„Ich kann nicht rassistisch sein, ich bin links.“ Doch, kannst du. Leserunde zu Deutschland Schwarz Weiß

Niemand möchte gerne Rassist*in genannt werden. Und natürlich ist keiner wirklich Rassist*in, immerhin ist man links, man kennt ja auch den schwarzen Nachbarn, liebt indisches Essen und manche haben ja auch nichts gegen Ausländer, aber…
Rassismus zeigt sich nicht erst in seiner offensichtlichen Form wenn man eine BPoC mit dem N-Wort bezeichnet oder man meint, Polen würden grundsätzlich stehlen und Türken alle ihre Frauen unterdrücken [sic!]. Rassismus fängt schon viel früher an, ist struktureller. Als weiße Person merkt man oft nichts davon, denn die Privilegien, die man als weißer Mensch in einer weißen Mehrheitsgesellschaft genießt, blenden einen. Sie haben nicht aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Namens Schwierigkeiten, Wohnung oder Arbeit zu finden. Sie werden in der Schule bei gleicher Leistung nicht benachteiligt.1 Und steigen sie in eine Bahn, halten Leute nicht auf einmal krampfhaft ihre Taschen fest.

»Deutschland Schwarz Weiß« ist nach wie vor gefragt. Das ist schade…

weil es bedeutet, dass Schwarze deutsche Geschichte und Gegenwart sowie die Funktionsweisen von strukturellem Rassismus in Deutschland noch immer nicht zum Allgemeinwissen der Mehrheit gehören. Und dass wir uns immer noch die „Liste dummer Sprüche“ (Kapitel 6) anhören müssen.“ (Noah Sow)

Als ich vor 10 Jahren das erste Mal Deutschland Schwarz Weiß von Noah Sow las war es wegweisend für meine Wahrnehmung von Rassismus, aber auch für meine Eigenwahrnehmung. Ich bin das, was man gemeinhin als „links“ oder „anarcho“ bezeichnen würde. Und ich kann ja gar nicht rassistisch sein, ich passe doch auf, dass ich niemanden auch nur im Scherz rassistisch beleidige… Well… Sow zeigt in ihrem Buch, dass das einfach nicht alles sein kann. Dass Rassismus tiefer greift, und man das als weißer Mensch endlich anerkennen muss. Und vor allem auch, dass weiße Personen endlich aufhören müssen sich selbst auf die Schulter zu klopfen nur weil sie begriffen haben, dass das N-Wort eine schmerzhafte Beleidigung ist.

Deutschland Schwarz Weiß ist meiner Meinung nach das wichtigste Buch zum Thema Alltagsrassismus, und ich habe es in den letzten 10 Jahren jedem um die Ohren gehauen, der sich zum Thema einlesen wollte (meine alte Rezension zum Buch findet ihr hier). Nun ist das Buch in einer aktualisierten Auflage erschienen, mit diversen Änderungen gegenüber bisheriger Print- und eBook-Ausgaben. Was alles hinzu gekommen ist könnt ihr auf Noah Sows Blog nachlesen.

Gemeinsam lesen

Um das Buch pünktlich zum Jubiläum neu zu lesen veranstalte ich eine Leserunde.
Buch: Deutschland Schwarz Weiß von Noah Sow, Ausgabe von 2018, erschienen bei BoD (bitte keine alten Ausgaben, außer zum Vergleich)
Wann: ab 19. März, ca. 2 Wochen
Wo: Ich werde eine geschlossene Facebookgruppe eröffnen, damit man die einzelnen Abschnitte entsprechend diskutieren kann
Wie mache ich mit? Schreib mir eine Nachricht, entweder über Twitter oder den Blog.
Gibt es eine Teilnehmerbegrenzung? Da ich das erste Mal eine Leserunde leite, sollten es nicht mehr als 15 Teilnehmer*innen sein, sorry.
Muss ich einen Blog haben, um mitmachen zu können? Nö. Facebook wäre wegen der Gruppendiskussion aber von Vorteil
Gibt’s einen Häschtäg? #Dtlswlesen. Nicht kreativ, ich bin offen für andere Ideen, solange sie VOR dem 19. März kommen.

„Verlange bitte keine ergebene Dankbarkeit dafür, dass du dich rassismuskritisch fortbilden willst. Du machst das schließlich nicht mir zuliebe, sondern um selbst ein sozialerer Mensch zu werden.“
(Deutschland Schwarz Weiß, 2018, S. 271)


1 Jajaja, ich weiß, Maria Sophie hat auch schon schlechtere Noten in Mathe bekommen als Torben Hendrik, aber das ist ein sexistisches Problem, kein rassistisches, denn es hat eher was mit dem Geschlecht und nichts mit der Hautfarbe zu tun.

8 Kommentare zu „„Ich kann nicht rassistisch sein, ich bin links.“ Doch, kannst du. Leserunde zu Deutschland Schwarz Weiß“

  1. Hallo Mareike,

    Freut mich, dass die Leserunde sich so schnell organisieren ließ.
    Da wäre ich gerne dabei.
    Ich habe kein Facebookkonto für meinen Blog, aber ein privates. Ginge das auch?

    Liebe Grüße und danke für die Organisation
    Elisa

  2. Hallo Mareike,
    wenn du so begeistert bist, muss ich das Buch einfach lesen!
    Bestellt hab ichs schon und ich werde sicher auch bei Twitter mal reinschauen. Allerdings hab ich kein Facebook und fange am 20. März selbst mit einer Leserunde an (die Ankündigung auf meinem Blog kommt erst noch :D). Da würde mir das wohl auch zu viel werden.
    Bin dennoch auf das Buch gespannt!
    VG Jennifer

  3. Ich hatte auf Twitter ja schon mal kurz aufgepiept, aber noch mal hier zur Sicherheit: Ich wäre gerne mit dabei (falls noch Platz ist)! 🙂 Facebook würde auch laufen, noch hab ich meinen Account.

    Danke auf jeden Fall schon mal für’s Organisieren!

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