[Rezension] Irène Cohen-Janca – Die letzte Reise

Titel: Die Letzte Reise. Janusz Korczak und seine Kinder | Autor: Irène Cohen-Janca | Illustrationen: Maurizio A.C. Quarello | Verlag: Jacoby Stuart | ISBN: 978-3942787-55-0

Worum geht’s?

Warschau, 1940. Die Bewohner des Waisenhauses in der Krochmalna-Straße müssen umziehen. Das neue “Zuhause” befindet sich im Warschauer Ghetto, in das alle jüdischen Bewohner umziehen müssen. Hab und Gut und vor allem Lebensmittel werden an den Eingängen des Ghettos von den Nazis konfisziert.
Der Leiter des Waisenhauses, Janusz Korczak, will nicht zulassen, dass das Leben im Ghetto den Kindern zu nahe geht oder sie in Hoffnungslosigkeit fallen lässt, und versucht so weit es geht den Alltag aus dem Waisenhaus aufrecht zu erhalten. Es gibt weiterhin Theaterstücke, es werden Geschichten erzählt und Musik gemacht, und die Kindern werden heimlich weiter unterrichtet.
Doch das Ghetto wird immer weiter verkleinert, und eines Tages treten Korczak und seine Kinder die letzte Reise an. Ziel: Das Vernichtungslager Treblinka.1

Wer ist Janusz Korczak?

Ich hatte von diesem Mann noch nie gehört, und das, obwohl ich zwei Mal in Yad Vashem war und die Skulptur kenne, die dort ihm zu Ehren steht. Korczak war ein bedeutender polnischer Arzt und Pädagoge, der schon zu Lebzeiten dafür bekannt war, sich für die Belange der Kinder einzusetzen, und seine Erziehungsmethoden beruhten schon damals auf der Annahme von Grundrechten von Kindern. Die Kinderrechtskonvention von 1989 der Vereinten Nationen wird maßgeblich auf seine Ansichten und seinen Einsatz für Kinder zurückgeführt.
Eine Biografie zu Janusz Korczak findet ihr hier.

Wie war’s?

Das Buch ist recht kurz, aber intensiv. Cohen-Janca schafft es durch den Protagonisten Simon, die Vergangenheit im Waisenhaus in der Krochmalna-Straße ebenso wie die Gegenwart im Ghetto zu erzählen. Unterstrichen werden die Szenen durch die Bleistiftzeichnungen von Quarello, die, dadurch dass sie nicht schwarzweiß sondern sepia sind, viel älter wirken, als wären sie so alt wie die Geschichte selbst. Durch das Gefühl, dass die Bilder die schrecklichen Ereignisse Überlebt haben, die Kinder aber nicht, wird die Geschichte noch intensiver.
Die letzte Reise soll ein Kinderbuch sein, ich würde es allerdings erst älteren Kindern vorlesen, die mit dem Begriff Konzentrationslager etwas anfangen können.


1. Treblinka war vor Auschwitz das Vernichtungslager der Nazis. Man geht von über einer Million getöteten Menschen und nur 60 Überlebenden aus, die nach dem Aufstand von Treblinka 1943 fliehen konnten. Auschwitz, das inzwischen als der Inbegriff des Holocaust gilt, wurde erst nach dem Abriss Treblinkas zu dem ausgebaut, was heute als das schlimmste Vernichtungslager des Naziregimes gilt.

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