[Federlesen] Lesen im Quasi-Lockdown

[Federlesen] Lesen im Quasi-Lockdown

Ab morgen gelten wieder starke Kontaktbeschränkungen, Kultureinrichtungen schließen, und Klopapier wird offenbar wieder in Gold aufgewogen. Vielerorts im Internet sieht man Titel und Kommentare vom „Zweiten Lockdown“ reden. Nur so am Rande: wir hatten nicht mal einen ersten, und auch jetzt ist es kein Lockdown. Die Menschen dürfen weiter spazieren gehen, Freunde und Familie treffen, nur eben aus einem weiteren Haushalt zur Zeit, nicht mehr unzählige gleichzeitig, und der Einzelhandel bleibt auch weiter geöffnet, nicht nur die Supermärkte. Ich bin froh, dass ich aus meiner Bubble und meinem Bekanntenkreis nur zu hören bekomme, dass man sich an die neuen Auflagen halten wird (auch wenn man sie nicht alle versteht). Der Galgenhumor spricht aus vielen, vor allem, dass wir alle in den nächsten Wochen viel Zeit für Among Us haben werden. 

Ich weiß aber auch, dass viele Angst haben, dass sie die die Beschränkungen im März nur schwer überstanden haben und froh waren, als sie doch wieder unter Menschen konnten. Dass jetzt auch noch „die dunkle Jahreszeit“ beginnt, tut sein übriges. Depressionen werden wieder stärker (und ich klemme mir an dieser Stelle gut gemeinte Ratschläge, die bekommt ihr von mir nur, wenn ihr fragt), und auch den sonnigsten Gemütern drückt alles auf die Stimmung. Ich bin mir bewusst, dass Bücher und Hörbücher nicht alles wett machen. Aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Bücher die Welt verändern können, oder wenigstens Leben, und Situationen verbessern auf jeden Fall. Darum habe ich euch zwei Listen zusammengestellt. Einmal Bücher, die ich schon gelesen habe, und die euch den Quasi-Lockdown vielleicht etwas erleichtern. Und einmal Bücher, die ich im November lesen werde. Zugegebener Maßen unterscheiden sie sich kaum von meinen sonstigen, weil mich die Kontaktbeschränkungen weniger tangieren. Meine Kontakte sind in der überwältigenden Mehrheit eh virtuell. Trotzdem habt ihr da vielleicht noch den ein oder anderen weiteren Tipp.

Lesen gegen Quasi-Lockdown-Down-Gefühle

Zum Lachen: Mark-Uwe Kling – Die Känguru-Chroniken

Ich weiß, ich weiß. Viele können es einfach nicht mehr hören (Zippi, überspringe doch einfach diese Empfehlung), dass man doch bitte endlich die Känguru-Chroniken von Mark-Uwe Kling lesen soll. Ihr sollt sie auch nicht lesen. Ihr sollt sie hören. Ich hatte vor Jahren einmal das erste Buch angefangen und fand das Känguru direkt auf Seite 1 scheiße. Zack, Buch beiseite gelegt. Meine eine beste Freundin, Nanda, hat fünf (in Zahlen: 5!) Jahre an mir gearbeitet, dass ich dem Känguru doch bitte eine Chance gebe. Nach einem Theaterstück in Hamburg war es dann soweit: ich hörte innerhalb von zwei Monaten alle vier Bücher des Beuteltiers. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich im Bus komisch angeguckt wurde, weil ich laut schallend lachte. 

Jetzt werdet ihr sagen, dass ihr kein Geld habt für ein Audible-Abo und die ganzen Bücher. Verstehe ich. Wie wäre es dann mit Nextory? Die haben, wenn ich mich recht erinnere, 30 Tage Testzeit, und ihr könnt soviele Hörbücher hören, wie ihr möchtet. Wenn ihr also nebenbei die Wohnung winterkuschelig oder, wie vermutlich Vera von Chaoskingdom, für die Weihnachtszeit vorbereiten möchtet, könnt ihr das machen – und euch nebenbei von den skurrilen Geschichten des berühmtesten Beuteltiers Deutschlands (oder gar der Welt?) erheitern lassen. Mein Favorit ist übrigens der zweite Band, Das Känguru-Manifest.

Zum Gruseln: Tanja Hanika – Hexenwerk

Eine Gruppe Freunde wohnt in einem Dorf, in dem auch ein paar schrullige alte Frauen wohnen, vor denen alle Kinder aber immer Abstand halten. Sie sind ihnen nicht geheuer. Die Freunde langweilen sich, es sind Sommerferien und sie haben nicht viel zu tun. Warum also nicht den alten Damen einen Streich spielen? Was die Kinder noch nicht wissen: sie legen sich mit Hexen an, uralten Frauen, die zwar menschlich sind, den Ausgeburten der Hölle aber in nichts nachstehen. Und man sollte sie definitiv nicht reizen…

Draußen ist es dunkel und regnerisch und absolut ungemütlich. Wer meint, man könne sich nur im Oktober gruseln, weil Halloween in diesen Monat fällt, irrt sich gewaltig. Und für diese dunklen Tage habe ich genau das Richtige für euch: Hexenwerk von Tanja Hanika. Hier sind Hexen nicht die armen Frauen, die völlig ungerechtfertigter Weise ermordet wurden – hier sind sie wirklich das, was die Heilige Spanische Inquisition immer dachte: kinderfressende, durch und durch böse, den Teufel höchstpersönlich v****nde Satansbraten.

 


Zum Gruseln: Stoker – Dracula (Hörbuch)

Ich wollte seit EWIGKEITEN Dracula lesen. Bei Nextory gibt es ein gekürztes Hörbuch, das von diversen Sprecher:innen gesprochen wird, also fast ein Hörspiel ist. Es ist unfassbar spannend und gruselig, und durch dieses Hörspiel habe ich begriffen, warum Dracula zu den unumstößlichen Klassikern der Horrorliteratur gehört. Wer also ein bisschen Nervenkitzel beim Haushalt machen haben möchte, ist hier gut bedient!

PS: Ich schwöre, ich habe keine Auftrag von Nextory. Ich bin einfach nur von ihrem Angebot überzeugt!

Zum Wohlfühlen: Deborah Install – Der Roboter, der Herzen hören konnte

 

Die derzeitige Situation, die nun schon seit Monaten herrscht und sich jetzt wieder verschärft, kann einen durchaus verzweifeln und in düsteren Gedanken versinken lassen. Ich habe nicht viele Wohlfühlbücher, habe ich gemerkt, aber Der Roboter, der Herzen hören konnte von Deborah Install gehört definitiv dazu.

Tang ist ein kleiner Roboter, der nicht gerade zur Riege der Luxusroboter, die man sich als Haushaltshilfen zulegt. Er hockt in Bens Garten und weigert sich zu erzählen, wo er herkommt und warum er überhaupt da ist. Ben erkennt, dass Tang dringend repariert werden muss – und begibt sich mit Tang kurzerhand auf einen Roadtrip zu dessen Erbauer. Bens Freundin ist davon nicht so begeistert, die beiden haben wegen Bens motivationslosem Dahinleben so ihre Beziehungsprobleme. Aber erstmal muss Tang repariert werden. Alles weitere wird sich finden, denkt Ben…

Ich habe das Buch 2016 gelesen, und ich war davon so begeistert, dass ich unbedingt einen zweiten Teil haben wollte. Guess what, den gibt es sogar schon, ich habe ihn nur noch nicht gelesen.

Zum Träumen: Izumi – Magus of the Library

Magus of the Library habe ich euch im April erst vorgestellt, und es wird vermutlich nicht das letzte Mal sein, dass ich es euch vorstelle. Diese Mangareihe, deren dritter Teil gerade Ende September erschienen ist, hat es mir angetan. Die Geschichte ist spannend, die Charaktere interessant, und der Zeichenstil ist so wundervoll, dass ich inständig auf ein Artbook hoffe. 

Übrigens: Band 3 ist mein Träumen-Buch für November.

Was lese ich im November?

Meine Leseliste für November ist positiv ausgedrückt ambitioniert, realistisch betrachtet unmöglich zu schaffen. Trotzdem habe ich meine helle Freude an Leselisten, und auf der für November habe ich auch einige, von denen ich mir ein vergnügliches Abtauchen vom Corona-Alltag verspreche. 

Nervenkitzel: Chris Carter – Bluthölle

Dass ich auf die Robert Hunter Reihe von Chris Carter stehe, ist kein Geheimnis. Den aktuellen Band habe ich zum Geburtstag bekommen, und seitdem wartet er sehnsüchtig darauf, von mir inhaliert zu werden.

Für den politischen Kopf: Solidarisch gegen Klassismus

Während Corona hat sich gezeigt, dass der Kapitalismus nicht geeignet ist, um Menschen in einer solchen Ausnahmesituation existenziell abzusichern. Manche Menschen stehen in der Krise besser da als andere, und haben vielleicht mehr als nur das staatliche Sicherungsnetz, um sie zu fangen. Das fast schon ausgelutschte sprachliche Bild der Schere von Arm und Reich wurde wieder viel besprochen, aber selten war es so eindringlich wie jetzt. Vieles davon hat auch mit Klassismus zu tun, der Diskriminierung aufgrund der sozialen Klasse, der man angehört bzw. aus der man kommt. Solidarisch gegen Klassismus ist gerade erst beim Unrast Verlag erschienen, und ich bin gespannt, was ich da lernen werde.

Andere Welten: Monstress 3

Als bekennender Comicfan findet sich natürlich mehr als ein Comic auf meiner November-Leseliste. Auch den dritten Band von Monstress habe ich zum Geburtstag bekommen, und es wird Zeit, dass ich ihn lese. In den ersten beiden Bänden ist viel passiert, und ich glaube, ich muss sie nochmal lesen, weil es schon eine Weile her ist. Eine grobe Zusammenfassung schaffe ich aber noch:

Maika Halfwolf hat einen Krieg überlebt, als sie noch ein Kind war, hat aber nur eine bruchstückhafte Erinnerung daran, wer sie genau ist, wer ihre Mutter war, wo eigentlich ihr Platz in der Welt ist. Sie begibt sich auf die Suche, immer in Begleitung eines kleinen Fuchses, der nie von ihrer Seite weicht, und der sie immer wieder an ihre gute Seite erinnert.

Empowerment: Nikita Gill – Your Soul is a River

Ich liebe Nikita Gill. Genau wie an Monstress ist daran Nadine von Epilouges „schuld“. Nikita Gill ist für mich Empowerment pur. Ich habe Fierece Fairytales geliebt und Wild Embers inhaliert. So sehr, dass sich, sobald das wieder möglich ist und ich genügend Geld zusammen habe, einen Vers von ihr tättoowieren lassen will. Ich habe alle derzeit veröffentlichten Werke von ihr, habe aber noch nicht alle gelesen. Your Soul is a River habe ich schon vor einiger Zeit angefangen, und ich denke, in diesen Wochen ist genau der richtige Zeitpunkt, diese Gedichtsammlung weiterzulesen.

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