[Federlesen] Kann man Künstler und Werk trennen? Erste Gedanken

Vor ein paar Wochen wurde publik, dass Kevin Spacey zu Beginn seiner Karriere einen Teenager sexuell belästigt hat. Danach meldeten sich immer mehr Opfer des amerikanischen Schauspielers zu Wort, Netflix beendete die Serie House of Cards (was schon vor den Vorwürfen festgestanden haben soll, dann aber veröffentlicht wurde), und sein Outing auf Twitter kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe hörte sich nach lahmer Ausrede an bzw. nach Selbstinszenierung als Opfer seiner eigenen Sexualität und seines Sexualtriebes. Fans weltweit waren schockiert, dass einer ihrer Lieblingsstars ein Sexualstraftäter ist.

Und wie bei jedem Fall von (sexueller) Gewalt oder ähnlichen Vorfällen eines Stars kommt die Frage auf: Kann man die Filme, Bücher, Musik, künstlerische Werke noch konsumieren? Oder macht man sich als Unterstützer mitschuldig? Steht die eigene moralische Integrität auf dem Spiel, wird sie vielleicht sogar verspielt?
Die gleiche Frage stellt sich aktuell auch bei der Neuverfilmung von Mord im Orientexpress, in der Johnny Depp mitspielt, der letztes Jahr wegen häuslicher Gewalt in den Medien war, und auch die Fans von Harry Potter laufen Sturm, weil Depp im nächsten Teil von Fantastic Beasts zu sehen sein wird. Kann man die Filme gucken? Oder nicht?

Diese Fragen und das einhergehende Unbehagen kann man auf unsere Vorstellungen von Gut und Falsch, von Prinzipien und Integrität auf der einen, und diesem „moralischen Kompass” zuwiderlaufenden Handlungen oder Entscheidungen auf der anderen Seite zurückführen. Das nennt man kognitive Dissonanz, ein für den moralischen Menschen unangenehmer Zustand, den er zu lösen versucht. In diesem Fall bedeutet es, zu einer für sich plausiblen, hinnehmbaren Antwort zu kommen: Kann man einen Künstler oder eine Künstlerin von seinem/ihrem Werk trennen? Und wo fängt die Trennung an?

Privatmensch vs. Berufsmensch

Ein Mensch füllt mehrere Rollen aus, z.B. Mutter, bester Freund, Hansa Rostock Fan, Chef… Für die Frage, ob man Künstler und Werk trennen kann, sind nun die beiden recht groben Rollen Privatmensch und Arbeitsmensch relevant.

Im Leben von nichtberühmten Menschen gilt allgemein das Credo: Privates und Berufliches muss man trennen können. Warum also nicht auch bei Menschen, die im Rampenlicht stehen? Natürlich ist eine Trennung zwischen Privat- und Berufsleben niemals 100%ig gegeben. Ein schlechter Arbeitstag kann sich auf die Stimmung am Abend auswirken, ein schönes Erlebnis im Privatleben kann man ggf. auch bei der Arbeit noch spüren.

Privat ein Arsch zu sein hat erstmal nichts mit der Arbeitsleitung zu tun. Man kann privat der Minusmensch schlechthin sein, dafür aber ein begnadeter Chirurg; privat die eigenen Kinder misshandeln, als Kindergärtnerin aber der Liebling der Kinder sein. Als Neben- oder Außenstehende kann man den Privatmenschen verurteilen, aber man kann nicht immer wählen, ob man beruflich noch mit diesem Menschen zusammenarbeiten will oder seine Dienstleistungen noch in Anspruch nehmen möchte.

Das Problem mit der Kunst

Nun ist es bei künstlerischen Berufen so, dass in der Regel immer ein großer Teil der Persönlichkeit mit einfließt, oft sogar einfließen muss, egal ob bei Filmen und Serien, Büchern, in der Musik, bildenden Kunst…

Gerade auch von Schauspieler*innen wird erwartet, dass sie etwas Persönliches, etwas Eigenes in ihre Arbeit mit einfließen lassen, auch, damit ihre Art zu Schauspielern einzigartig ist. Bei Musikern wird das z.B. noch deutlicher, in Songtexten und Melodien, die von privat Erlebtem inspiriert sind. Die Trennung zwischen Privatem/Persönlichem und Beruflichem fällt im künstlerischen Bereich noch schwerer. Dennoch sind es zwei deutlich unterschiedliche Bereiche, die Überschneidungen können nur größer sein bzw. die Grenzen verwischen breiter. Insofern kann man sich natürlich fragen, wie viel von dem privaten Kevin Spacey, der mehrfach sexuell übergriffig wurde, auch in seinen Charakteren auf der Leinwand steckt, und ob man diese Seiten unterstützt, guckt man seine Filme und Serien weiterhin.

Als Privatmensch hat Spacey sich absolut unkorrekt verhalten, darüber gibt es keine zwei Meinungen. Sexuelle Belästigung, Nötigung, Missbrauch, Vergewaltigung…das sind alles Handlungen, die bis auf ersteres nicht grundlos strafbar sind, und bei bekanntwerden immer häufiger einen „Skandal“ nach sich ziehen. Wobei ich mich frage, warum eine Nötigung oder Vergewaltigung bei einem Star skandalöser sein soll als bei einem nichtberühmten Menschen, aber das nur am Rande.
Als Privatmensch ist Spacey wegen seinen Handlungen ein Arsch. Punkt.

Ihre Filme drehen Spacey und Depp aber nicht als Privatmenschen, sondern sie sind der Beruf. Bei nichtberühmten Menschen wird Privates und Berufliches getrennt, warum nicht auch bei berühmten Menschen? Auch wenn eine Trennung nie zu 100% gegeben ist, im Großen und Ganzen sind Berufs- und Privatleben getrennte Bereiche.
Was Spaceys Arbeit, also Filme und Serien, angeht, gehört er zur Liga der Charakterschauspieler, die auch den abgefucktesten Bösewicht noch so darstellen, dass er ein guter Kerl ist. Für Johnny Depp gilt das gleiche. Beide wurden mehrfach für ihre berufliche Leistung ausgezeichnet, beide haben schon herausragende schauspielerische Leistung in diversen Filmen gezeigt.

Filme…

Trotz aller Argumente für eine Trennung überwiegt oft genug das Unbehagen Kunst zu genießen, dessen Künstler*in man eigentlich nicht mehr als tragbar empfindet. Man entscheidet aus dem Bauch heraus, und kauft bspw. keine Bücher von unsympathischen Autoren mehr, und die Alben von Musikern, die ihre Ehefrau verprügeln, lässt man gleich im Laden stehen.

Bei Filmen und Serien fällt das jedoch ungleich schwerer. Warum? Weil ein Film (im Folgenden sind auch Serien gemeint) kein Solowerk ist. Es spielen (u.a.) mehrere Schauspieler*innen mit, vielleicht sogar welche, die man gerne mag. Und gerade da liegt eventuell die Antwort. Wenn man die Neuverfilmung von Mord im Orientexpress wegen des Casts von Johnny Depp boykottiert, weil er letztes Jahr wegen häuslicher Gewalt in den Schlagzeilen war, boykottiert man auch die anderen Schauspieler. Nun könnte man sagen, dass das okay sei, immerhin arbeiten sie ja mit ihm, das ist nicht unterstützenswert.
Da gehe ich allerdings nicht mit. Für mich ist es ein Zeichen von Professionalität, wenn man auch mit Menschen zusammenarbeitet, die man privat eher zum abgewöhnen findet. Zudem können sich Jungschauspieler wie Daisy Ridley, die ebenfalls in Mord im Orientexpress mitspielt, nur bedingt solchen Angeboten entziehen, und gerade für eine aufstrebende Schauspieler*innen ist es nun mal eine große Chance, mit hochkarätigen Schauspieler*innen wie Judy Dench, Willem Dafoe, Michelle Pfeiffer und Derek Jacobi zusammenzuarbeiten. Persönlich finde ich es nicht gerechtfertigt, einen Film aufgrund eines mitwirkenden Schauspielers zu boykottieren. Sich kritisch über sein Engagement von Seiten der Produktionsfirma äußern: immer, gerne und laut. Boykottieren, denke ich, hilft jedoch wenig bzw. trifft in dem Zuge auch andere mitwirkende Schauspieler*innen.

Um Kevin Spacey ist die Diskussion erstmal abgeflaut, vielleicht auch, weil er verlautbaren ließ, sich jetzt in Therapie zu begeben. Aktuell befindet sich eher das Harry Potter Fandom in heller Aufregung, und zahlreiche Fans verkündeten, den zweiten Teil von Fantastic Beasts zu boykottieren. Weil Johnny Depp Grindelwald spielen wird. Manche Stimmen sagen, man müsse sein Verhalten gegenüber seiner Frau nicht auch noch damit belohnen, dass er „Teil des größten…Franchises des letzten Jahrzehnts wird.” (1)

…und Bücher

Für Leser*innen ist natürlich auch die Frage nach der Trennung von Künstler und Werk in Bezug auf Autor*innen sehr interessant. Im Grunde gilt hier das gleiche Argument wie auch schon bei den Filmen, nämlich Privatmensch und Berufsmensch zu trennen. Das Problem ist allerdings, dass man in der Regel bis auf wenige Ausnahmen selten etwas aus dem Privatleben eines Autoren erfährt, und noch weniger etwas skandalöses oder strafbares wie häusliche Gewalt oder Alkoholexzesse. Heißt, man erlebt den Autoren in der Regel im für ihn oder sie beruflichen Umfeld wie Messen oder Lesungen. Wenn eine Autorin sich dann bspw. Auf einer Buchmesse daneben benimmt, ist das im beruflichen Bereich und damit auch mit Buch und Werk selbst verbunden. Es ist beides, Verhalten und Buch, der Arbeitsbereich. Und innerhalb des Arbeitsbereiches kann man keine Trennung vollziehen.
Ein weiterer Punkt ist, dass ein Buch meistens das Werk eines einzelnen Menschen ist, was das Ganze unmittelbarer macht. Es ist nicht ein Drehbuch, das von einem Regisseur in Szene und von Schauspielern zum Leben erweckt wird, ein Endprodukt also, an dem viele arbeiten.

Kommst du auch mal zum Punkt?

Ich bin dafür, Künstler*in und Werk grundsätzlich erstmal zu trennen. Es wird bestimmt auch Fälle geben, in denen meine Bauchschmerzen überwiegen einen Film zu gucken oder ein Buch zu kaufen, deren Mitwirkende ich nicht mag. Dann werde ich es wohl auch lassen. Trotzdem bleibt der Grundsatz bestehen. Was ein Mensch privat macht, auch wenn es öffentlich gemacht wird, ist erstmal seine Sache, nicht meine.
Und ich kann einen Schauspieler nicht mögen, ihn sogar für sein privates Verhalten verurteilen und verabscheuen – und den Film, in dem er mitwirkt, dennoch gut finden. Ich kann einen Autorin unsympathisch finden, aber ihre Bücher verschlingen (umgekehrt genauso: ich kann einen Autoren wirklich mögen, und mit seinen Büchern dennoch nichts anfangen).
Diese Argumente für eine Trennung von Künstler und Werk kann man mehr als grobe Richtlinie sehen, denn wie immer auf dem Feld von Ethik und Moral ist hier nichts in Stein gemeißelt und nie absolut. Aber es hilft vielleicht bei der Entscheidungsfindung, ob man jetzt alle Johnny-Depp-DVDs verbrennen muss oder nicht.

P.S.

Während ich an diesem Artikel saß, sind mir noch weit mehr Argumente pro und contra Trennung eingefallen, mehr Beispiele aus dem Showbusiness, und ich stand auch in einem sehr anregendem Austausch mit Daniel, der mir diese Kopfnuss überhaupt erst gegeben hat. Insofern konnte ich gar nicht alles abdecken, und das war auch nicht die Idee hinter dem Artikel.

16 Kommentare zu „[Federlesen] Kann man Künstler und Werk trennen? Erste Gedanken“

  1. Mh, mh schwierig… ich kenne die Diskussion mit den Werken von Riefenstahl, ob man sie “objektiv” gut finden kann, obwohl sie in einem völlig moralische falschem Kontext stehen.

    Grundsätzlich denke ich aber, das so eine Trennung eben nur durch “Rollen” passiert, die wir in verschiedenen sozialen Situationen spielen. Dennoch bleibe ich aber ein Mensch, also eine Person. Speziell bei Straftaten kann ich dann am Ende nicht mehr sagen “Sie schlägt zwar ihre Kinder, aber meine nicht” (das Kindergärtner-Beispiel), denn das ist vor dem Gesetz egal.
    Dieses Gesetz durch Musik/Filmindustrie auszuhebeln, halte ich für gefährlich. Denn speziell der normale Bürger erhält selten eine zweite Chance oder muss sich erst mühselig eine zweite erarbeiten. Ich erinnere mich da an dan Fall Chris Brown, wo ich es immer noch schwierig finde, dass nach sehr kurzer Zeit gesagt wurde: “Ach, Schwamm drüber!”

    Rückwirkend würd eich natürlich keine Filme verbrennen etc., aber ich würde auch nicht mein Geld nutzen, um diese Produktionen zu unterstützen.
    Und jetzt kommt das Problem: Das mit Johnny Depp habe ich gar nicht mitbekommen und so wird mir bewusst, dass ich ja am Ende immer nur den Leuten vor den Kopf schaue, nie weiß, was rückwirkend noch zu Tage kommt.

    Bei Büchern und Kunst finde ich jedoch die Abkopplung vom Autor etc. einfacher. Auch hier würde ich nicht finanziell unterstützend bestimmte Dinge kaufen, aber ich kan sagen: “Das Werk ist nun in der Welt, machen wir das beste draus.”

  2. Ich hatte vor Kurzem eine ähnliche Diskussion mit einer Freundin. Auslöser davon war, dass ich “Supernatural” geschaut habe und sie mir erzählt hat, dass ein Darsteller auf Conventions wohl angetrunkene Panels gehalten haben und auch weibliche Fans bedrängt haben soll.

    Sie ist es sehr extremer Mensch und wenn solche Informationen über Schauspieler*innen ans Licht kommen, ist für sie alles, was diesen Menschen betrifft gestorben. Und sie sagte mir auch klar, dass sie Leute nicht verstehen kann, die das anders sehen. Was mich natürlich zum Nachdenken gebracht hat…

    Und letztendlich bin ich zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen wie du. Was ein Mensch zu Hause macht steht im Grunde nicht in Verbindung mit seiner Arbeit. Natürlich kann ich den Menschen verabscheuen für das, was er tut, aber das macht ihn ja nicht automatisch zu einem schlechten Schauspieler. Ich glaube, je nachdem, worum es geht, kann es einem ein flaues Gefühl im Magen geben, wenn man seine/ihre Sachen weiterhin gut findet, ja, aber im Großen und Ganzen sollte man da trennen.

    Man weiß ja schließlich auch nicht, was Herr Müller aus dem Nachbarbüro abends so treibt. Prominente Personen haben einfach den Nachteil, dass solche Sachen schneller und intensiver ans Licht gebracht werden. Ich finde es übrigens vollends okay, wenn Produktionsstudios oder Regisseure nach Bekanntwerden von solchen Skandalen sagen, dass sie mit diesen Menschen nicht mehr zusammen arbeiten wollen. Wenn heraus kommen würde, dass Herr Müller Kinderpornos guckt, würde man schließlich auch nicht mehr unbedingt etwas mit ihm zu tun haben wollen.

    Ja, so viel dazu 😉

    Liebe Grüße
    Sas

    1. Ahoi!
      Das Problem mit besoffenen Stars auf Conventions ist nicht neu. Ich arbeite ja für eine Freundin auch auf Cons, und was man da mitbekommt oder aus der Vergangenheit hört…Wenn man danach die Serien boykottiert wäre so ziemlich der gesamte aktuelle Mainstream tot. Damit will ich das nicht gutheißen, auf keinen Fall, und sexuelle Belästigung ist scheiße. Das ist eben ein klassischer Fall von: als wie schwerwiegend empfinde ich das Verhalten, und wiegt es mehr als die anderen Schauspieler und die Serie/Film? Die Entscheidung kann ich niemandem abnehmen, und das will ich auch nicht.

      Cheerio
      Mareike

      1. In meinem Fall hatte ich den Vorteil, dass es nur ein Nebendarsteller war und er somit meine Liebe zur Serie gar nicht gefährden konnte. Aber ich glaube, es wäre mir auch nicht anders gegangen, wenn es einer vom Main Cast gewesen wäre.

        Ich fühle mich ja ein wenig schlecht, wenn ich das so sage und vermutlich könnte man mir auch Ignoranz (oder ähnliches) vorwerfen, wenn ich einfach nicht darauf achte, wie scheiße die Privatmenschen sind. Ich muss allerdings auch dazu sagen, dass ich mich generell sehr wenig mit den Menschen hinter den Charakteren beschäftige, die meisten Infos erreichen mich eher durch Zufall irgendwo im Internet. Und dann bin ich natürlich geschockt/angeekelt, aber ich empfinde halt nichts tiefer gehendes.

  3. Ich denke, das Problem für viele Menschen ist, dass man durch das konsumieren von Medien diese, anders als beim Zusammenarbeiten mit Personen, finanziell unterstützt, und das kommerzielle Erfolge dazu führen, dass die Person mehr Rollen oder Chancen erhält. Das heißt der Film mag den Berufsmensch Johnny Depp enthalten, aber das Geld, dass er für diese und weitere Rollen erhält, hilft dem Privatmenschen… Persönlich fällt es mir aber auch schwer, Filme wegen eines Schauspielers komplett zu boykottieren. In jedem Fall ein sehr interessanter Beitrag, vielen Dank. ?

  4. Ich erinnere mich, dass ich in meiner Jugend (13) auch sehr streng, bisweilen hysterisch gehandelt habe. So habe ich die Musik Mozarts nicht mehr gehört, nachdem ich erfahren hatte, dass er die ältere Schwester geheiratet hatte, obwohl er die jüngere liebte und seine Frau, die ihn ja auch liebte, mit der Schwester durchgehend betrogen hat. Wie sollte ich ihm da die Aussage seiner Musik noch glauben? Oder der Boykott von Goethe nach dem Lesen von “Goethes Christiane”, ein Buch in dem klar wurde, wie sehr er diese Frau gedemütigt und beschädigt hatte. Mittlerweile jedoch habe ich durchaus gelernt, dass man manche Dinge trennen muss, so wie du es auch beschreibst.
    Allerdings geschieht es bei Schauspielern schon, dass ich diese nach dem Audecken z. B. einer Vergewaltigung einfach nur noch eklig finde und sie nicht mehr ansehen mag. Aber mit Sicherheit nicht auf Druck einer mittlerweile hysterischen Debatte.

    1. Ahoi!
      Dass man manche Schauspieler irgendwann nicht mehr ansehen mag kann ich gut nachvollziehen. Mir geht es mit Tom Cruise so, allerdings spielt der irgendwie auch nur noch in Filmen mit, die derartig trashig sind, dass sie mich nicht mal reizen…Trotzdem fiel diese Entscheidung bei mir schon vor Jahren in der Oberstufe, nicht erst seit seinen Scientologyreden oder seiner häuslichen Tyrannei gegenüber Katie Holmes…

      Cheerio
      Mareike

  5. Hallöchen ?
    darf ich mich ganz herzlich für diesen Artikel bedanken? Danke Danke Danke.
    Schon oft begegnete mir die Diskussion, ob man Filme/Bücher… noch konsumieren darf, weil da XY dran beteiligt ist. Ich versuche Künstler und Werk zu trennen. Deine Argumentation ist schlüssig und gefällt mir wirklich sehr. Und wie du so schön am Ende sagst, wird es immer einen Moment geben, in dem man Bauchschmerzen hat und es vielleicht nicht vertreten kann, einen FIlm etc. zu sehen. Aber das muss schlussendlich jeder für sich selbst entscheiden. Man sollte jedoch auch überlegen, ob man, wie in deinem Artikel erwähnt, einem kompletten Fandom den Rücken kehren will, nur weil eine Person mitspielt, die man nicht mag oder die in ihrem Privatleben Fehler begangen hat.
    Liebe Grüße
    Jule

  6. Die Frage ist tatsächlich nicht leicht zu beantworten und sicher auch für jeden anders zu bewerten.
    Bei Büchern bin ich ziemlich gut im Trennen, auch wenn es da sicher Ausnahmen gibt. Im Studium wurde mir so endlos der “Tod des Autors” gepredigt, dass ich kaum einen Blick aufs Umschlagfoto wage, so denn vorhanden.
    AutorInnen sind halt beim Lesen nicht sehr präsent und zumindest ich kann relativ leicht ausblenden, wer da schreibt und was die Person sonst so macht. Bei SchauspielerInnen oder anderen Leuten aus dem Showbusiness finde ich das weit schwerer, weil die während ihrer künstlerischen Arbeit selbst so präsent sind und sein müssen. Seit seiner Scientology-Rede kann ich beispielsweise Tom Cruise nicht mehr sehen ohne zu denken “oh Gott, du bist so creepy”. Das macht es mir eigentlich unmöglich, unvoreingenommen noch irgendeinen Film mit ihm zu sehen.
    Thomas Mann zum Beispiel finde ich rasend unsympathisch, seine Bücher lieber ich aber sehr. Nun ist der Vorwurf, irgendwie unsympathisch zu sein halt auch recht harmlos im Vergleich zu vielen anderen Taten. Lewis Caroll, dem ja immer vorgeworfen wurde, er hätte an Alice ein durchaus sexuelles Interesse gehabt, kann ich nicht mehr so gut lesen, seit ich das weiß.
    Also ein klares einerseits, andererseits.

  7. Hallo,
    das ist ein wirklich interessanter Beitrag von dir. Und ich habe auch schon öfter darüber nachgedacht ob man Filme oder Bücher boykottieren sollte.
    Aber wie du bin ich auch der Meinung man sollte da vielleicht Privat- und Berufsmensch trennen. Ich habe mir da vor Kurzem Gedanken zu gemacht, als ich gelesen habe, dass H.P. Lovecraft ein Rassist war. Da habe ich mich ernsthaft gefragt ob man denn seine Werke noch lesen sollte.
    Es ist einfach schwierig eine allgemein gültige Entscheidung zu treffen finde ich. Und vielleicht sollte man einfach von Situation zu Situation speziell entscheiden.
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    1. Ahoi Diana!
      Da sind wir bei Lovecraft über das gleiche gestolpert. Allerdings habe ich von seinem Rassismus erst erfahren, als ich die dicke Gesamtausgabe schon zu Hause hatte – und ich werde es jetzt bestimmt nicht verbrennen oder so. Lesen auf jeden Fall, besprchen mal gucken und wenn dann nicht unkritisch…

      Ich denke, eine Grundhaltung zu haben ist wichtig, damit man sich nicht wieder bei jeder Autorin und bei jedem Schauspieler neu Gedanken machen muss. Und bei Fällen, die einen besonders nahe gehen, kann man immer noch sagen: Nö, von dem lese/gucke ich nichts mehr. Das ist ja genauso richtig.

      Cheerio
      Mareike

  8. Man stelle sich vor, es käme im Nachhinein etwas Negatives über Albrecht Düren, Michelangelo, Picasso oder andere heraus. Werden dann alle Bilder verbannt und wertlos? Trennung? Ja und fast uneingeschränkt.

  9. Hey!
    Ich liebe ja die Mischung auf deinem Blog. Der Beitrag hat mir schon wieder soo gut gefallen, ich sehe das sehr ähnlich wie du, aber du konntest mir auch ein paar neue Argumente liefern und mich überzeugen. Habe zum Beispiel noch nie bedacht, dass beim Boykott eines Films wegen Fehlverhalten eines Schauspielers das gesamte (unschuldige) Team drunter leidet – obwohl das total logisch ist! Aber manchmal kommen einem solche gedanken einfach nicht.
    Ich bin in fast allen Situationen ein Mensch der sagt, dass es auf den individuellen Fall ankommt. Als Beispiel: Vor kurzem gab es schwere Missbrauchsvorwürfe gegenüber der Band Wolfdown und im Nachhinein kamen immer mehr Details ans Licht, die die Band für mich einfach nicht mehr vertretbar erscheinen lassen. Im Gegenteil, ich kann sie kein Stück mehr ernstnehmen! Sie singen über Themen und fordern Sachen, die sie im “privat”leben nicht einhalten. Ihre Platte wurde aussortiert und leider kann ich sie nicht mehr hören, weil ich durchgehend den Kopf schütteln muss.

    Liebste Grüße,
    Celine

    1. Ahoi!

      Das mit Wolfdown habe ich auch mitbekommen und fand es unfassbar. Gerade in der Hardcore-Szene, die sich – zumindest auf den Konzerten auf denen ich mich herumgetrieben habe – gegen Sexismus, Rapeculture und “Mackertum” einsetzt ist das einfach untragbar. Da das von der Band auch mitgetragen wurde ist ein Boykott völlig klar und nachvollziehbar. Das ist, wie du schon sagst, ein klassischer Fall von “kommt auf den Fall an”.

      Cheerio
      Mareike

  10. Hey,

    ich bin gerade über deinen Blog gestolpert und hängen geblieben, weil mich viele deiner Posts unheimlich zum Nachdenken anregen.

    Dieser hier stellt mal eine etwas unüblichere Meinung da, was ich aber insofern ganz gut finde, als dass du sie absolut nachvollziehbar begründet hast, und mich damit auch so ein bisschen von schlechtem Gewissen erleichtert hast, indem du die ganzen Grauzonen mal aufzeigst.
    Generell finde ich sowas sowieso unheimlich schwierig, da gerade die problematischen Seiten von Künstler*innen gar nicht bekannt sind. So viele Stars könnten andere sexuell belästgt haben, aber wir wissen es einfach nicht. Und dann beginnt man, ihr Schaffen zu mögen, es vielleicht sogar zu lieben, und wenn sowas dann ans Tageslicht kommt, steht man auf einmal vor dem inneren Konflikt, ob man dem, was man mag, plötzlich einfach abschwören kann.
    Kann man vielleicht. Aber das konsequent durchzuziehen ist unglaublich anstrengend, nicht immer schön und vielleicht auch nicht immer gut.

    Abgesehen davon, dass die Realität eben nicht aus Schwarz ujnd Weiß, sondern aus verschiedenen Grauzonen besteht, und es daher schwierig ist, klar zu sagen, wie man sich richtig verhält.

    Danke für diesen tollen Beitrag! ?

    Liebe Grüße,
    Dana

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