Raging Kraken: Wenn linke Veganer rechte Veganer verteidigen

Vorletzte Nacht habe ich in einer Facebookgruppe etwas gesehen, dass mich fast hat kotzen lassen. In den letzten Tagen wurde in den Medien und dann natürlich auch auf Facebook über zwei neue Arten von Nazis berichtet: allen voran die Nipster, die sich kleiden wie Hipster, mit Jutebeuteln und Krümelmonsterpullover herumlaufen, Tierrechtspatches auf den Taschen haben und auch ansonsten aussehen wie linke Aktivisten. Darüber hinaus gibt es auf Youtube wohl vegane Kochsendungen, in denen junge Menschen mit Sturmhaube kochen – und ganz nebenbei etwas rechte Propaganda einfließen lassen. Aber darum geht es grade nicht.

Ein paar Auszüge aus der Diskussion
Ein paar Auszüge aus der Diskussion

Mir geht es darum, dass jetzt vermeintlich linke Veganer anfangen, die Nazis mehr oder weniger in Schutz zu nehmen bzw. deren Veganismus zu rechtfertigen: „…und ob sich ein Nazi Vegan ernährt hat doch nichts mit seiner politischen Gesinnung zu tun?“, liest man dann, oder „Ich verstehe das schon, aber warum darf ein Nazi kein Veganer sein und dafür auch „werbung“ machen, wie es hier doch alle tun. Aber ich finde halt Aufklärung fängt woanders an“. Das Problem ist, dass es Nazis nicht um Tierrechtsmotive geht oder gar Antispeziesismus, um mal ganz tief in die Materie einzudringen, sondern schlicht um Anknüpfungspunkte an die Themen junger Leute. Mal abgesehen davon, dass das nicht zu ihrer sonstigen menschenverachtenden Ideologie passt, ist es nichts neues, dass sich Nazis immer wieder solcher Themen bedienen, die bei jungen Leuten grade „in“ sind. Vor einigen Jahren waren das die Schulhof-CDs, Che Guevara Shirts und Ärzte-Songs auf Demos und die Anpassung der Kleidung an den linken „schwarzen Block“. Dass es bei den Kochsendungen aber eben nicht direkt ums vegane Kochen und Essen geht, sondern darum, Anknüpfungspunkte für rechtes Gedankengut zu finden bzw. herbeizuführen, sollte jedem klar sein, der nur fünf Minuten von der Dreckssendung gesehen hat.
Aber nee, Veganer sind ja grundsätzlich gute Menschen, Übermenschen, auch wenn sie Nazis sind. Den Veganismus zu verbreiten, „Aufklärung“ zu betreiben steht über allem und allgemein sind Tiere und Tierrechte ja viel wichtiger als alles andere. Nicht falsch verstehen, Tierrechte und Veganismus sind wichtige Themen, die viel mehr bzw. gar nicht genug in den Fokus der Gesellschaft gerückt werden können. Aber darüber sollte man nicht vergessen, dass es auch andere Themen gibt, die ebenso wichtig sind, und dazu gehören auch Menschenrechte. Menschenrechte wie das Recht auf ein Leben in Frieden, Flüchtlingsrechte, Homosexuellenrechte, etc. Das sind Wertvorstellungen, die ich nicht zugunsten einer anderen Thematik über Bord werfen kann und will, es ist einfach falsch. Aber genau DAS tun Veganer, die vegane Nazis verteidigen: weil sich letztere vermeintlich für Tierrechte einsetzen, ist nicht mehr schlimm, dass Menschenrechte negiert werden, Flüchtlinge verfolgt und Migranten in der wasweißichwievielten Generation durch die Straßen gehetzt werden, Antisemitismus mit Konsumkritik verknüpft wird, und eine Ideologie, die vor 70 Jahre schon scheiße war, immer noch vertreten wird.
Ich kann nicht verstehen, wie man derartig betriebsblind sein kann und seine Ideale und Einstellungen einfach über Bord wirft, sobald man hört „Der ist Veganer“. Vegan sein ist kein Gütesiegel für einen guten Menschen, und bei Nazis erst recht nicht. Bei Nazis gibt es keine Toleranz, egal ob sie sich für Veganismus oder Waisenkinder oder sonstwas einsetzen.
Um es mit den Worten eines Freundes zu sagen: „Ein Nazi darf überhaupt gar nichts sein, außer ein Arschloch.“ – und Nazis gegenüber gibt es keine Toleranz. BASTA!

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