[Blogtour] Dear Evan Hansen. Die Einsamkeit der Vielen

Einsamkeit hat viele Facetten, kennt kein Alter, keine gesellschaftliche Stellung. In Dear Evan Hansen findet sich Evan durch ein paar unglückliche Zufälle auf einmal in einer Situation wieder, in der er lügen muss, aber auf einmal auch mehr einsam ist. Grund hierfür ist der Selbstmord Connors, des Bruders seines Schwarm Zoe.
Zwei Jugendliche, zwei Arten von Einsamkeit – aber kann man das eigentlich so herunterbrechen?

Connor kommt aus einer wohlhabenden Familie. Von jeher fühlte er sich und wurde missverstanden. Ereignisse wurden zu Geschichten wurden zu Gerüchten wurden zu seinem Ruf, aus dem er nicht mehr ausbrechen konnte. Er war der Seltsame, der Außenseiter mit dem Aggressionsproblem.
Evan fühlt sich und wird allein gelassen. Doppelschichten im Krankenhaus sind für seine Mutter keine Ausnahme, sein Vater ist ein paar Bundesstaaten weitergezogen und hat mit seiner neuen Frau eine neue Familie gegründet. Evan scheint in seinem Leben nur noch eine Randnotiz zu sein, und fühlt sich auch bei seiner Mutter eher wie ein Anhängsel.

Evan und Connor sind aus unterschiedlichen Gründen einsam, die Folgen sind aber die gleichen und dann einen Teufelskreis eingehen: keine Freunde -> soziale Isolation -> nicht wissen, wie man sozial Interagieren soll -> keine Freunde -> soziale Isolation…

Vor allem aber fühlen sich beide von ihrer Familie nicht verstanden, nicht gewollt. Das wird zwischen den Zeilen immer wieder deutlich, vor allem, wenn Evan über seinen Vater spricht. Er ist sich nicht einmal sicher, ob dieser zu seiner Beerdigung kommen oder nicht vielmehr einen Blumenstrauß schicken würde.


Nun mag man sagen “Jeder fühlt sich im Teenageralter missverstanden und einsam, das ist ganz normal.” Auch wenn es aus der Sicht eines Erwachsenen so stimmen mag, verringert es nicht das Leiden der Einsamkeit.

Einsamkeit ist nicht nur einfach das Gefühl, allein zu sein. Das Alleinsein ist etwas, das viele Menschen durchaus genießen, gar anstreben. Was man in der romantischen Beziehung Qualitytime nennt, gilt ebenso für die eigene Person. Sich Zeit nehmen für sich selbst, mit sich selbst. Gerade in einer Gesellschaft, die von Schnelligkeit und Oberflächlichkeit geprägt ist wie die unsere – die nächste Freundschaft, die nächste Liebe ist nur einen Wisch entfernt – ist ein bewusstes durchatmen und die eigenen Kräfte sammeln paradoxerweise schon fast wieder ein Volkssport geworden. Trotzdem ist Alleinsein etwas anderes als Einsamkeit
Der große Unterschied zur Einsamkeit ist, dass man weiß, dass man den Zustand des Alleinseins bewusst beenden kann.

Einsamkeit ist nicht der temporäre Rückzug von der Welt, es ist ein Abgeschnittensein. Die Wahrnehmung variiert natürlich von Mensch zu Mensch, aber mit Einsamkeit geht ein eigenes Gefühl der Ohnmacht und Passivität einher. Während man sich das Alleinsein mitunter aussucht, ist Einsamkeit eine Gefühlslage, die lange wächst und in Wechselwirkung mit äußerlichen Einflüssen steht.

Bei Connor und Evan sieht man im Grunde zwei Paradebeispiele für die innere und äußere Wechselwirkung.
Beide Jungen sind in ihrer sozialen Interaktion gehemmt, können von sich aus nur schwer auf andere zugehen. Tun sie es doch, interpretieren sie Handlungen und Aussagen schnell so, dass es ihrer vorgefertigten, negativen Erwartung entspricht. Connor reagiert dann in der Regel aggressiv, Evan eher zurückziehend und beschwichtigend.

Auf der anderen Seite hat vor allem auch Connor einen Ruf des aggressiven Außenseiters, aufgrund dessen andere, auch neue, Mitschüler*innen schnell in eine Schublade stecken, in die er eigentlich nie richtig passte.
Und auch Evan würde gerne mehr vor allem mit seiner Familie interagieren, bekommt aber durch die Abwesenheit, geistig wie körperlich, keine Möglichkeit dazu. Er zieht sich weiter zurück bzw. resigniert.

Es scheint kein Wunder zu sein, dass das Gefühl der Einsamkeit und Depressionen gerne Hand in Hand gehen. Wer wen bedingt ist dabei in der Regel nicht mehr eindeutig zu identifizieren. Und wie gefährlich Depressionen sein können, sehen wir jährlich an den Suizidraten und der öffentlichen Trauer über prominente Persönlichkeiten, die an den Folgen Ihrer Depression sterben.

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8 Kommentare zu „[Blogtour] Dear Evan Hansen. Die Einsamkeit der Vielen“

  1. Hallo,

    Gedichte und Zitate zu diesem Thema kann ich leider nicht benennen; die in Deinem Artikel erwähnten fand ich jedoch sehr treffend und schön, besonders das von de Balzarac.

    Songs, die für mich Einsamkeit sehr gut darstellen, sind für mich „Lost Boy“ von Ruth B, „El Perdón“ von Nicky Jam und Enrice Iglesias, „Impossible“ von Shonteille oder „Those Nights“ von Bastille. Da gibt es so viele …

    Liebe Grüße

    Daniel

  2. Danke für diesen Artikel! Erzwungene Einsamkeit ist wirklich schlimm 🙁
    Mein Zitat kommt von Marilyn Monroe:
    „Als ich älter wurde, wusste ich, dass ich anders war als die anderen Mädchen, weil es in meinem Leben keine Küsse und Versprechen gab. Ich fühlte mich oft einsam und wollte sterben.“

    Viele Grüße
    Tanja

  3. Guten Morgen,
    das ist wirklich eine sehr aschwierige Frage. Ich habe mal ein Zitat von Mutter Teresa gelesen, dass ich ziemlich passend fand:
    „Einsamkeit und das Gefühl unerwünscht zu sein, ist die schlimmste Armut.“
    LG
    Yvonne

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