[Federlesen] #Umweltliebe – Umwelt und Armut

Der Monat zum Thema Umweltliebe geht zu Ende. Mich treibt schon länger das Thema Armut um, und was läge näher, als sich Umweltschutz mal unter diesem Aspekt anzuschauen? Während ich Umweltliebe von Jennifer Sieglar las, fiel mir immer wieder auf, dass viele ihrer Ansätze nur mit einem entsprechend hohem Einkommen umzusetzen sind. Man kann zwar argumentieren, dass Sieglar auf diese Weise ein breitgefächerteres Spektrum an Einkommen anspricht. Dennoch finde ich es durchaus problematisch, da die Ansätze als für jede*n umsetzbar dargestellt werden.

Umweltliebe in der Wohnung

Im Kapitel 10 “Wohnchallenge” schreibt Sieglar über verschiedene Ideen, in Sachen wohnen etwas für die Umwelt zu tun. Das Thema an sich ist super, denn da kann man wirklich schon mit wenigen kleinen Schritten viel tun: Die Temperatur zum Beispiel um einige Grad senken, nicht so lange duschen (dazu gleich mehr), und bei Neuanschaffungen auf Umweltplaketten achten, etc. Auch wenn Sieglar auf solche Aspekte eingeht, schreibt sie aber vor allem aus der Sicht einer Hausbesitzerin – und verlor mich so komplett. Ich habe kein Haus, weder als Eigentum noch zur Miete, und werde vermutlich auch nie eins besitzen. Fotovoltaik, Kamin…alles Themen, die mich nicht abholen. Diese Sicht der gut Situierten zieht sich leider durch das ganze Buch… dennoch, was das Wohnen angeht, hat sie einige Dinge angesprochen, die man auch mit kleinem Budget umsetzen kann.

Heizen

Ganz ehrlich, müssen in der Wohnung wirklich T-Shirt-Temperaturen herrschen? Ich fange im Jahr immer recht spät an zu heizen, eigentlich nie vor dem 01.11. Einmal war der Herbst schon so kalt, dass ich bereits im Oktober die Heizung aufdrehen musste, weil selbst ich es übertrieben finde, mit Schal und zwei Paar Socken in der Wohnung herumzulaufen. Aber sprechen wir über Temperaturen: Meine Zimmertemperatur liegt im Wohnzimmer um die 20°C, im Schlafzimmer dürften es um die 17 oder weniger sein, weil ich da nie heize. Wenn es mir nachts zu kalt wird, nehme ich meine zweite Decke oder ziehe Socken an. Wusstet ihr, dass man nicht einschlafen kann, solange die Füße kalt sind? Auf der Couch liegt immer eine meiner Kuscheldecken, und ich finde es woanders komisch, wenn ich auf der Couch liege und keine Decke habe. Ich friere dann ganz schnell, egal, wie warm es ist.
Versucht es doch auch mal. Schon ein, zwei Grad weniger Heizen macht einen immensen Unterschied in der Energieerzeugung aus.

Müll trennen

Hier spricht zum Teil die Hausbesitzerin aus Sieglar, denn als Mieter*in hat man wenig Einfluss darauf, ob der Müll getrennt wird, und wie vielfältig. Man kann sich als Mieter*in auch nicht einfach eine Mülltonne in den Keller stellen. In Berlin hatte ich sogar eine Biotonne, hier in Hamburg leider nicht, und die Genossenschaft hat meine Nachfrage, ob dies angedacht sei, verneint. Aber immerhin habe ich Restmüll, Gelbe Tonne und Altpapier im Haus, was schon ein großer Vorteil ist. Ich werde, was die Biotonne angeht, nicht nachlassen, aber derzeit habe ich auf diese Art der Mülltrennung keinen Einfluss.
Hinzu kommt, das sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass gerade beim Plastikmüll gar nicht so viel recycelt wird wie uns glauben gemacht wird: Laut Spiegel sind es keine 18%. (https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/plastikmuell-deutschland-recycelt-nur-5-6-prozent-des-abfalls-a-1248715.html) Das bedeutet natürlich NICHT, dass man aufhören sollte den Müll zu trennen. Es bedeutet aber auch, dass wir in Sachen Müll woanders ansetzen müssen, zumal die Menge in Deutschland jährlich zunimmt. (https://www.faz.net/aktuell/generation-plastik/plastikmuell-in-deutschland-wie-gut-funktioniert-recycling-bei-uns-15782613.html) Eine Möglichkeit ist, soweit es geht Verpackungen zu vermeiden, was sicher nicht immer einfach ist, gerade, wenn es nicht um Obsts und Gemüse geht (und auch da geht das nicht immer).
Zum Glück haben habe Daniela und Heiko von Tee-Kesselchen schon etwas zum Thema Plastik und Nachhaltigkeit und Low Bugget geschrieben.

Wäsche bei wenig Grad waschen und Pulverwaschmittel nutzen

Okay, Pulverwaschmittel zu benutzen, weil es weniger umweltschädliche Tenside enthält, sollte kein Problem sein, auch finanziell nicht. Dass Weichspüler pures Gift ist, habe ich schon als Kind gelernt, und den Vorteil eines Wäschetrockners sehe ich nur bei Handtüchern. Gerade im Sommer liebe ich es, Wäsche auf dem Balkon (ich weiß, hat nicht jede*r) zu trocknen, nie sonst riecht die Wäsche so frisch. Vor allem aber spart so ein Wäscheständer unglaublich viel Strom. Und Platz. Und die Luft im Badezimmer kann immer noch geatmet werden.
Ich wasche meine Wäsche schon seit jeher bei 40°. Als ich hörte, dass viele Menschen standardmäßig bei 60° waschen. Mal abgesehen davon, dass die Kleidung darunter leidet weil sie schneller verschleißt, kostet es auch unglaublich mehr Energie. Ich kann mich allerdings nicht dazu durchringen, bei 30° zu waschen, was einfach an einigen persönlichen Körperlichkeiten liegt. Bei 60° werden nur alle paar Mal Handtücher und Küchenlappen gewaschen, damit auch wirklich alle Bakterien wegsterben.
Ein weiterer Tipp ist, bei Wasch- und Spülmaschine das Eco-Programm laufen zu lassen. Das dauert länger, benötigt aber weniger Wasser. Ich frage mich allerdings immer wieder, ob der mehr verbrauchte Strom der Maschine das gesparte Wasser ausgleicht.
Hinzu kommt natürlich immer der obligatorische Tipp, sich Haushaltsgeärte mit einer guten Umweltbilanz bzw. Energiequote zu kaufen. Aber auch hier spielt Geld einfach eine Rolle. Second Hand bekommt man natürlich auch solche Geräte, aber die Energieklassen verbessern sich relativ schnell, und mein Kühlschrank, der Seinerzeit Energieklasse A hatte, dürfte jetzt eher im D Bereich liegen. Wenn man das Geld hat, sollte man natürlich zu solchen Geräten greifen, da sie, wenn auch etwas unsichtbar, nachhaltig den Geldbeutel schonen – und die Umwelt natürlich auch.

Reine Ökostromanbieter nutzen

Das ist so eine Sache. Sicher, es ist super, so etwas zu unterstützen – aber die Ökostromtarife sind in der Regel noch nicht auf dem gleichen Niveau wie konventioneller Strom. Ich bin vor Jahren auf reinen Ökostrom umgestiegen, aber selbst mit einem sparsamen Stromverbrauch zahle ich ganz gut. Das ist einer der Punkte, bei denen man niemandem mit geringen finanziellen Mitteln vorschreiben kann, welcher Strom bezogen wird.

Duschzeit verkürzen

Angeblich duschen die Deutschen im Schnitt 6 Minuten. Hautärzte empfehlen eher 3 Minuten, weil mit jeder Dusche die Haut angegriffen wird. Auch Sieglar reduziert ihre Duschzeit von stolzen 15 auf 7 Minuten, was schon eine Leistung ist. Aber was soll man bei der verkürzten Duschzeit eigentlich sparen? Wasser? Energie?
Die Antwort lautet: Energie! Denn wenn wir zu sparsam mit dem Wasser sind, wird das Abwassersystem nicht mehr richtig durchspült, es verdreckt, Keime sammeln sich an und die Wasserwerke müssen künstlich fluten. Auf Utopia, eine Seite, die ihr euch eh merken solltet, erschien ein kurzer, guter Artikel dazu.
Allerdings muss das Wasser in der Dusche aufgeheizt werden, was wiederum Energie kostet.
Messt mal eure Zeit, wie lange braucht ihr zum Duschen? Ich habe Anfang des Monats gemessen, und ich liege bei unter 3 Minuten. Ist aber auch über Jahre antrainiert. Ich habe mit Anfang 20 mal ein Interview mit Jennifer Aniston gelesen in der sie meinte, sie würde nur 2 Minuten duschen um Wasser zu sparen. Ein bisschen länger brauche ich schon, aber ich habe quasi die Abläufe perfektioniert:
Während die Spülung kurz einwirkt, seife ich mich ein, und das Wasser, das meine Haare ausspült, fließt auch über meinen Körper. Rasieren steht an? Dann packe stöpsel ich die Wanne zu, sammle das Wasser von Haare und Körper waschen und habe so genug für die Rasur. Die Dusche ist in dieser Zeit aus! Manche schwören auch darauf, unter der Dusche Zähne zu putzen, aber der Wasserverbrauch in der Zeit ist dann doch etwas hoch. Was spricht gegen den guten, alten Zahnputzbecher?

Noch zwei Anmerkungen von mir

Das waren einige Ideen von Sieglar, die wirklich jede*r versuchen kann umzusetzen, auch ganz ohne Haus und Kamin. Ich habe aber auch noch zwei Anmerkungen, die ich im Wohnalltag umsetze:

Kochwasser zum Einweichen nehmen

Manche Sachen will ich vorspülen, bevor ich sie in die Spülmaschine packe, weil sowas wie Spinat, Avocado oder auch Katzenfutter ziemlich spülmaschinenresistent sein können. Erfahrungsgemäß eignet sich heißes Wasser dafür am besten, aber dafür extra was erhitzen? Nö. Ich nutze dafür oft einfach das Nudelwasser oder das Wasser aus dem Wasserkocher, wenn er gerade entkalkt wurde. Kurz einweichen lassen, mit der Spülbürste den Dreck lösen, fertig.

Putzlappen aus Baumwolle

Ich gebe zu, feuchte Putztücher können so toll sein. Schnell, in der Regel zuverlässig…sie bedeuten aber auch viel Müll. Lappen aus Baumwolle kosten nicht viel (als ich das letzte Mal geschaut habe um die 50 Cent), sind aber verdammt langlebig, nahezu unkaputtbar und man kann sie kochen. Bakterien haben also keine Chance. Und vor allem muss man nicht immer alles mit Chemie putzen. Staub wischen z.B., oder auch die Küchenflächen. Das meiste löst sich einfach mit heißem Wasser. Für Feudel (für alle Nicht-Norddeutschen: Bodenwischlappen) gilt das gleiche. Swiffer habe ich eine kurze Zeit ausprobiert, aber ehrlich? Nichts kommt gegen heißes Wasser und, in diesem Fall dann doch nicht so verkehrt, etwas Putzmittel an.


Was ist mit euch? Habt ihr noch Tipps und Tricks für Nachhaltigkeit in Sachen Wohnen?
Der Monat #Umweltliebe geht so zu Ende, aber das Engagement für die Umwelt hoffentlich nicht. Auch wenn die Blogtour unter einem etwas schlechten Stern stand hoffe ich, dass ihr die ein oder andere Idee für euren Alltag mitnehmen konntet, und die jetzt hoffentlich sehr enthusiastisch umsetzen werdet. Was waren eure Lieblingstipps? Habt ihr was Neues gelernt?

2 Kommentare zu „[Federlesen] #Umweltliebe – Umwelt und Armut“

  1. Hallo Mareike,

    Anfang nächster Woche kommt meine Rezension zu „Es geht auch ohne Plastik“ von Sylvia Schaab und ich habe dort einen ähnlichen Kritikpunkt wie du. Schaab behauptet nämlich an einer Stelle, dass sich das jeder leisten könne und das stimmt eben absolut nicht!

    Ich kann auch nicht schlafen wenn meine Füße kalt sind 😀 Und im Schlafzimmer heize ich nie. Ist auch eigentlich nicht sehr gesund. Das war für meinen Freund eine große Umstellung, als ich eingezogen bin und im Schlafzimmer die Heizung abgedreht habe. Ich hab dann auch zwei decken. Habe sogar zwei verschiedene Bettzeuge, ein dickeres für den Winter und ein dünneres für den Sommer. Da kann man schon sehr gut regulieren wie war man es haben mag.

    Nachdem ich jetzt bereits zwei Bücher zu dem Thema gelesen habe, standen in diese Beitrag nicht sehr viele neue Dinge für mich, aber ich finde es wichtig, dass es eben weiter verbreitet wird. Der Monat Umweltliebe hätte durchaus länger sein dürfen.

    Beste Grüße
    Chrissi

    1. Moin Chrissi,

      mir geht es ähnlich wie dir: ich setze mich schon so lange immer wieder mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz auseinander, ich kann nicht immer etwas neues aus Bücher mitnehmen. Dennoch gibt es immer jemanden, di*er gerade erst am Anfang dieses Themas steht.

      Ich habe auch zwei Decken, die grundsätzlich auch beide in meinem Bett lliegen 😀 Und ich persönlich finde es im Schlafzimmer auch warm genug, wenn es zu warm ist, kann ich einfach nicht schlafen…

      Vielleicht finden wir ja irgendwann wieder Bücher, die uns neues erzählen 😉

      Liebe Grüße
      Mari

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