[Federlesen] Alte weiße Männer und das Mimimi

Eine Anmerkung vorweg: Dieser Beitrag ist ein Teil einer Kooperation mit Anna von Ink of Books. Wir gehen in unseren Kritiken auf unterschiedliche Aspekte der Sessions ein, daher lohnt es sich, beide Artikel zu lesen. Annas findet ihr hier.


Dieses Jahr fanden zum dritten mal auf der Leipziger Buchmesse die Blogger Sessions statt. Im Gegensatz zum letzten Jahr konnten dieses Mal Blogger_Innen (und andere) Vorschläge für eine Session einreichen, über die am Ende abgestimmt wurde. Der Chef der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille, nannte es “Organisation von unten nach oben”, und insgesamt kam dieses Konzept sehr gut an. Es war kostenfrei, jede_r Interessierte konnte teilnehmen, und durch den Call for Papers und die Abstimmung war sichergestellt, dass Vorträge auf die Bühne kamen, die die Bloggercommunity tatsächlich interessieren. Als Dankeschön gab es für die Vortragenden eine kleine Goodiebag mit einem Gutschein, USB-Stick und Kaffeebecher.

Lob und Kritik

Malu Schrader berichtete über die Sessions im Börsenblatt, und ließ am Ende auch zwei Stimmen von Vortragenden zu Wort kommen. Da mich Jochen Kienbaums (lustauflesen.de) Aussage zu den Bloggersession derartig aufregt, dass ich schließlich doch diesen Artikel schreibe, zitiere einmal komplett aus dem Börsenblatt, und markiere für diesen Artikel wichtige Passagen bereits:

„Als Forum des Austauschs und der Diskussion haben sich die Sessions durchaus bewährt. Leider standen die räumlich offenen und akustisch wenig abgeschirmten Foren einer konzentrierten Arbeit etwas im Wege. Ich kann die Absicht dahinter nachvollziehen: ein leichter Zugang für alle sollte gewährleistet werden, ohne Akkreditierung und andere Barrieren. Aber das minderte den Wert der Konferenz gleichzeitig. Etwas lieblos empfand ich den Umgang mit den Referenten: Viele haben Zeit und Arbeit in ihre Session und ihre Präsentation gesteckt. Entlohnt wurden wir mit einem Kaffeebecher, einem USB-Stick und einem Buchgutschein über 15 Euro, der obendrein eineinhalb Stunden nach Ende der Konferenz verfiel. Das war kein wertschätzender Umgang mit einer einflussreichen Gruppe von Literatur-, Lese- und Buchbotschaftern, von denen die Messe auch lebt.
Ich hätte meinen Vortrag, den ich zusammen mit Katharina Herrmann und Tobias Nazemi gehalten habe, sicher besser vorbereitet, pointierter vorgetragen und mehr Austausch mit den Zuhörern eingefordert. Auch die Verantwortlichen der Leipziger Buchmesse sollten wissen – was nichts kostet, ist wenig wert. Und: wer wenig bis nichts investiert, bekommt auch wenig bis nichts.
Ich wünsche mir, dass die Sessions fortgeführt werden, sie sind eine gute und zukunftsorientierte Initiative der Buchmesse. Vielleicht ließen sich für die kommenden Konferenzen wieder Räumlichkeiten finden, die konzentrierteres Arbeiten ermöglichen – und ein Budget für Referentenhonorare.“

Die offenen Räume

Wie Herr Kienbaum bereits erkennt, sollten die offenen Räume einen leichten, barrierearmen Zugang zu den Vorträgen gewähren. Ich empfand die offenen Räume nicht als störend, und einer konzentrierten Arbeit standen sie beim Vortrag von Elif und mir auch nicht im Wege.1
Interessant finde ich, dass ausgerechnet Herr Kienbaum von einer konzentrierten Arbeit spricht, hatte sein Vortrag, den er zusammen mit Katharina Herrmann und Tobias Nazemi hielt, keinen roten Faden, kaum nennenswerten Inhalt und vor allem eine Sicht der Blogger- und Verlagswelt, die viele anwesende Blogger_innen nicht teilen konnten und können (siehe dazu auch Annas Beitrag).
Womit wir schon beim nächsten Punkt wären.

Qualität – und ihre Gegenleistung

Kienbaum gibt selbst zu, dass er seinen Vortrag “sicher besser vorbereitet, pointierter vorgetragen und mehr Austausch mit den Zuhörern eingefordert” hätte, wäre die Gegenleistung der Messe höher gewesen. Das Problem: Was es als Gegenleistung gab, nämlich den Buchgutschein für die Messebuchhandlungen, stand schon fest, als man sein Paper eingereicht hat. Dass Kienbaum es nicht gesehen hat/haben will ändert daran nichts. Die Art und Weise der Gegenleistung ist keine Entschuldigung für einen qualitativ minderwertigen Beitrag, zumal wenn man weiß, dass man es besser kann!3
Wenn man vor oder während der Vorbereitung von dem für eigene Vorstellungen zu geringen Gutscheinbetrag wusste bedeutet Kienbaums Aussage, dass absichtlich unprofessionell gearbeitet wurde: er und seine Mitvortragenden sind ist eine Verpflichtung eingegangen, haben die Bedingungen erst nach der Wahl ihres Vortrags in die Sessions entdeckt, und dann nur noch einen halbherzigen, inhaltlich flachen Vortrag abgeliefert.2 Das mit einer zu geringen Gegenleistung zu begründen ist unprofessionell, auf dieser Grundlage dieser Leistung ein Honorar zu fordern frech.

Sollen die Vortragenden denn gar keine Anerkennung bekommen?

Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass man die Gegenleistung für die Blogger_Innen nicht noch verbessern kann. In die Tat umgesetzt fand ich die Gültigkeitsfrist auch recht knapp bemessen, und für etwas mehr als die 15€ auf dem Gutschein hätte man sich immerhin ein Hardcover leisten können. Ein Honorar, wie Kienbaum es vorschlägt, ist allerdings nur machbar, wenn alle Vortragenden es auch entsprechend abrechnen können, was die wenigsten Blogs können. Ich finde Gutscheine daher als Aufwandsentschädigung durchaus in Ordnung – und die Gutscheine dürfen gerne höher sein und eine längere Gültigkeitsdauer haben. Man kann auch über andere Möglichkeiten sprechen. Ich bin sehr dafür, dass Qualität auch bei Literaturbloggern entsprechend entlohnt werden kann. Ist nur eine Frage des Wie – und eine Frage der Grundlage. Dieses Jahr entschied die Blogger_Innenszene zum ersten Mal selbst über ihre Referenten. Wenn diese aber teilweise einfach keine Qualität liefern sondern ein unausgegorenes Konzept von Vortrag, ist das keine Verhandlungsbasis! Und gerade Jochen ist nach seinem Vortrag nicht in einer Position, höhere Gegenleistungen zu fordern. Vanessa von Biblometasia hat das wunderbar getwittert:

“Qualität interessiert keinen!”

-> Edit: <- An dieser Stelle hatte ich Wolfang Tischer mit einem Einwurf zur Qualität zitiert. Inzwischen hat sich geklärt, dass er diesen Kommentar ironisch meinte (siehe seinen Kommentar unter diesem Artikel). Diese Ironie ist bei mir (und tatsächlich auch ein paar anderen Zuhörerinnen) nicht angekommen, das mag aber auch an der Vortragssituation gelegen haben. Auch wenn ich mir gut vorstellen kann, dass einige Leute mit Wolfgangs Kommentar ernsthaft übereinstimmen, werde ich meinen ursprünglichen Kommentar dazu „einklappen“. Sprich: ihr könnt, wenn ihr auf den Pfeil klickt, immer noch sehen, was ich ursprünglich geschrieben habe, dieser Teil des Artikels wird sonst aber nicht angezeigt (auch wenn meine Kritik an dem Interview mit Linus an sich bestehen bleibt).

Wolfgangs Einwurf

Von einem Zuhörer der Session von Jochen&Co., Wolfgang Tischer (Literaturcafe.de), kam der Einwurf, dass Qualität keinen mehr interessiere:

Qualität interessiert keinen. Du fällst dann auf, wenn du etwas über Verlage schreibst…du fällst dann auf mit dem Blog, wenn du etwas Provokatives machst, und fällst dann auf vielleicht wenn du gegen andere schießt. Qualität ist immer ein Problem….oder auch umgekehrt, du fällst dann auf wenn du über Bestseller schreibst. Wenn du über einen Kleinen Verlag Klöpfer und Meyer, Joachim Zelter, du schreibst was, du gibst dir Mühe, du bist unterwegs…du siehst aber auch an den Abrufzahlen, du kannst du Leute nicht motivieren. Schreibst du aber über einen Peter Stamm, der in allen Feuilletons rauf und runter besprochen wird, dann wird der auch in deinem Blog wieder am häufigsten aufgerufen.”4

Laut diesem Kommentar bedeutet

  • über Bestseller zu schreiben geringe Qualität
  • Provokatives zu schreiben geringe Qualität

Qualität hat nur, was

  • über kleine Verlage geschrieben wird
  • auch im Feuilleton besprochen wird

Das finde ich recht spannend, diskreditiert dieser Kommentar doch den Großteil der Literaturblogger_innen als Autor_innen schlechter Qualität.
Spannend ist dieser Einwurf übrigens auch deswegen, weil Tischer sich einerseits Qualität auf die Fahnen schreibt (siehe den Satz zu den kleinen Verlagen und dem Mühe geben), andererseits aber kurz vorher ein Interview mit Linus von buzzaldrins.de über dessen Geschlechtstransition geführt hat, das qualitativ doch zu wünschen übrig ließ.5 Wenn ein Beitrag also weder gegen andere schießt noch provokativ ist (wobei Sifftwitter bei Transgenderthemen da ganz anderer Meinung ist) noch unentdeckte Perlen der “E-Literatur” bespricht, lässt man die Qualität gleich ganz bleiben? Weil interessiert ja eh keinen, warum sich also Mühe machen? Da wird er sich mit Kienbaum gut verstehen, der liefert Qualität anscheinend auch nur unter bestimmten Umständen.

 

 

 

 

Qualität bitte, aber ich suche mir meine Bücher nach dem Aussehen der Autorin aus!

Tobias Nazemi, ein Mitvortragender Kienbaums, präsentiert sich auf seinem Blog Buchrevier.de als „der letzte lesende Mann“. Seine Vorstellung von Lesen ist folgende:

„bewusst lesen. Nicht zur Unterhaltung, Information und aus Langeweile, sondern um sich geistig zu bereichern. Menschen denen es wichtig ist, dass sie lesen und was sie lesen.“

Passt zur Aussage Tischers, dass Unterhaltung (wie Bestseller) qualitativ minderwertig ist. Auf der anderen Seite sucht sich Nazemi sich seine Bücher weiblicher Autorinnen nach deren Aussehen aus6, wie er in seinem bereits gelöschten Artikel Das Auge liest mit (verfügbar im Webarchiv) nachzulesen ist. Das ist also die Quälität, die sich alte weiße Männer vorstellen? Qualität, für die sie bei Inputs nach Kienbaums Forderung entlohnt werden sollen?

Alte Männer und frischer Wind

Alte weiße Männer dozieren über die Qualität, die Literaturblogs haben oder nicht haben. Sie beanpruchen damit einen weiteren Teil des Literaturbetriebs und die Deutungshoheit für sich ein. Wenn Männer wie Jochen Kienbaum, Wolfgang Tischer und Tobias Nazemi für das aktuelle Qualitätsverständnis der Literaturblogwelt und überhaupt für die Literaturblogwelt stehen, brauchen wir ganz dringend frischen Wind. Ja, ihre Blogs sind recherchiert und anspruchsvoll. Ja, Literaturblogger_innen sollten für Input wie z.B. bei den Sessions gerne entlohnt werden. Aber das funktioniert eben nur mit fundierter Recherche, hohem Qualitätsanspruch und astreiner Präsentation. Nicht mit halbherzig vorbereiteten Interviews, mangelhaften Vorträgen, sexistischen Beiträgen und großem Mimimi hinterher.

Es muss frischer Wind aufkommen. Lasst uns den Sturm bringen.


(1) Das mag persönlicher Geschmack sein, vielleicht kann man die Bloggerkonferenz tatsächlich wieder ins CCL verlegen und trotzdem kostenfrei halten, aber wenn nicht ist das nun auch kein Weltuntergang.
(2) Hat man erst nach dem Vortrag von der Gegenleistung des Veranstalters gewusst, wird die Sache noch bizarrer, denn dann hätten Kienbaum & Co. vorsichtshalber schon schlechte Arbeit geleistet.
(3) Auch das vermeintliche Argument “Wir sind alle drei Vollzeitarbeiter und über Deutschland verteilt” (siehe hier zieht nicht, alleine Elif und ich sahen uns dem gleichen Problem gegenüber und haben trotzdem unser Bestes gegeben.
(4) Vgl. Den Stream der Session ab 19:42, Zitat wurde so gut es ging herausgefiltert.
(5) Wer sich länger als 5 Minuten mit dem Thema Transgender befasst weiß, dass die Nennung des Deadname, also des abgelegten Namens, für Transpersonen verletzend und schmerzhaft ist. Im Interview wurde Linus Deadname gleich zweimal genannt, was nicht gerade für gute Recherche und Sensibilität für das Thema spricht. Im weiteren Verlauf wirkte das Interview hölzern, vor allem auch die letzten 5-10 Minuten.
(6) „Man mag es vielleicht oberflächlich finden, aber wenn ich den Roman einer Frau in den Händen halte, ist das Autorenfoto im Klapper für mich von kaufentscheidender Bedeutung.“

41 Kommentare zu „[Federlesen] Alte weiße Männer und das Mimimi“

  1. Guten Morgen,
    also ich persönlich fand es gut, dass die Blogger Sessions dieses Mal in einer der Messehallen abgehalten wurden, da in der Tat die Hemmschwelle hinzugehen geringer wurde (zumindest für mich). Muss ich dafür ins CCL und da in einen geschlossenen Raum, dann überlege ich es mir schon wieder, ob ich teilnehme. Für mich sind die Votragsbereiche in den Hallen irgendwie offener. Es ist selbstverständlich, dass man evtl. auch später kommt und früher geht, weil das dort überall so ist. Man hält mal hier und mal dort an. Im CCL hätte ich so das Gefühl davon, verpflichtet zu sein, pünktlich da zu sein und auch bis zum Ende zu bleiben. Das würde mich abschrecken.
    Was ich aber nachvollziehen kann ist, dass, wenn man eine Arbeitsatmosphäre schaffen möchte, das CCL sicher besser geeeignet, weil ruhiger ist.
    Aus meiner Sicht ein klener Spagat, der da zu leisten ist.
    LG
    Yvonne

    1. Moin Yvonne!
      Ich denke, wie dir ging es vielen. Einfach mal reinschnuppern können was da überhaupt geschnackt wird, und ggf. selbst entscheiden, ob man gehen kann. Von der Bühne aus ist mir z.B. nicht aufgefallen, ob und wieviele den Vortrag verlassen haben. Bei geschlossenen Räumen, bei denen die Türen entsprechend klappen, wäre das deutlicher – und würde mich vermutlich sehr viel mehr irritieren.
      Was die Arbeitsathmosphäre angeht kommt es sehr darauf an, was man bieten will: Vortrag? Dann war der Platz ideal, Diskussionen waren Dank der Mikros ja möglich, es war eher ein Zeitproblem. Workshops mit tlw. intensivem Arbeiten? Dann wäre ein geschlossener Raum sicherlich besser geeignet gewesen. Die Sessions entwickeln sich ja von Jahr zu Jahr, wer weiß, was sich die LBM für 2019 ausdenkt 🙂

      Cheerio,
      Mareike

      PS: Du warst da und wir haben uns nicht gesehen? Skandal! Oder habe ich dich nur nicht erkannt?

      1. Hey!
        Ich war nur bei dem Vortrag von Tilman Winterling zum Theme „Werbung“ am Sonntag. Den Rest der Sessions habe ich leider aufgrund anderer Termine nicht geschafft.
        Ich finde es sehr schade, dass ich nur sehr wenige Bloggerinnen gesehen habe, ich habe, genau wie ich es vorausgeahnt hatte, irgendwie niemanden erkannt. 🙁
        Aber, auf dem LitCampHH endlich oder nächstes Mal in Leipzig, da muss das anders werden. 🙂
        LG
        Yvonne

  2. Hallo Mareike,

    danke für deinen Beitrag! Ich habe von diesem Teil des Sessions gar nicht mitbekommen. Vielleicht auch besser so. Ich finde es ehrlich gesagt unmöglich, wenn man die Qualität eines Vortrags, anhand der Entschädigung ausmacht. Ich hätte das wahrscheinlich sogar umsonst getan. Viele wollen dort ja auch über ein bestimmtes Thema sprechen, um darauf aufmerksam zu machen, gerade wenn es um Themen geht, die viel Platz für eine Diskussion bieten.

    Ich hätte mir am Ende übrigens auch gewünscht, dass die Vorträge etwas mehr von einander getrennt gewesen wären. Ab und zu wurde ich als Zuhörerin tatsächlich abgelenkt. Aber dass auch nicht-Blogger oder zumindest nicht-akkreditierte zuhören konnte, fand ich trotzdem gut und meiner Meinung nach kann das ruhig beibehalten werden.

    Liebe Grüße,
    Pia

  3. Hallo liebe Bücherkrähe,
    auch wenn ich in deinem Beitrag angegriffen werde, muss ich sagen, dass du in vielen Punkten recht hast. Wir hätten durchaus mehr aus dem Bloggersession-Beitrag machen können. Das Grundproblem ist aber, dass wir Blogger einfach keine homogene Gruppe sind. Weder wir drei auf dem Podium waren das, noch die zwanzig im Publikum. Es ist daher schwer, einen Konsens zu finden und noch schwerer gemeinsame Ziele zu definieren.

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass die kleine Gruppe der Literaturblogger per se von dem Großteil der Genre-Buchblogger abgelehnt wird. Und wenn ich ganz ehrlich bin: mir geht es andersherum nicht viel anders. Wir bewegen uns in komplett unterschiedlichen Blasen, lesen andere Bücher, haben unterschiedliche Interessen. Und was Wolfgang, Jochen und mich angeht – sind wir auch eine ganz andere Generation und als die meisten aktiven Buchblogger.

    Diesen Dissenz werden wir wohl nicht lösen können. Wir müssen uns nicht mögen, können uns aber respektieren. Ich finde diesen Blogbeitrag ok, nachvollziehbar und im besten Sinne stachelig. Auch dein Session-Beitrag mit Elif fand ich gut, auch wenn die abgehandelten Themen nicht meine sind.

    Lass mich zum Schluss noch etwas zu dem erwähnten Beitrag über Autor*innenfotos sagen, den Susanne aus irgendeinem Blogarchiv wieder ausgegraben hat. Ich frage mich, wie man nur so langanhaltend nachtragend sein kann? Der Beitrag war damals bewusst überspitzt formuliert, er sollte polarisieren, Traffic auf meinem damals noch neuen Blog generieren und ist mir in einem Shitstorm aus dem Ruder gelaufen. Ich habe den Text vor ca zwei Jahren gelöscht, weil ich da nicht mehr hinter stehe. Ich habe mich weiterentwickelt, in vielen Punkten dazugelernt und würde den Text heute nicht mehr so formulieren. Ein alter weißer Mann bin aber nach wie vor.

    Viele Grüße aus dem Buchrevier

    Tobias

    1. Ja klar. Bei Sexismus bin ich höchst nachtragend. Wie bei jeder Art der Diskriminierung. Vor allem, wenn der Diskriminierende nichts zur Entschuldigung tut. Was ist jetzt dein Punkt? 🤔

    2. Moin Tobias!

      Natürlich sind Literaturblogger_innen keine homogene Gruppe, das waren sie nie und werden und sollen sie auch nie sein. Für mich zählen übrigens alle Buchblogger_innen zu Literaturblogger_innen. Die Unterscheidung zwischen Genrebuch- und Literaturblogs ist schlichtweg elitär, damit wird auch weiter ein Klischee bedient, das der Feuilleton nur zu gerne am Leben erhalten will. Aber vielleicht siehst du dich auch eher als Feuilleton…
      Übrigens wird die Gruppe, die du für dich definierst, nicht per se abgelehnt. Es wird nur entsprechend auf arrogantes bzw. überhebliches Benehmen reagiert, denn die meisten, die sich als Literaturblogger_in bezeichnen sehen auf die „stumpfen Buchblogs“ herab. Warum? Soweit ich weiß umfasst Literatur erstmal alles niedergeschriebene, und nicht nur den neuesten Martin Suter oder wer auch immer gerade der neue Star der Literaturbeilagen ist. Um deine Worte zu benutzen: ich bewege mich auch nicht in der Manga-Blase, der Chick-Lit-Blase, der XYZ-Blase. Trotzdem kann ich diese Blasen als Literaturblogs anerkennen. Vielleicht hilft es auch, die Blasen als durchlässig zu verstehen. Du schreibst, du liest eben was komplett anderes. Was nicht heißt, dass nicht auch eine klassische Thriller-Bloggerin plötzlich auf den Geschmack der Bücher kommen kann, die vom literarischen Quartett besprochen werden.
      Die Unterscheidung zwischen Literatur- und Buchblog schafft in den Köpfen Grenzen, dabei ist Literatur eben genau das nicht: eingrenzend.

      Was deinen Artikel zu den Autorinnenportraits betrifft bin ich übrigens ähnlich gepolt wie Suse: Ich bin bei Sexismus (und anderen Ismen) verdammt nachtragend, eben weil ich Betroffene bin. Und Sexismus als Clickbait zu nehmen, egal ob man noch dahinter steht oder nicht, macht das Ganze nicht besser. Wenn du nicht mehr so denkst, wie wäre es mit einer Art Gegenartikel? Aber ist vermutlich schon zu politisch und zu wenig literarisch…

      Cheers,
      Mareike

      1. Hallo Mareike,

        ich habe erst nicht verstanden, woher diese Aggressivität und der Zorn kommt. Was haben wir getan? Die Session war nicht rund, es fehlte der rote Faden – ok. Aber das rechtfertigt nicht den Ton, der hier angeschlagen wird. Der Spruch mit den alten weißen Männern mag vielleicht auf den ersten Blick ganz lustig sein, im Prinzip ist er aber sehr beleidigend und ein genauso respektloses Clickbaiting, wie du es mir vorwirfst (meinen nicht-weissen Migrationshintergrund lasse ich hier mal außen vor). Nach den letzten Kommentaren aber glaube ich zu verstehen.

        Zitat:
        „Es wird nur entsprechend auf arrogantes bzw. überhebliches Benehmen reagiert, denn die meisten, die sich als Literaturblogger_in bezeichnen sehen auf die „stumpfen Buchblogs“ herab.“

        Kann es sein, dass ihr nur auf so eine Gelegenheit gewartet habt? Wir werden hier jetzt stellvertretend für alles abgewatscht, was ihr in den letzten Jahren an Arroganz und Überheblichkeit von Seiten der Feuilleton-nahen Blogger erdulden musstet. Ich für meinen Teil kann das wegstecken, aber das Problem lösen wir damit nicht und die Gräben werden dadurch nur noch tiefer.

        Was hälst Du davon, wenn wir diesen Diskurs zum Anlass nehmen, um uns gemeinsam an einen runden Tisch setzen und offen über Begriffe wie Literatur- oder Buchblog, Ziele, junge und alte Blogger, Motivation und Ansprüche des Bloggens zu reden. Vielleicht merken wir dann ja, dass wir gar nicht so weit auseinander liegen und gemeinsam mehr erreichen können (was auch immer) als jeder für sich alleine.

        Ich wäre dazu bereit.

        LG
        Tobias

        1. Moin Tobias!

          Das mit dem „alte weiße Männer“ bezieht sich eigtl. auf eine Eigenart der deutschen Literaturszene im Allgemeinen, die immer noch recht eben von „weißen alten Männern“ dominiert wird.

          Ehrlich gesagt, wenn mir was auf der Seele brennt schreibe ich es direkt runter und warte nicht erst auf eine Gelegenheit 😉 Es waren tatsächlich eure Aussagen, die mich zu diesem Artikel veranlassten, die bisherigen Erfahrungen spielen dann als Background mit rein. Ich gebe dir aber insofern Recht, als dass wir diesen Graben/Problem/Missverständnis(?) nicht lösen.

          Ich sitze gerade an einem Videoskript mit dem (Arbeits-)Titel „Echte Bücher, richtiges Bloggen, wahres lesen“, wo ich die ganzen Begriffe aufgreife. Vllt können wir da ein Gespräch einbauen. Insofern: Bei nem runden Tisch bin ich dabei.

          Cheerio,
          Mareike

          1. Hintergrundrecherche ist für den Runden Tisch eh Vorraussetzung, der Artikel landet direkt im Recherche-Dokument.
            Btw: ich habe dir auf Twitter ne PN geschrieben.

  4. Hallo Mareike,

    sehr schöner Artikel. Da das mein erstes Mal auf einer Buchmesse war, kann ich nicht beurteilen, wie es verglichen mit dem letzten Mal war, aber ich fand es ehrlich gesagt schön, dass die Bloggersessions so offen waren.

    Das man sich darüber beschwert, dass der Gutschein so schnell ablief kann ich verstehen, aber den Rest an der Beschwerde über die Entschädigung nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich Studentin bin und nicht super viel Geld habe, aber ein 15€ Bücher Gutschein ist doch super und mit Tassen könnte ich immer was anfangen. Mal ganz davon abgesehen sind die Blogger Sessions doch Vorträge von Bloggern für Blogger sein, die man macht weil einem gewisse Themen am Herzen liegen und nicht, weil man gut bezahlt werden will.

    Ich habe von dem „lasst uns bunt und stachelig werden“ Vortrag nur die erste Hälfte mitbekommen danach bin ich gegangen. Ich merkte ziemlich schnell, dass mir als Bloggerin ganz andere Dinge wichtig sind und ich mich anders wahrnehme als die Vortragenden. Eine Sache, die mir negativ in Erinnerung blieb, war wie einer der Vortragenden (weiß nicht mehr wer) so ungefähr meinte „man diskutiert um Aufmerksamkeit zu bekommen“ Das sehe ich vollkommen anders. Ich diskutiere, weil mir ein Thema am Herzen liegt und ich meine dazu etwas sagen zu bekommen, nicht damit ich online bekannter werde.

    LG
    Elisa

  5. „Man mag es vielleicht oberflächlich finden, aber wenn ich den Roman einer Frau in den Händen halte, ist das Autorenfoto im Klapper für mich von kaufentscheidender Bedeutung.“

    Okay, dein Artikel ist großartig aus vielen wunderbaren Gründen, auf die ich gleich dringend eingehen will, aber dieses Zitat macht mich jetzt fertig. Leute trauen sich, so etwas zu sagen? Wirklich? Und wieso nur bei Frauen? Ahhhh. Aber sich dann hinstellen und sagen, „Ich erzähl euch was über die Qualität von Buchblogs.“ Ist klar.

    Da kann man sich nur wünschen, dass ganz viele junge Frauen und Männer und sich als non-binär identifizierende Personen den Sturm bringen, den du da für uns schon so schön heraufbeschwörst. Wow. Das Autorenfoto in der Klappe. Was. Wow.

    Ich hab die BloggerSessions als echtes Highlight der Messe empfunden und gemessen daran, wie schwer die Anfahrt am Samstag & Sonntag war, bin ich sehr dankbar gewesen, dass man durch die offenen Räume direkt dazu stoßen konnte, selbst wenn man wie ich zehn Minuten zu spät war. Ich kann über die Sessions, von denen du sprichst, leider nicht viel sagen (dank Schneechaos, danke DB!), aber ich hatte das Gefühl, dass man gerade da, wo die Strukturierung in der Hand der (jungen) Blogger lag, eine gewisse, gehobene Qualität deutlich erkennen konnte: weil einen Blogpost zu schreiben auf kurz oder lang eben auch beibringt, wie man über eine Einführung so ins Thema einsteigt, dass nicht nur die Oberfläche angekratzt, sondern auch inhaltlich Bedeutsames angesprochen wird, was sonst für mich oft ein Problem bei den Veranstaltungen der Messe war.

    Das Niederschmettern von Unterhaltungsliteratur als nicht-relevante Literatur verkennt allerdings auf so vielen Ebenen, dass Literatur eben auch ein Konsumgut ist und nicht bloß kultureller Vermittler zwischen Leser und Thematiken, dass ich dazu was sagen muss. Gerade das Gespräch bezüglich der Unterhaltungsliteratur, so kritisch es dann werden mag, ist doch eine große Stärke der Buchblog-Community, möchte man meinen. Immerhin hätten wir hier so was basisdemokratisches wie direktes Feedback des Konsumenten, der kritisierende und kontrollierende Funktionen und Verantwortungen übernimmt.

    Ich versteh nicht, weshalb sich privilegierte Kollektive ständig mit einer solchen Überheblichkeit die Vorzüge dessen nehmen wollen, das die kommenden und aufstrebenden Kollektive ihnen und dem von ihnen geliebten Gegenstand (in diesem Fall: dem Gespräch über Literatur) mitgeben können. Dass man da so entschieden die Augen vor dem verschließt, was einem nützen könnte, weil es uns die Welt als sich im Wandel befindlich zeigt … schade. Aus einer sich gegenseitig bereichenden Zusammenarbeit oder wenigstens einer sich keine Steine in den Weg werfenden Ko-Existenz könnte doch so viel Gutes entstehen.

    Aber gut, sie wollen es nicht anders.
    Dann muss der Sturm wohl kommen. Consider me in!

  6. Liebe Mareike,
    ich habe dem nicht viel hinzuzufügen außer: „Ich stimme dir voll und ganz zu.“
    Ich bin immer noch der Meinung, dass man sich mit einem Thema auseinandersetzt und dieses als Session vorschlägt, weil man daran interessiert ist und es anderen Menschen näher bringen will. Und nicht, weil man halt mal was macht und wenn man nicht ausreichend belohnt wird, halt auch nur qualitativ minderwertige Beiträge bringt. Da ist es nicht nötig, ein Thema vorzuschlagen. So etwas sollte man nur machen, wenn es einem selbst wichtig genug ist, andere damit in Berührung zu bringen. Und das war hier eindeutig nicht der Fall.
    Liebe Grüße
    Katja

  7. Danke Mareike, danke Anna!

    Eure Beiträge sagen eigentlich bereits alles Wichtige.
    Meiner Meinung nach legen da einige eine Arroganz an den Tag, die nur auf ihrer eigenen Wahrnehmung von sich selbst und ihrer engen Perspektive von Leistung, Qualität und Anspruch basiert.
    Von oben herab, ohne sich genauer mit den Themen zu beschäftigen, die kritisiert werden.
    Das stößt mir bitter auf.

    Leute lesen, bloggen und schreiben über Bücher und Literatur. Oftmals nicht mit dem Zweck, damit Geld zu verdienen, sondern weil es ihnen Spaß macht.
    Alles was niederschwelliger und damit der Allgemeinheit zugänglich ist, wird schlecht gemacht. Sich im selben Atemzug über die weniger werdenen Lesenden in der Gesellschaft aufzuregen ist ziemlich kurzsichtig.

    Ich bin ganz froh, dass ich es aufgrund von Wind und Wetter nicht zu dieser Session geschafft habe. ^^*

    Gut, dass wir kritische, liebenswert stachelige Blogs wie deinen und den von Anna haben. <3

    Liebe Grüße,
    Babsi

  8. Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Ich habe eben schon fasziniert den Beitrag von Anna gelesen.
    Egal wie hoch ein Honorar ist, ich für meinen Teil würde immer mein bestes bringen. Denn nur mit abgelieferter Qualität, kann ich für weitere Aufträge auch einen höheren Preis fordern. So ist es im „normalen“ Berufsleben doch auch. Nur mit Qualität kann ich überzeugen und andere begeistern.
    Viele Grüße
    Kerstin Cornils

  9. Ein meinungsstarker Beitrag. So weit, so gut. Auch wenn es natürlich schade ist, dass durch die kritisierten Umstände die Bloggersessions für dich nicht so erlebnisreich waren, wie möglicherweise erhofft.

    In der Sache beruhigend ist jedoch hoffentlich, dass auch unter männlichen Bloggern sehr inspirierende, anregende und gründlich arbeitende Menschen unterwegs sind. Spontan fallen zum Beispiel Stefan von poesierausch.com sowie der (hier in anderem Kontext erwähnte) Tilman von 54books.de ein. (Und je nach persönlichem Gusto sehen beide auch noch gut aus. Das hat zwar mit ihren Blogs nichts zu tun, mag aber trotzdem erfreuen.)

    1. Moin!
      Ach, ich habe andere Sessions genossen, alles gut.
      Und ich weiß, dass es durchaus tolle männliche Blogger gibt (ich bin ein großer Fan von Tilman, bspw.). Darum ging es hier aber nicht, sondern vielmehr darum, dass eben alte weiße Männer wieder einen Platz im Literaturbetrieb einnehmen (wollen), sich als qualitative Elite abgrenzen und so wieder Gräben schlagen, die andere Blogger_Innen seit Jahren versuchen zu überwinden. Und es nervt mich als Frau einfach.

      Cheerio,
      Mareike

  10. OMG als aller erstes – den Beitag „Das Auge liest mit“ kannte ich nicht und finde die Aussage auch ein No-Go! Zu dem ob die Sessions jetzt abgeschottet oder nicht besser sind, kann ich nicht wirklich viel sagen, da ich bisher leider nie dabei sein konnte. Aber boa ernsthaft? Zu wissen das man nur einen Buchgutschein und Co bekommt und dann absichtlich nicht viel Arbeit reinstecken? (So kommt es ja nun mal leider rüber). Das find ich einfach nur frech – gegenüber den Veranstaltern und gegenüber allen Zuhörern. Und sich dann beschweren, dass das Honorar nicht stimmt, also wow, da fehlen mir ehrlich etwas die Worte und daher danke für deisen Beitrag, du hast ja sehr gute Worte gefunden. Für mich fühlt sich das nach – naja ich bin groß und bekannt und ich mach da jetzt halt was, scheiß drauf ob gut oder nicht (und so kam mir die Session auch vor). Und das finde ich einfach absolut unfair. Qualität sollte immer an oberster Stellen stehen – sonst muss er halt den Weg frei machen für Blogger, die die Chance so eine Session zu machen nutzen und einen gut durchdachtne, hochwertigen Beitrag leisten, schnurz welche Bezahlung oder nicht. Einfach, weil sie was für die Bloggerwelt tun möchten, nicht aus purer Aroganz, so wie sichs für mich einfach anfühlt.

    glg Franzi

  11. Nur der Vollständigkeit halber: Dem Anwesenden, der meinte, Qualität sei nicht so wichtig, habe ich deutlich widersprochen. Und ich würde als Maßstab für „Qualität“ immer den Grad der Auseinandersetzung mit dem Text oder Thema ansetzen, den ein Blogbeitrag leistet. Aber ich glaube, du weißt ja, wie ichs meinte. Ich sagte das auch irgendwann während der Session, dass das ein Alleinstellungsmerkmal von uns Bloggern sei, ist nur wohl leider untergegangen – meine Schuld.

    1. Stimmt, du hast Wolfgang wirklich contra gegeben 🙂
      Und während der Session ist es leider wirklich etwas untergegangen, und das ist nicht unbedingt deine Schuld. Vielleicht kannst du deinen Standpunkt beim nächsten Mal deutlicher präsentieren, dafür hätten deine Mitredner aber auch mal einen Augenblick in den Hintergrund treten und weniger Raum beanspruchen müssen.

      1. Ja, aber: Das war schon meine Schuld. Ich hab es den beiden im Vorfeld ja auch mehrfach gesagt: Ich bin im Moment echt mehr so kuschelig unterwegs und will mehr so meine Ruhe, das Thema passt gerade gar nicht zu mir. Das war einer der Gründe, warum ich einfach sehr passiv war – da können die anderen gar nichts dafür, ich hätte mich klarer entscheiden müssen, was ich will, ich hätte gar nicht mitmachen sollen, wenn ich hinter dem Thema nicht so stehe. Ich wollte die beiden halt auch nicht hängen lassen und fand es nett, dass sie mich dabeihaben wollten, und dachte mir – da dachte ich auch noch, es wird eine Diskussionsrunde, kein Vortrag, das dachte ich ja, bis ich sah, dass das räumlich nicht möglich ist – das könnte eigentlich interessant werden, gerade weil wir unterschiedliche Positionen haben. Aber ich bin dann halt während der Session auch nicht aus dem Quark gekommen, das muss ich schon auf meine Kappe nehmen. Schade um das Thema. Und ich glaube, ich eigne mich einfach nicht für Sessions, also, nicht um sowas zu leiten. Vielleicht macht wer anderes nochmal nächstes Jahr was cooles zu dem Thema, würde mich freuen.

  12. Hallo Mareike,

    für meine Begriffe hast du einen wesentlichen Teil des Problems hier erfasst:
    „Alte weiße Männer dozieren über die Qualität, die Literaturblogs haben oder nicht haben. Sie beanpruchen damit einen weiteren Teil des Literaturbetriebs und die Deutungshoheit für sich ein.“

    Diese Blogger sind (just my 50 cent) recht feuilletonnah (siehe auch die Einladung zum DLF) und deshalb dreht sich die Qualitätsdiskussion auch nie aus diesem Strudel weg. Es ist recht repetitiv. Das Gros der Blogger bloggt in ganz anderen literarischen Ecken. Ich kann nachvollziehen, dass die genannten Blogger eine ganz bestimmte Haltung einnehmen, aber sie sind nicht repräsentativ. Und das geht in der öffentlichen Wahrnehmung unter und das ist nicht gut, weil aus diesem Strudel heraus dann alle anderen Blogs als Wischiwaschi ankommen.

    LG Bettina

    1. Moin Bettina!

      Ich kann auch nachvollziehen, aus welchen Ecken die Blogger kommen, aber bei manchen Aussagen sträuben sich mir dann doch die Nackenhaare. Inzwischen sind aber einige der Genannten in die Diskussion eingetreten, das macht das Ganze nochmal auf eine andere Art spannend, weil es jetzt wieder wirklich ein Austausch ist. Und das sollte ja eigentlich angestrebt werden.

      Cheerio,
      Mareike

  13. So, ich habe mir vorhin die Session selbst einmal angehört und muss sagen, dass ich das Ganze eher als Anstoß zu einer Diskussion verstanden habe, als dass hier wirklich beinharte Thesen und Meinungen diskutiert wurden.

    Natürlich sind einige Punkte kritikabel, die auch von euch auf aufgegriffen und diskutiert werden. Es mag sein, dass über die Sessions hinweg einiges kulminierte (Tischers Interview, Selbstverständnis und -darstellung mancher Blogger), dennoch würde ich jetzt nicht gleich diesen Männern die Kompetenz und ihren Willen absprechen.

    Rein subjektiv gesprochen gibt es einige Punkte und Anregungen, die ich aus der Diskussion/dem Thesenreferat mitnehme, wenngleich sich deren Bloggerwelt grundlegend von meiner unterscheidet.

    Außerdem saß mit Katharina eine Frau auf dem Podium, deren Beiträge zur Gleichstellung und Repräsentation zu dem Klügsten und Inspirierendesten gehören, das ich in den letzten Monaten lesen durfte.

    Dass die Diskussion nicht besser moderiert wurde und auch die Redeanteile recht ungleich verteilt waren – daran sollte man im nächsten Jahr natürlich arbeiten. Und das auch, wenn es keine finanziellen Anreize oder Ähnliches gibt. Die Zuhörer verdienen es. Aber ich glaube, dass da auch schon ein Willen da ist.

    Schön vor allem, dass hier auch das passiert, was in der Session eingefordert wurde – ein echte Diskussion über mehrere Blogbeiträge hinweg , die viele Aspekte aufgreift, über die ich mir in dieser Form gar keine Gedanken gemacht hätte.

    1. Moin Marius!
      Gleich vorne weg: in meinem Artikel geht es nicht um Kataharina (deren Arbeit ich sehr schätze, aber das nur am Rande), sondern um die Männer der Runde. Wie der Titel schon sagt.

      Ich war auch erst am Überlegen, ob es Diskussionsanstöße sein sollten, die präsentiert wurden, leider kamen sie aber als Meinungen und Überzeugungen rüber, und die stießen einigen sauer auf. Mir eben auch, sonst hätte ich diesen Artikel gar nicht geschrieben.

      Du würdest den Männern nicht gleich den Willen absprechen. Mindestens Jochen Kienbaum spreche ich eben diesen aber ab, er hat es ja selbst dem Börsenblat gegenüber und später auch in Tweets zugegeben. Wolfgang Tischer will ich zumindest was das Interview mit Linus den guten Willen nicht absprechen, aber gut gemeint ist eben nicht gut gemacht, und wenn man hohe Qualitätsforderungen an den Tag legt, wie es alle drei im Artikel angesprochenen Männer tun, muss man den eben auch liefern.

      Dass Anna und ich jetzt über zwei Beiträge verschiedene Aspekte aufgreifen und diskutieren (wollen) liegt übrigens nicht an den Forderungen der Session. Was das angeht hinkt diese Forderung zeitlich ganz schön hinterher, denn ich arbeite regelmäßig mit anderen Bloggerinnen zusammen (z.B. beim Feminismusspecial letztes Jahr, Blogtouren zu diversen Themen, etc). Und ich bin da kein Einzelfall. Manchmal passiert eine Zusammenarbeit hinter den Kulissen, manchmal wird sie in (Gast-)Beiträgen sichtbar. Aber diese Forderung rennt nicht mal mehr offene Türen ein, das Thema ist schon lange durch bzw. unter vielen Blogger_innen selbstverständlich.

      Es freut mich aber, dass dir die Artikel auch andere Aspekte zeigen konnten. Genau darum geht es mir ja auch beim Bloggen 🙂

      Cheerio und einen guten Start in die Woche,
      Mareike

    2. Ich habe mich jetzt so ein bisschen zwischen den Beiträgen zu der Bloggersession, die ich selbst noch nicht gehört habe, hin und her beweget und frage mich schon ein wenig, ob es nicht sinnvoll gewesen wäre, die Kritikpunkte, die es ja offensichtlich zurecht gab oder gibt, direkt anzusprechen. So wie ich das verstanden habe, war die Session, um die es ging, ja tatsächlich auf Diskussion aus, das kam wohl aber im Auditorium nicht so an … nun, ist rum ums Eck.
      Aber ich möchte Marius hier unbedingt beipflichten, was Katharina angeht, denn sie ist an dieser Front wirklich sehr rege und wenn man sich mit ihren Beiträgen ein wenig befasst hat, darf man sie nicht in einen Topf mit dem Rest werfen. Das wäre in diesem Fall zu kurz gegriffen.
      Auch was Aussagen angeht, die mal jemand gemacht hat, sie aber durchaus gelöscht hat mittlerweile, würde ich persönlich kein Fass aufmachen wollen, auch wenn ich sie mehr als grenzwertig finde – da würde ich den Betreffenden eher persönlich „festnageln“ wollen.
      Was ich gut finde, wie Marius auch, dass hier tatsächlich eine Debatte entstand, bei der man aber auch merkt, wie wichtig es ist, klar zu sein, in dem, was man sagt oder schreibt – beziehe mich hier auf die „Ironie“ gewisser Aussagen. Immer noch gilt bei der Kommunikation folgendes System: Sender–> Blackbox –> Empfänger und das ist bei Menschen, die man nicht (gut) kennt und gerade im Internet noch wichtiger, weil die Blackbox so verdammt dunkel sein kann 😉
      Was Jochen Kienbaums „Forderung“ oder Anmerkung des gegenseitigen „Lektorierens“ angeht: Wie Du selbst unten schreibst, arbeitest du immer wieder zusammen mit anderen Blogger*innen und weißt, wie gut das sein kann. Ich habe mit eine paar Gleichgesinnten einen Gemeinschaftsblog – und wir lesen gegenseitig immer die Texte durch, um Verständnisfragen abzuklären. Ich empfinde das als überaus bereichernd, weil es mir zeigt, wie das, was ich mir in meinem Kopf zusammenreime bei anderen ankommt, manchmal gar nicht 😉 Im Grunde ist diese Anregung also gut gemeint, aber vielleicht einfach für einen Teil der Blogosphäre – wie du sagst – der Zeit hinterher.
      So, jetzt hab ich meinen Senf auch noch drauf gepackt und bin gespannt, was sich so alles tut … in Zukunft. Aber prinzipiell machen wir unser Ding, wie wir es für richtig halten, weil es uns so Spaß macht 😉 Liebe Grüße, Bri

      1. Moin Bri!

        Ich frage mich die ganze Zeit, warum immer wieder Katharina angebracht wird – sie ist gar nicht Thema des Artikels, und wird auch mit niemanden „in einen Topf geworfen“. Ich nenne sie als Mitrednerin des Vortrages, aber es geht in meinem Artikel um etwas anderes. Mir jetzt zu unterstellen, ich wollte sie diskreditieren o.ä. finde ich mindestens seltsam.

        Wenn ihr auf eurem Gemeinschaftsblog immer eure Texte lektorieren könnt freut mich das. Ich habe neben meinem Blog eher wenig Zeit zu, und meiner Bloggercrew geht es ähnlich. Es geht nicht darum, dass wir das nicht wollen, sondern dass uns schlicht die Kapazitäten fehlen, auch noch so zeitintensiv bei anderen Blogs mitzumischen. Unsere Zusammenarbeiten umfassen andere Dinge, Lektorat aber eher alle Jubeljahre mal. Bei Jochen Kienbaums Aussage störte es mich, dass es im Kontext von vergüteten Kooperationen genannt wurden – was für die meisten anderen Buchblogger_innen schlicht utopisch ist.

        Cheerio und schon mal schöne Feiertage 🙂
        Mareike

        1. Moin Mareike, ich habe Dir nicht unterstellt, dass Du Katharina diskreditieren möchtest, aber eine klare Trennung kam bei mir eben nicht an. Deswegen habe ich Marius Aussage einfach noch mal gestützt.
          Vielleicht war das auch noch der Eindruck des mit Deinem verknüpften Posts andernorts … aber so ist das mit der Kommunikation, wie ich schon schrieb. Kommt halt manchmal anders an, als gedacht.
          Und auch was ich zu dem „lektorieren“ schrieb, war nicht so gedacht, dass das jeder machen müsste. Jeder soll das tun, was er für richtig hält, meine Devise. Es war nur Ausdruck darüber, dass ich froh bin, dass wir das gegenseitig tun können. Dazu muss man sich meiner Meinung nach auch einigermaßen gut kennen, um sich nicht gegenseitig auf den Schlips zu treten, was ja offensichtlich schnell geht …
          Du hast hier ein paar steile Thesen aufgestellt, die ich im Großen und Ganzen sehr gut nachvollziehen kann – aber dich eben schon auf diese eine Bloggersession bezogen, die halt auch Katharina mitgestaltet hat … und sich deshalb auch dafür verantwortlich fühlen könnte, wie es gelaufen ist … und die Kritik, die Du vornehmlich auf Jochen Kienbaum und / oder Tobias Nazemi richtest, auch auf sich beziehen, wie auch ihr Beitrag oben nahe legt. Das sind Kollaterlaschäden, die man beachten muss, bei stacheligen Texten, wie Deinem 😉 mehr wollte ich nicht sagen, das ist ein wirklich nicht einfaches Terrain. Ich jedenfalls bin auf euren Sturm gespannt und die Aussage Jochen Kienbaums, dass die Session besser vorbereitet worden wäre, wäre die Vergütung besser gewesen … nun, das muss jeder für sich entscheiden, wie er dazu steht. Vergütung oder nicht, wenn man etwas tut, dann richtig … so seh ich das. Aloha und schöne Feiertage! 🙂

          1. Moin Bri,

            tut mir leid, vielleicht stehe ich auf dem Schlauch, aber der Artikel heißt „Alte weiße Männer…“, und Katharina habe ich nur als Mitvortragende des Vortrags genannt. Hätte ich sie weggelassen wäre das (auch aus meiner Sicht) nicht richtig gewesen. Dass ich Annas Artikel mit verlinkt habe liegt daran, dass wir uns gemeinsam Gedanken gemacht haben, wie wir mit unseren Gedanken und Kritikpunkte umgehen wollen. Wenn du mit Annas Aussagen nicht übereinstimmst ist das absolut okay, aber dann würde ich dich bitten, das bei ihr zu kommentieren 😉 wie man sieht bin ich davon nachhaltig verwirrt 😀

            Nee, so hatte ich dich auch nicht verstanden. Vielleicht habe ich mich auch missverständlich ausgedrückt. Ich meinte es ernst als ich sagte, dass ich es cool finde, wenn ihr das auf eurem Blog schafft 🙂 Bei Kienbaum kam das allerdings wegen des Kontextes anders rüber.

            Und was den Sturm angeht: ich bin auch sehr gespannt, da es seit der Buchmesse etwas zu brodeln scheint.

            Genieße die Feiertage, ich hoffe du hast frei (ich darf mich in Hamburg durch Wind und Schneematsch kämpfen, das ist eher uncool).
            Cheerio,
            Mareike

  14. Servus Mareike,

    na dann lassen wir uns doch mal überraschen, ob für kommende Veranstaltungen ein Wille da ist. An sich finde ich die Debatten schon spannend und überlege mir auch selber, wie wohl die weiteren Entwicklungen in der Bloggosphäre aussehen können.

    Vielleicht gibt es in Frankfurt im Herbst oder in Leipzig dazu spannende, impulsstiftende und anregende Vorträge, die nachholen, was die Leipziger Session schuldig geblieben ist. Ich würde es mir wünschen.

    Die darf dann halten, wer mag: egal ob alte Männer oder junge Frauen – wer auch immer mag und was zu sagen hat, der sollte das tun – über E und U Sparten hinweg, denn dann kommt auch was dabei raus. Und der Debatte sei Dank bin ich jetzt auch über deinen Blog gestolpert, den ich vorher so nicht auf dem Schirm hat. Damit hat sich das für mich schon gelohnt, auch wenn mir klar ist, dass eure Beiträge und Kooperationen natürlich nicht mit der Session korrelieren. 😉

    Beste Grüße und dir ebenfalls nen tollen Start in die Woche,
    Marius

    1. Moin Marius!

      Ich wäre für solche Vorträge auch zu haben, zumal es in der Literaturszene im Allgemeinen ganz andere Plätze gibt, auf die man Energie verwenden sollte (mangelnde Repräsentation von Minderheiten, Sexismus und Rape Culture, rechte Verlage und die Buchmessen, etc). Im Zweifelsfall diskutiere ich das auch privat bei nem Kaffee 😉

      Du, ich kannte deinen Blog auch noch nicht, den gucke ich mir übermorgen (freier Tag) mal in Ruhe an.

      Cheerio,
      Mareike

  15. Liebe Mareike,

    ich muss mich an die eigene Nase fassen, dass ich eine ironisch-provaktive Aussage offenbar so ernst vorgetragen habe, dass es so klang, dass ich tatsächlich meine, was ich gesagt habe.

    Zumindest interpretiere ich deinen Beitrag so, dass du meine Aussage »Qualität interessiert keinen« wörtlich nimmst. Anders kann ich mir deine offenbar ebenso ernst gemeinten Schlussfolgerungen wie »Laut diesem Kommentar bedeutet über Bestseller zu schreiben geringe Qualität« und »Qualität hat nur, was über kleine Verlage geschrieben wird« nicht erklären. Oder verstehe ich jetzt deine Ironie nicht?

    Denn meine ironische Aussage zielte gerade auf Jochen und Tobias, die leider – aus Gründen die nicht genannt wurden – fluchtartig das Podium verlassen mussten, als die Diskussion über das begann, was sie vorgetragen haben. Das war mehr als unglücklich. Dann saß nur noch Katharina auf dem Podium, die ich eigentlich gar nicht attackieren wollte. Denn ich stimme dir, Mareike, absolut zu, dass Jochen, Tobias und ich eine Randgruppe sind. Dazu unten mehr.

    Ich muss daher meine provokative Aussage »Qualität interessiert keinen« zunächst einmal völlig ernst gemeint in das umsetzten, was ich damit ausdrücken wollte:

    »Nur Qualität wird sich längerfristig durchsetzen. Daran müssen wir alle arbeiten, auch wenn die Klickzahlen gelegentlich anderes vermuten lassen. Dass ein Beitrag über einen Bestseller höhere Klickzahlen bringt, darf uns nicht dazu verleiten, nur noch darüber zu schreiben. Und dabei ist es völlig egal, über welche Art von Büchern wir schreiben.«

    Die Debatte »Feuilleton vs. Blogger« finde und fand ich schon immer überflüssig, unsäglich und falsch. Wenn sie jetzt zu »Ältere Blogger vs. jüngere Blogger« oder gar »Männer vs. Frauen« führen würde, wäre das noch schlimmer und erbärmlicher.

    Müssen wir immer mit Abgrenzungen leben? Müssen wir immer Kategorisieren? Müssen wir immer in x gegen y aufbauen? Das ist doch schrecklich! Wenn jemand über einen Fantasy- oder Romance-Titel schreibt, dann ist das doch nicht besser oder schlechter, als wenn jemand über einen zeitgenössischen nicht-genre Titel bloggt? Warum soll das eine besser oder schlechter sein als das andere? Warum immer dieses Polarisieren? Warum immer das Schlechtmachen derer, die nicht über »hochheilige Feuilletonbücher« schreiben?

    Im Vorfeld des Panels zu den Blogvergleichen und -Rankings habe ich mich eingehend mit den Auswertungen zu den Buchbloggerinnen von Tobias Zeising auf lesestunden.de beschäftigt. Die zeigen ganz eindeutig: über zeitgenössische Literatur bloggende Männer sind die Ausnahme! 92% der Buchblogs werden von Frauen geführt. Unter 8% der besprochenen Titel sind zudem das, was man »zeitgenössische Literatur« nennt. Tatsächlich dominieren Beiträge über Jugendbücher (40%), Kinderbücher (15%) und Unterhaltungsliteratur (12%). Wenn also gleich zwei Männer beim 1. Buchblog-Award gewinnen, dann ist das ebenfalls in keiner Weise repräsentativ.

    Ich kann nur eine Aussage vom letzten Jahr wiederholen: »Es gibt keine Buchblogs!« Es gibt nur viele, viele Menschen, die über Bücher schreiben.

    Beste Grüße
    Wolfgang

    1. Moin Wolfgang!

      Ich muss gestehen: deine Ironie ist bei mir in der Tat nicht angekommen, und ich meine meine Aussagen auch nicht ironisch. Deine Aussage hätte ernst gemeint auch schlicht Realität sein können. Aber gut, dass das schnell geklärt werden konnte.

      Ich möchte keine Debatte „alt vs. jung“ oder „Frauen vs. Männer“, ich finde wie du Grenzen und Fronten in der Regel überflüssig (Ausnahmen gibt es bei Diskriminierungsformen, aber das ist ein anderes Thema). Trotzdem wird von einigen Blogger_innen der Unterschied „Literaturblogger vs. Genrebuchblogger“ aufgemacht, siehe z.B. Tobias in seinem ersten Kommentar. Das stößt deswegen denjenigen, die eben eher „Unterhaltungsliteratur“ bloggen, sauer auf, weil damit oft eine arrogante Attitüde einhergeht bzw. so wahrgenommen wird. Und solange es Blogger_innen gibt, die diesen Unterschied aufmachen, werde ich dagegen wettern und versuchen deutlich zu machen, dass diese Unterscheidungen meiner Meinung nach überflüssig sind. Mit Tobias bin ich da aber schon im Gespräch.
      (Kurzer Einwurf zum Begriff Unterhaltungsliteratur: sollte nicht jedes gute Stück Literatur unterhalten? Oder habe ich da was grundsätzlich missverstanden?)

      Beim Buchblog-Award kann ich dir nur zustimmen, aber die Debatte über 2017 ist durch, denke ich, deswegen mache ich jetzt nicht noch ein Fass auf. Ich bin vielmehr gespannt, wie das jetzt 2018 läuft und ob das repräsentativer ist 🙂

      Cheerio,
      Mareike

      1. Liebe Mareike,

        gut, dass das geklärt ist, und ich hoffe mal, dass auch alle brav bis hier die Kommentare lesen 🙂

        Zum Thema »unterschiedliche Bücher« ist natürlich festzuhalten, dass es nunmal durchaus Bücher gibt, die sich an unterschiedlichen Leseerwartungen ausrichten (Vorsichtig ausgedrückt). Man kann das U und E oder Genre und Nicht-Genre nennen. Ich bin diese Diskussion leid, weil sie von vielen sofort Qualitativ besetzt wird, ohne das man das beabsichtigt hat. Und das nicht nur von denen, die die vermeintlich „bessern“ Bücher lesen. Und dann haut meist auch noch einer die Phrase raus: „In den USA gibt es diese Unterscheidung nicht, das ist typisch deutsch“. Es gibt unglaublich schlechte Bücher, die mit hochliterarischem Anspruch daherkommen, und es gibt wunderbare Bücher, die als „Unterhaltungsliteratur“ gelten. Für mich ist das nicht der Punkt. Allerdings erlebe ich oft, dass sich viele Leser dessen, was man landläufig so „Unterhaltungsliteratur“ nennt, auch selbst klein machen. Wenn ich manchmal Leute frage: „Und was liest du so?“, höre ich gelegentlich ein „Oh, das sage ich dir besser nicht. Ich weiß nicht, was du dann von mir denkst.“ Ähnliches erlebe ich auch bei Bloggern und Bloggerinnen: „Ich blogge meist nur über so Jugendbücher und Liebesromane.“

        Was ich damit andeuten will: Gelegentlich kann die bei anderen gesehene Arroganz auch im Auge des Betrachters liegen. Gelegentlich habe ich den Eindruck, man meint, die anderen halten sich für was Besseres, weil man sich selbst (mehr oder weniger bewusst) für schlechter hält. Und wenn andere Regeln aufstellen? Was soll’s! Das ist mir doch sowas von egal.

        Natürlich gibt es auch unterschiedliche Arten von Blogs. Logisch! Aber das „vs.“ ist immer doof, egal von wem es kommt. Oder besser gesagt: dass wirklich ernst gemeinte „vs.“ ist doof. Denn ich provoziere ja auch sehr gerne, weil es bisweilen auch großen Spaß macht. Einige halten das für Arrogant, aber das weiß ich und nehme ich in Kauf, denn es ist Teil des Spiels. Nur wenn es plötzlich für einige hochheiliger Ernst wird, dann bin ich oftmals selbst irritiert. So wie eben auch Ironie nicht immer funktioniert.

        Beste Grüße
        Wolfgang

        1. Hallo Wolfgang!
          Schau mal in den Artikel 😉 Ich hab „deinen“ Abschnitt mit einem entsprechenden Vermerk markiert und den Text eingeklappt. So viel muss dann ja doch sein. Ich lasse meinen ursprünglichen Kommentar dazu aus Transparenzgründen stehen, den muss man aber aktiv ausklappen. Ich hoffe, das ist für dich so in Ordnung.

          Zum Rest: Natürlich kann eine wahrgenommene Arroganz auch auf der eigenen Wahrnehmung beruhen, und vielleicht müssen Teile der Bloggerszene da selbstbewusster werden. Auf der anderen Seite kommt ja auch diese Selbstwahrnehmung nicht von ungefähr.

          Ansonsten bin ich was das „vs“ angeht ganz deiner Meinung. Was soll der Quark? Es tut mir fast ein bisschen leid, dass ich nur so knapp antworte, aber mehr als „jo, sehe ich auch so“ kann ich nicht machen ohne redundant zu werden…

          Cheerio,
          Mareike

    1. Moin Ruprecht!

      So weit würde ich nicht gehen. Ich finde seine Grundlage für seine Forderung dürftig, aber „disqualifizieren“…da gibt es ganz andere Kaliber, über die die Buch und Bloggerbranche reden sollte. Jochen Kienbaums Forderung nach einer angemessenen Entlohnung für Blogger finde ich nicht so verkehrt, aber man muss halt über den Rahmen sprechen und was beide Seiten beizutragen haben.

      Cheerio,
      Mareike

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