[Federlesen] Jahresrückblick in Büchern

Nun, 2018 neigt sich dem Ende zu, und blicke ich zurück kann ich sagen: Alta, was für ein Jahr. Vor allem das zweite Halbjahr hatte es in sich, ich habe so viele Projekte umgesetzt, fertig gestellt, neue angefangen, ich habe so viel erlebt… doch das kommt im persönlichen Jahresrückblick. Hier soll es heute um Bücher gehen, um Statistiken, Best Of und Worst of 2018. Wobei…ich habe gute Laune und will die behalten, es gibt also nur die Best Of!
Gelesene Bücher: 101 (Stand 28.12.)
Currently Reading/Hearing: 4
Abgebrochene Bücher: ca. 7
Gelesene Seiten: interessiert keinen, mich am allerwenigsten
Als ich nach den besten Büchern in den unterschiedlichen, von mir normalerweise favorisierten Genres gesucht habe, fiel mir auf, dass ich dieses Jahr kein einziges Fantasybuch beendet habe, von ein, zwei Comics mal abgesehen. Ich habe Six of Crows angefangen, und pausiert, ich habe Siege and Storm angefangen und pausiert. Vielleicht sollte ich es einfach mit den Hörbüchern versuchen…spannend ist es trotzdem, denn ich habe Fantasy offensichtlich nicht sonderlich vermisst. Dabei lächeln mich aus meinem Fantasyregal so viele tolle Bücher an, die ich lesen will. 2019 könnte eine Fantasyflaute also wieder vorbei sein.
Ansonsten ist auffällig, dass ich unglaublich viele Comics und Graphic Novels gelesen habe, was nicht zuletzt an den Bücherhallen Hamburg liegt, die eine schier unerschöpfliche Sammlung an Schätzen haben.
Kommen wir aber zu den Tops des Jahres 2018.

Roman

Bettina Wilpert – Nichts was uns passiert

Eine Vergewaltigung und ihre Folgen auf 165 Seiten zu schildern ohne in Klischees abzudriften und Stereotypen zu bedienen scheint ein Ding der Unmöglichkeit. Bettina Wilpert schafft es. Die Leserin begleitet Anna durch die Geschehnisse und durch alles, was danach kommt. Meine ausführliche Rezension findet ihr hier. Nichts was uns passiert ist unangefochten die Nummer 1 meiner Leseliste dieses Jahr. Kein anderes Buch hat mich so gepackt und so berührt.

Thriller

Nadine D’arachart & Sarah Wedler – Ein Spiel für Gewinner

In meiner Rezension zu Ein Spiel für Gewinner habe ich ein paar Schwachstellen angesprochen, und der Thriller ist vor allem solide. Warum er trotzdem bei den Top Büchern des Jahres 2018 steht? Weil ich die Idee unfassbar gut finde. Ein Serienmörder, der seine Opfer in den Selbstmord treibt. Ganz perfide mit einer App, persönlichen Aufgaben, ohne eine Möglichkeit der Opfer, sich aus den psychologischen Fängen zu befreien. Für die beiden Kommissare Schwarz und Dornfeld stellt sich vor allem das Problem, dass es ein Präzedenzfall ist – den Straftatbestand “Jemanden in den Selbstmord treiben” gibt es im deutschen Recht nicht. Aber wie wollen sie für die Opfer Gerechtigkeit einfordern?

Jugendbuch

Louise O’Neill – Du wolltest es doch

Ein weiteres Buch zu dem Thema Vergewaltigung, und doch ganz anders als Nichts, was uns passiert. Emma ist nicht gerade die Sympathieträgerin der Nation, sie ist egoistisch, egozentrisch und in etwa so empathisch wie ein rostiger Traktor. Dann kommt die Nacht, an die sie sich nicht erinnern kann, über die aber Dank einer Facebookseite und massig Fotos die gesamte Schule bescheid weiß: Sie wurde, völlig weggetreten vom Alkohol und Drogen, von mehreren Jungs vergewaltigt, die es nach einer einvernehmlichen Orgie aussehen lassen. Hat sie selbst Schuld? Zumindest ein bisschen?
Was Emma durchmacht, wie ihre Eltern damit umgehen, ihre Freunde, die Nation…alles wird geschildert.

Sachbuch

Altenheger/Dinkhoff – Vom Verschwinden der Tiere

Jährlich verschwinden zehntausende Arten, und am Großteil davon ist der Mensch schuld. Durch Umweltzerstörung, gnadenlose Jagd, Ignoranz… Ein paar der Tiere, die unwiederbringlich verloren sind, werden in Vom Verschwinden der Tiere vorgestellt, mit wunderschönen Illustrationen und traurig-witzigen Anekdoten.

Feminismus

Nora Amin – Weiblichkeit im Aufbruch

Wie bewegen sich Frauen in der Öffentlichkeit? Wie kommt es, dass man sich zu Hause vor dem Spiegel noch schön fand, sobald man draußen ist sich aber seltsam fühlt, falsch angezogen, hässlich? Wie trägt die Öffentlichkeit dazu bei Frauen und ihre Körper zu „zähmen“ und ihnen „ihren Platz zuzuweisen“?
Diesen Fragen und weiteren geht Nora Amin in ihrem kurzen Essay Weiblichkeit im Aufbruch nach.

Margarete Stokowski – Die letzten Tage des Patriarchats

Im Vergleich zu Untenrum frei, das 2016 erschien, und das mir in der Summe zu flach war, ist die Sammlung von Stokowskis Kolumnen eine wahre (zuweilen grimmige) Freude. Die Auswahl deckt eine Bandbreite an Themen ab, die Kürze der Texte ermöglichen ein kurzweiliges Lesen mit allen Höhen und Tiefen des Gefühlslebens. Mit Die letzten Tage des Patriarchats hat sich Margarete Stokowski direkt in mein schwarzes Herz geschrieben, und Laurie Penny muss sich nun den Titel der Lieblingsfeministin mit ihr teilen.

Graphic Novel

Benjamin Renner – Der Große böse Fuchs

Was macht ein Fuchs, wenn er Hunger auf Hühnerfleisch hat, aber nicht mal die Hühner auf dem Bauernhof ihn als Jäger wirklich ernst nehmen? Richtig, er tüftelt mit dem bösen Wolf einen Plan aus: der Fuchs stiehlt ein paar Eier, brütet sie aus, und züchtet sich seine eigenen Hennen. Blöd nur, wenn im Fuchs auf einmal Muttergefühle erwachen, und die kleinen Küken viel zu putzig sind um gefressen zu werden.
Für ist die Graphic Novel eine zauberhafte Metapher für Patchworkfamilien.


Welche waren eure Tops und Flops 2018? Stimmt ihr mir bei meinen Lieblingsbüchern zu? Und wie sehen eure Leselisten für 2019 aus?

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