[Rezension] Neal Shusterman – Scythe

Titel: Scythe |Autor: Neal Shusterman | Verlag: Simon&Schuster (dt. Verlag: Fischer) |ISBN: 978-1-4424-7242-6

Worum geht’s?

Stellt euch eine Welt vor, in der es keinen Hunger mehr gibt, keine Kriege, keine Regierungen – und keinen Tod. Wer stirbt, sei es durch Krankheit, Unfall oder natürlich, wird in einem speziellen Zentrum wiederbelebt. Man kann diesen Prozess auch als Verjüngungskur nehmen, denn immerhin leben Menschen nun ewig.
Zuerst war die Freude groß, man musste den Tod nicht mehr fürchten. Doch die Bevölkerung wuchs, die Erde wurde nicht größer, nicht mal der Thunderhead, eine künstliche Intelligenz die alle Regierungen ersetzt hat, wusste eine Lösung, und schnell wurde der Beruf der Scythe (engl.: Sense) ins Leben gerufen. Diese Berufsgruppe operiert zwar außerhalb der Gesetze, aber nach einem eigenen Kodex und tötet nach statistischen Berechnungen. Und auch diese Berufsgruppe braucht Nachwuchs.

Scythe Faraday nimmt zwei Lehrlinge auf: Citra und Rowan. Es ist ein untypisches Vorgehen, normalerweise soll eine Scythe nur einen Auszubildenden haben. Zunächst geht alles gut. Citra und Rowan lernen unter Faraday eine gute Scythe zu werden, lernen sich gegenseitig schätzen, geben der Spannung zwischen einander aber nicht nach. Alles geht gut bis zur ersten Konklave, einer großen Versammlung der Scythes. Dort erregt Scythe Faradays Entscheidung großes Aufsehen, und durch einige skrupellosere Scythes wird festgelegt, dass Citra und Rowan ihre Ausbildung beenden – und am Ende gegeneinander antreten müssen. Nur einer wird Scythe, der andere wird direkt getötet.

Dann stirbt Scythe Faraday unter mysteriösen Umständen, und Citra und Rowan werden getrennt. Citra wird von der bedächtigen, ethisch sehr gefestigten Scythe Curie trainiert, die ihre Aufgabe als Todbringer sehr ernst nimmt. Rowan kommt zu Scythe Goddarad und seiner Clique, die insgesamt sehr viel brutaler vorgehen und es mit der Gleichheit der Menschen nicht ganz so ernst nehmen. So trainieren die beiden Jugendlichen auf unterschiedlichen Wegen und in unterschiedliche Richtungen. Und die letzte Konklave rückt immer näher…

 

Wie war’s?

Scythe war eins der besten Bücher, die ich 2017 gelesen habe. Manche schreiben in ihren Rezensionen, dass es ihnen zu langatmig war, nicht actiongeladen genug. Aber genau das macht dieses Buch aus. Scythe wirkt im ersten Moment nicht wie eine Dystopie, und doch ist es eine bzw. Man merkt, dass es eine wird. Wer hier nach Action wie The Hunger Games oder The Maze Runner sucht, wird hier nicht fündig, denn Scythe ist viel philosophischer. Die einzelnen Kapitel sind von Tagebucheinträgen Scythe Curies unterbrochen, die immer wieder über Fragen grübelt und nachdenkt, die sich die Menschen auch heute stellen. In der Zukunft gibt es keine Religionen mehr – man weiß ja alles, da ist kein Platz mehr für Glaube. Thunderhead hat auf alles eine Antwort und ist für jeden zugänglich. Es antwortet jedem – außer den Scythes. Thunderhead greift nicht in die Angelegenheiten der Scythes ein, umgekehrt können diese Thunderhead aber auch nicht nach persönlichen Rat fragen. So fragt sich Curie an einer Stelle, ob Thunderhead ihren Fragen dennoch zuhört, die sie stellt, und sie ernst nimmt – oder ob diese Fragen ungehört in den Algorhythmen verschwinden, ignoriert und vielleicht sogar verabscheut werden. Auch wenn es keine Religionen mehr gibt – für die Scythes stellen sich trotzdem die Fragen nach dem Sinn des Lebens, denn immerhin beenden sie Leben endgültig, und Fragen nach Ethik, der rechten Handlung und Menschenrechten kommen immer wieder auf.
Gerade die Frage nach dem Sinn des Lebens taucht immer wieder auf, denn da man nichts neues mehr Erfahren kann, Menschen auf der anderen Seite nun aber ewig leben, womit füllt man die Jahre und Jahrhunderte?

Ich denke, der Mensch ist nicht die Ewigkeit gemacht und die Ewigkeit nicht für den Menschen, deswegen bin ich sehr gespannt ob und welche Antworten Shusterman im Verlauf der Reihe finden wird.
Scythe ist einfach eine andere Art von Dystopie, vom Tempo her eher wie 1984 (nur nicht so langweilig geschrieben) und auch eher eine Dystopie im Werden. Der zweite Teil ist auf Englisch Anfang des Jahres erschienen, und ich freue mich schon auf den Buddy Read mit Anna, sobald sie mit ihren Prüfungen durch ist.

Habt ihr das Buch gelesen? Wie fandet ihr es? Lest ihr gerne Dystopien?

Weitere Rezensionen

Anna von Ink of Books (müsst etwas runterscrollen, es ist eine Sammelrezension)
Kathrin von Pineapple Book Nook (spannenderweise bezeichnet sie das Buch als Utopie)
Jessica von Lesekult

6 Kommentare zu „[Rezension] Neal Shusterman – Scythe“

  1. Nicht actiongeladen spricht mich schon mal sehr an, auch deine Erwähnung von „1984“ (zu der Kritik des BUches schweige ich jetzt *lach) und auch sonst sprühst du vor Begeisterung! Allzu lang sollte es wohl nicht mehr auf meinem SuB liegen – auch wenn wir ja nicht oft einer Meinung sind, vielleicht ja hier? (Immerhin ja auch schon bei „Dark Wood“, hihi)

    1. Sorry, aber 1984 war einfach öde xD Zumindest vom Schreibstil, die Story ist bis heute super wichtig und hochaktuell!

      Und was unsere Büchermeinungen angeht nähern wir uns ja laaaangsam an 😉

  2. Hallo Mareike,

    tolle Rezension, die Lust aufs Buch macht. Ich muss es mir endlich mal kaufen.
    Ich lese ja sehr gerne Dystopien und finde das Thema hier sehr spannend auch weil du meinst, dass es philosophisch angehaucht ist.

    Alles Liebe
    Charline

    1. Na denn husch husch husch! Anna sagt ja auch jedem der es hören und nicht hören will, dass man es lesen muss 😀

      Sag Bescheid, wenn du anfängst es zu lesen!

  3. Super Rezension. Ich bin bisher noch in den Anfänge, kann aber deine Aussagen schon unterstützen. Es beginnt bedächtig, nicht zu aufgeregt.

    Es bleibt spannend!

    xoxo Vera

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