer wieder erzählt ohne Bezug zum BKA herzustellen. Ist in der Regel auch okay, aber passend zu gesetzbrechenden Profiler und Kommissarin bekommt man jetzt auch eine Staatsanwältin, die es mit den Vorschriften nicht ganz so genau nimmt – und selbstverständlich ist sie persönlich von ihrem Fall betroffen. Was für ein Zufall.

Wie auch schon in Todesfrist entsprechen übrigens alle weiblichen Charaktere ausnahmslos dem gängigen Schönheitsideal. Es wird langweilig, Herr Gruber.

Zu Sneijders bereits bekannten Sexismus gesellen sich nun trans- und homophobe Sprache. Keine Ahnung ob der Autor glaubt dies sei okay, weil Sneijder selbst homosexuell ist. Mir stößt das sauer auf.

Man mag sich fragen, warum ich nach Todesfrist, das ich nun auch nicht so bombe fand, doch auch den zweiten Teil dieser Thrillerreihe las. Zum einen wollte ich schon wissen, wie es mit Sneijder und Nemez weitergeht. Zum anderen hatte ich gehofft, dass sich die Kinderkrankheiten des ersten Bandes (Standardschönheiten, unrealistische Ermittlungsmethoden…) im zweiten legen. Wer konnte denn ahnen, dass es noch schlimmer wird?

Todesurteil kann ich leider so gar nicht empfehlen. Was ich schade finde, denn im dritten Band mordet ein Mensch nach den Grimmschen Märchen, und das war der eigentliche Band den ich lesen wollte. Aber nach zwei unterirdischen Thrillern werde ich wohl kaum Geld für Band drei ausgeben.

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